Bottenwil

Abtretende Gemeindeschreiberin: «Ich freue mich, wieder unbelastet durchs Dorf gehen zu können»

Elisabeth Giudici freut sich auf ihre Pension. Christine Wullschleger

Elisabeth Giudici freut sich auf ihre Pension. Christine Wullschleger

Nach 31 Jahren auf der Kanzlei geht Gemeindeschreiberin Elisabeth Giudici morgen in Pension.

Ein Mandarinli liegt in der Früchteschale, die Akten sind fein säuberlich sortiert, am Boden stehen volle Archivkisten, ein Foto des Gemeinderates steckt zwischen den Büchern. Morgen wird Elisabeth Giudici ihren letzten Tag als Gemeindeschreiberin von Bottenwil haben. Sie wird pensioniert. Nach 31 Jahren auf der Gemeindekanzlei. Sie wurde als Sachbearbeiterin und als Stellvertreterin des damaligen Gemeindeschreibers Ueli Schär in Bottenwil angestellt. «Frauen gab es damals noch sehr wenige auf den Kanzleien», sagt Giudici rückblickend. Im Herbst 1980 zog sie mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in die Gemeinde. «Es war unser Ziel, hierzubleiben», sagt sie. Bottenwil habe alles erfüllt, was sie gesucht hätten: ländlich, übersichtlich und schön. «Hier fühle ich mich zu Hause.»

Am 1. Januar 1994 wurde sie Gemeindeschreiberin von Wiliberg. Damals machten die Gemeinden Bottenwil und Wiliberg das, was heute immer wieder vorkommt: Sie legten die Verwaltungen zusammen. «Wir profitierten davon, dass die Verwaltungen an einem Ort geführt wurden. Elisabeth Giudici wurde auch Zivilstandsbeamtin. «Das war eine schöne Arbeit und hat mir sehr gefallen», sagt sie.

Sie verdrückte auch Tränen

Drei Jahre später wurde sie Gemeindeschreiberin von Bottenwil. Dafür musste sie ihren Arbeitsort nicht wechseln, nur ihr Büro. Irgendwann ihren Job zu wechseln, daran habe sie während all der Jahre nie gedacht. Der Kontakt mit den Menschen, die abwechslungsreiche Arbeit, das hat ihr gefallen. «In all den Jahren ist aber der Umgang mit den Menschen schwieriger geworden», sagt Elisabeth Giudici. Sie habe festgestellt, dass die Leute heute viel fordernder seien und manchmal auch aggressiv reagieren würden. «Ich habe aber gelernt, damit umzugehen. Ich habe oft gesagt: ‹So kommen wir nicht weiter, gehen Sie nochmals nach Hause und kommen Sie morgen wieder, dann besprechen wir alles in Ruhe.› Das hat meist gut geklappt.»

Vieles hat sie erlebt, viele Protokolle geschrieben, oft gelacht und manchmal auch geweint. «Wenn Angehörige von Verstorbenen in die Verwaltung kamen, um die Beerdigung zu organisieren, wurde das schnell auch sehr persönlich. Das ist mir öfters nahe gegangen», sagt sie.

Wieder unbelastet durchs Dorf

Morgen also wird die langjährige Bottenwiler Gemeindeschreiberin ihren letzten Arbeitstag haben. Eine Ära wird dann zu Ende gehen. «Ich bin etwas traurig, dass diese schöne Zeit mit Elisabeth Giudici zu Ende geht», sagt Gabriela Murè, Gemeindeschreiberin von Wiliberg. «Da unsere Arbeitseinstellung sehr ähnlich war, hat unsere Zusammenarbeit sowohl geschäftlich als auch menschlich bestens funktioniert.» Nie sei sie schlecht gelaunt gewesen, stets hilfsbereit. Alt-Gemeindeammann Hans-Jörg Beutler sagt, in hektischen Zeiten habe Elisabeth Giudici immer Ruhe bewahrt. Sie habe sich nie in den Vordergrund gestellt. «Sozialkompetenz war eine ihrer grossen Stärken und trug zu einem guten Klima bei», sagt er.

Elisabeth Giudici wird den Alltag in der Gemeindekanzlei vermissen, aber freut sich auch auf den neuen Lebensabschnitt: «Und vor allem freue ich mich, wieder unbelastet durchs Dorf gehen zu können», sagt sie. Denn genau das habe sie die letzten die Jahre nicht tun können. Oft sei sie sich wie eine Polizistin vorgekommen, wenn sie bei kleineren neuen Bauten überlegt habe, ob dafür auch ein Baugesuch eingereicht worden sei. Auch wieder unbeschwerter mit den Bottenwilern sprechen und nicht immer die ganze Geschichte hinter einer Person zu kennen, darauf freut sie sich.

Planen will sie für die «Zeit danach» nichts. «Ich möchte Chef über meine Agenda sein und einfach alles auf mich zukommen lassen», sagt sie. Sie möchte wieder mehr Kontakte pflegen, lesen und mit Hund Oskar spazieren gehen. «Morgens kann ich aber ein bisschen länger schlafen, dann geht mein Mann mit Oskar auf die Tour», sagt sie und lacht ihr fröhliches Lachen.

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