Liechtenstein, Griechenland, England, Schottland, Irland, USA – aus der ganzen Welt reisten sie nach Hirschthal. Rund 50 Leute folgten der Einladung von Pro Silva Europa, um sich über ein umweltfreundliches und bodenschonendes Holzernteverfahren zu informieren, das seit zwölf Jahren im Forstbetrieb Muhen-Hirschthal-Holziken praktiziert wird.

Nicht zuletzt, weil Revierförster Urs Gsell davon überzeugt ist, dass nur die naturnahe, schonende Bewirtschaftung der Wälder längerfristig zum Erfolg führt. «Um einen einzelnen Baum zu begreifen», zitierte Gsell, den japanischen alternativen Nobelpreisträger David Suzuki, «muss man den Wald als Ganzes verstehen.»

Eines der weltweit grössten Probleme der Landwirtschaft ist der Verlust von fruchtbaren Böden. «Wenn wir mit grossen Fahrzeugen den Wald befahren, verliert er seine Vitalität», ist Gsell überzeugt. Dass der 54-jährige Revierförster mit seiner Denkweise nicht auf dem Holzweg ist, beweisen etliche andere Forstbetriebe aus der Region: Sie haben inzwischen sein Holzernteverfahren übernommen.

Und so funktioniert das nachhaltige Verfahren, wie es Urs Gsell seit Jahren anwendet: Statt tonnenschweren Maschinen setzt sein Forstbetrieb Pferde, Bodenzüge und Seilbahnen ein, und falls es nicht ohne Fahrzeuge geht, benutzen die Forstarbeiter die vorhandenen Strassen und Wege.

Das lohne sich allemal, sagte Gsell, wenn dies pro Kubikmeter Holz auch fünf Franken teurer zu stehen komme als die herkömmliche Ernte-Art. «Denn das Kapital des Waldes ist der Boden und die Bäume, die darauf wachsen.»

Was sagen die ausländischen Fachleute zu dieser schonenden Arbeitsweise? Der Irländer Padraig Tuama meinte, sie hätten zu Hause auf der Insel noch einen sehr jungen Wald. Die irische Strategie heisse, die Waldfläche bis ins Jahr 2030 markant zu vergrössern. Schon deshalb sei eine nachhaltige Bewirtschaftung unabdingbar. Die Amerikanerin Christel Kern aus Minnesota, die in der Staatsforstverwaltung tätig ist, sagte: «Wir haben natürlich viel grössere Waldflächen und mehr gemischte Nadel- und Laubbäume. Zudem ist die Freiheit jedes Waldeigentümers viel grösser als in der Schweiz.»

Sie sei zum ersten Mal hier, und es gefalle ihr sehr gut, insbesondere die Natur und die Kultur. Überdies seien die Temperaturen und die seenreiche Landschaft sehr ähnlich wie in ihrer Heimat.

Auch Nikos Grigoriadis, Waldforscher in Griechenland und Präsident von Pro Silva Greece, lobte die Schweiz: «Wir in Griechenland haben viel schlechtere Bedingungen, vor allem was Ökologie und Klima anbelangt.» Trotz der Landeskrise müssten er und seine Landsleute optimistisch sein, insbesondere für die nachwachsende Generation. «Pro Silva Europe unterstützt uns dabei massgeblich.»