«Lebenshilfe» Reinach
Abtretender Stiftungsrats-Präsident hört auf, «solange es noch Spass macht»

Ruedi Hug verlässt nach 15 Jahren die Stiftung «Lebenshilfe». Im Rückblick hat er neben einem kleinen Wermutstropfen nur Gutes über seine Zeit im Stiftungsrat zu berichten.

Rahel Plüss
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Ruedi Hug tritt zurück. Der letzte grosse Anlass in seiner Amtszeit ist die Weihnachtsausstellung im Saalbau.

Ruedi Hug tritt zurück. Der letzte grosse Anlass in seiner Amtszeit ist die Weihnachtsausstellung im Saalbau.

Jiri Reiner

Gute 15 Jahre war Ruedi Hug im Stiftungsrat der «Lebenshilfe», die letzten acht als Präsident. Jetzt tritt er zurück. Aber nicht, weil es ihm verleidet ist. Im Gegenteil: «Man muss aufhören, solange es noch Spass macht», sagt der 56-jährige Reinacher.

Seine Aufgabe habe ihm all die Jahre viel Freude gemacht – vor allem die Begegnungen mit den Klientinnen und Klienten. «Die Offenheit dieser Menschen und ihre Art, Gefühle, Wut oder Trauer, zu zeigen, hat mich fasziniert, ja beeindruckt», sagt Ruedi Hug. «Von ihnen können wir eine Menge lernen.»

Den Kontakt zur Basis hat er trotz vieler Bauvorhaben und Führungsaufgaben stets gesucht. «Ich habe immer gesagt, wir sind eine Einheit, vom Angestellten bis zum Stiftungsrat». Er habe nie ein Stiftungsratspräsident sein wollen, «den man nicht kennt.» Doch mit dem Grösserwerden der Stiftung sei es zunehmend schwieriger geworden, seinem Grundsatz treu zu bleiben.

Jahresumsatz von 18,2 Millionen

Seit dem Amtsantritt von Ruedi Hug im Jahr 2007 ist die Stiftung stetig gewachsen. Das zeigt sich im erweiterten Angebot im Wohn- und Arbeitsbereich, aber auch bei der Anzahl Mitarbeitenden. Die hat sich auf heute 220 Angestellte verdoppelt. Der Umsatz hat sich gar vervierfacht: Das Budget 2015 rechnet mit 18,2 Millionen Franken. Im Bereich Wohnen werden heute 95, in der Arbeit 180 Personen mit Beeinträchtigung betreut. Dieser Erfolg freut den Abtretenden.

Trotzdem, sein Verdienst allein sei das natürlich nicht. «Da haben alle Verantwortungsträger mitgeholfen.» Aber es hänge schon mit dem Pioniergeist von Stiftungsrat und Geschäftsführer zusammen, den man nach der durch den Kanton verfügten Schliessung der Heilpädagogischen Sonderschule an den Tag gelegt habe. Mit der Schaffung eines Angebots für Schulabgänger einer Heilpädagogischen Sonderschule habe man eine absolute Nische gefunden. Schon bald habe sich gezeigt, dass in diesem Bereich grosser Bedarf bestehe.

So stand das Jahr 2008 mit der Eröffnung einer institutseigenen Berufsschule in Aarau ganz im Zeichen des Neuen. 2011 übernahm die Stiftung Lebenshilfe die Pacht des Hotels und Restaurants «zum Schneggen» in Reinach. Dort arbeiten seit Betriebsaufnahme Klientinnen und Klienten im oft hektischen Alltag mit und trainieren dabei die für eine Integration in die Wirtschaft notwendigen Fertigkeiten. «Drei Personen haben diesen Schritt unterdessen schon gewagt», sagt Ruedi Hug.

«Der Mensch muss einfach immer im Mittelpunkt stehen, egal was passiert.» Lösungsorientiertes Arbeiten stand für Ruedi Hug von Beginn weg im Zentrum. Als er das Präsidium übernahm, machte er sich an die Reorganisation des Stiftungsrates. «Ich habe das Gremium am Anfang als Nickerverein erlebt.»

Die Opposition, die Auseinandersetzung habe ihm gefehlt. «Das kann nicht sein», habe er sich gesagt und den Stiftungsrat auf sieben Personen verkleinert. Drei Ausschüsse an je zwei Personen befassen sich seither mit einem Fachgebiet und bringen ihre Erkenntnisse in die Sitzungen.

«Gärtlidenken» in der Branche

Trotz aller Erfolge und schöner Erlebnisse, eines stimmt den abtretenden Stiftungsratspräsidenten traurig. Oder ist es Enttäuschung? Resignation? «Mich hat gestört, dass die Führungen anderer Stiftungen nie zu einer Zusammenarbeit bereit waren.»

Er habe es immer wieder versucht, aber es herrsche einfach ein «Gärtlidenken in dieser Branche». Er sehe das als verpasste Chance, als Einheit aufzutreten und so mehr Gewicht zu erhalten, «auch oder vor allem auf dem politischen Parkett.»

Ein Werk, das Ruedi Hug mit ins Leben gerufen hat, ist noch nicht ganz vollendet: der Neubau «Breiti» in Reinach. Das Bauvorhaben sei aber auf Kurs. Nötig wurde das Acht-Millionen-Projekt, weil man im Jahr 2013 ein Wohnangebot mit Intensivbetreuung für beeinträchtigte Menschen mit herausfordernden Verhaltensweisen realisiert hat. Die ersten Bewohner wurden an der Baselgasse in einem Bauprovisorium einquartiert. Wenn alles nach Plan läuft, können sie im August 2015 in den Neubau einziehen.

Mehr Zeit fürs Privatleben

Was macht der abtretende Stiftungsratspräsident künftig mit der neu gewonnen Zeit? «Ich werde mich vor allem auf eine neue Herausforderung im Job konzentrieren», sagt Rudi Hug, der in der Vermögensverwaltung tätig ist. Daneben werde er als Mitglied der vierköpfigen Betriebskommission weiterhin das kulturelle Leben im Saalbau mitprägen. Auch für das Privatleben darf ein bisschen mehr Zeit bleiben: Ruedi Hug freut sich auf Ausflüge in die Natur mit seiner Frau oder mehr Gelegenheit zum Golfspielen.

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