Seit Jahrzehnten ist der Reinacher Peter Studer einer der engsten Vertrauten von Beat Richner, dem berühmtesten Schweizer Kinderarzt. Schon im Jahr 1992 – der Geburtsstunde des ersten von heute fünf von Richners Kantha-Bopha-Spitälern in Kambodscha – stand der heute 70-jährige Studer seinem Freund als Berater, als Vertreter und als Organisator zur Seite. 

«Am Anfang dachte ich, Beat sei ein Spinner, in einem solch korrupten und systematisch zerstörten Land ein Spital aufzubauen. Aber der Versuch war es wert», sagte Studer Tele M1. Der Kinderarzt, der nach seiner Pensionierung von Reinach nach Birrwil gezogen ist, kennt das Land in Südostasien gut. 1981 machte sich Studer als Rotkreuzarzt ein erstes Mal vor Ort ein Bild, seit 1992 war er selbst 70-mal in Kambodscha.

Ungeahnt im Rampenlicht

Weil es Beat Richner gesundheitlich schlecht geht, steht der zurückhaltende Rentner, der sich 2013 aus seiner Kinderarztklinik in Reinach zurückgezogen hat, nun plötzlich mit der Mammutaufgabe im Rampenlicht: das Lebenswerk von Richner weiterzuführen. Öffentlich trat Studer, seines Zeichens Vizepräsident des Stiftungsrats von Kantha Bopha, bisher nur äusserst selten in Erscheinung. Lediglich an den Benefiz-Galas des Circus Knie zugunsten von Beat Richner liess sich auch Studer regelmässig blicken. Und mit ihm seine Lebensgefährtin Geneviève Cattin.

Seit der Mitteilung von letzter Woche, dass Studer interimistisch die Leitung der Spitäler in Kambodscha mit 2500 Mitarbeitern und knapp einer Million Patienten pro Jahr übernommen hat und somit in die Fussstapfen von Beat Richner tritt, hat sich das schlagartig geändert.

«Es ist ein grosses Loch – er fehlt sehr»: Kinderarzt Peter Studer über seinen Freund Beat Richner.

«Es ist ein grosses Loch – er fehlt sehr»: Kinderarzt Peter Studer über seinen Freund Beat Richner.

Studer trägt nun die Verantwortung für das Lebenswerk seines Freundes und wird vermehrt zwischen der Schweiz und Kambodscha hin und her pendeln. Gerade ist er in die Schweiz zurückgekehrt, Anfang Mai fliegt er wieder nach Südostasien.

Die schwierigste Aufgabe hat Studer bereits hinter sich. Es oblag ihm, nicht nur die Regierung Kambodschas, sondern auch die Mitarbeiter über die gesundheitliche Situation von Richner zu informieren. «Wenn man von Beats Krankheit erzählt, fliessen Tränen, fast überall, wo man hinkommt», sagt Studer mit leiser Stimme.

Wie schlimm steht es um Richner?

Die Krankheit Richners ist ein gut behütetes Geheimnis, das auch Studer nicht lüften will. Er verrät lediglich, dass er früh gespürt habe, dass es seinem Freund nicht gut gehe und dass er nach Absprache mit der Familie veranlasst habe, Richner zu weiteren Untersuchungen in die Schweiz zu bringen. Im Interview mit der «Schweizer Illustrierten» antwortet Studer auf die Frage, ob Richner ihm Anweisungen mit nach Kambodscha gegeben habe, wie folgt: «Nein, dazu ist er derzeit nicht in der Lage.» Das tönt dramatisch. Studer weiter: «Die Angestellten hoffen, dass Beat eines Tages zurückkehrt, aber ich kann nichts versprechen.»

Nun will der 70 Jährige trotz seines Alters «alles Menschenmögliche tun, um zu helfen». Peter Studer kümmert sich vor allem um den Kontakt mit den Behörden und geht, wenn er denn vor Ort ist, wie Richner jeden Tag zur Morgenvisite. «Medizinisch läuft alles autonom, das war immer Beats Ziel. Meine Aufgabe ist es, vor allem bürokratische Rückendeckung zu geben. Die Menschen dort kennen mich seit 25 Jahren und vertrauen mir. Einen Schweizer Nachfolger zu finden, ist heikel. Viel eher ist es unser Ziel, dass Kambodscha die Spitäler in absehbarer Zukunft eigenständig leiten kann», sagte Studer der az. Er betonte aber: «Noch sind wir auf Spenden aus der Schweiz angewiesen.» Nach der Ära, in der Spendengarant «Beatocello» mit seinen Benefizkonzerten und seinem Cello «Blondine» viel Geld sammelte, hofft Studer auf eine «Jetzt-erst-recht-Stimmung» der Gönner.

Immer mehr Beiträge kommen auch aus Kambodscha, wo die Regierung den Zuschuss im letzten Jahr von drei auf sechs Millionen US-Dollar verdoppelt hat und zudem jährlich vier Millionen aus den Eintrittsgeldern der berühmten Tempelanlage Angkor Wat spendet. «Auch das Wirtschaftswachstum von 7 bis 8 Prozent macht Hoffnung, dass das Projekt, so wie es von Richner lanciert wurde, bald vollständig von Kambodscha übernommen werden kann. Inklusive gratis Behandlung und guter Bezahlung der Mitarbeiter», sagt Studer. So lange will er durchhalten.