Wie Ferienlagerhäuser in Miniatur sehen sie aus. Und in den vier langgezogenen Häuschen, die der Autofahrer auf der Suhrentalstrasse auf der Höhe von Holziken erspäht, verweilen die Gäste tatsächlich nur wochenweise. Es sind dies Hühner und Hähne, die unter Bio-Konditionen zu Poulets heranwachsen. Die Tiere, die dort einziehen, verbringen 77 Tage in den Unterständen, bevor sie dem Schlachter übergeben werden.

Ende Dezember wird sich nicht nur die Hühnergemeinschaft auflösen, sondern gleich der gesamte Standort. Denn sobald die Poulets ihrem Schicksal erliegen, als Weihnachtsmenüs zu enden, werden die mobilen Ställe 30 Meter weiter auf ein frisches Wiesenstück gerollt. 500 Tiere fasst ein Stall à 45 Quadratmeter. Steht der Umzug an, so werden Rollen ausgeklappt, auf denen die Hütten weiterziehen.

Hühnerpapa ist der angehende Landwirt Simon Lüscher. Mit 25 Jahren ein junger Vater für eine Schar von immerhin 2000 Mastpoulets. Den Businessplan zum 250 000-Franken-Projekt hat er im Rahmen seiner Ausbildung zum Meisterlandwirt am landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg verfasst.

Ein Besuch bei den mobilen Hühnerställen von Bauer Simon Lüscher

Ein Besuch bei den mobilen Hühnerställen von Bauer Simon Lüscher

  

Pouletmast ist Neuland

Was in und um die Ställe gackert und scharrt, stellt die erste Mastpoulet-Generation dar, seit Lüscher im Oktober die mobilen Ställe erstellt hat. Unter dem Label «Aus der Region für die Region» werden sie bald in den Migros-Regalen zu finden sein. Dank der Mobilität der Ställe kann er die Biomast ohne weiteres auf den Fruchtfolgeflächen umherfahren: «Der jeweilige Häuschenbereich ist sozusagen Geflügelweide.»

Das Gackern von Hühnern ist ein neues Geräusch auf dem Biohof der Lüschers. Auf ihren 22 Hektaren Land baut die Familie Getreide, Kartoffeln und Gemüse an und lässt Rinder weiden. In Zukunft werden dort auch die Mastpoulets in ihren mobilen Häuschen umherziehen. Wenn der Nachwuchsbauer die Vorteile aufzählt, die das Turnussystem für die Tiere hat, sprudeln die Argumente nur so aus ihm heraus: «Jede neue Generation Mastpoulets findet eine unberührte Wiese um ihre Ställe vor, wo sie nach Herzenslust scharren können.»

Bauer Simon Lüscher erklärt, warum er sich für die mobilen Hühnerställe entscheiden hat.

Bauer Simon Lüscher erklärt, warum er sich für die mobilen Hühnerställe entscheiden hat.

Im Kurzinterview mit der «Aargauer Zeitung» erklärt der Holziker Bauer Simon Lüscher, warum er sich für die Nutzung von mobilen Ställen entschieden hat und erläutert die vielen Vorteile dieser Art der Pouletmast. 

Mit dem regelmässigen Standortswechsel herrschten ausserdem bessere hygienische Verhältnisse, weshalb Medikamente auf ein Minimum reduziert werden könnten. Letztlich spielt für Lüscher beim Konzept auch der Umweltgedankte eine Rolle: «Bei fixen Vorrichtungen kommt es zu einer Anreicherung von Hühner-Dünger. Wenn die Ställe aber verstellt werden, wird dieser schön verteilt und der Boden kann sich erholen. Zudem wird kein Landwirtschaftsland verbaut, sondern wachsen später am gleichen Ort wieder Ackerkulturen oder Gemüse.»

Gefragte Ställe

Die Produktion von Mastpoulets in mobilen Ställen ist zwar keine Neuheit. «Schon seit 20 Jahren wenden Bio-Bauern diese Technik an», sagt Lüscher. Neu ist aber das Stallmodell, das der Landwirt in Ausbildung gewählt hat. Der Typ seiner Mobilställe, vertrieben von der Seoner Firma Globogal, wird erst seit diesem Jahr hergestellt. Die fahrbaren Ställe sind spezifisch für die tierschutzkonforme Haltung von je 500 Biomast-Hühnern entwickelt worden, wie Thomas Gloor von Globogal sagt. Das Konzept kommt in der Bio-Landwirtschaft gut an. Die Nachfrage sei bereits sehr gross, so Gloor.

Simon Lüscher greift im Stall in den Körnersack und verstreut zwei Handvoll auf der Wiese. «Damit die Hühner ihre angeborene Futtersuche ausüben können», sagt er. Mehr Handarbeit ist zur Fütterung der Tiere nicht nötig. Das Futter wird völlig automatisiert zugeführt. Die Anlage erkennt per Waage gar, wann es Zeit für Nachschub ist. Auf einem der Dächlein blitzt eine Photovoltaikanlage in der Sonne. «Sie liefert mir genug Energie für die vier Ställe, nur in einer trüben Woche muss ich zusätzlichen Strom einspeisen», sagt Lüscher. Um den Ladezustand der Batterie zu überprüfen, muss er nicht einmal vor Ort sein. Via Smartphone kann er dies jederzeit abfragen.

Wunschprojekt Bruderhähne

Ursprünglich wollte Lüscher noch ein zweites Bio-Projekt in die Pouletmast integrieren. Anstelle von Masthühnern wollte er männlichen Küken beziehen, die im Rahmen der Legehennenzucht schlüpfen (Bruderhähne) und kurz nach der Geburt getötet werden, weil sie keine Eier legen. «Es ist eine ethische Frage, ob man diese Tiere aufzieht oder nicht», sagt er. «Aber ich musste feststellen, dass der Absatz für diese nicht zur Mast gezüchteten Hähne schwierig wird und so sah ich davon ab.»