Oberkulm
Aargauer baut Drohnen zum Schutz von Tigern und Nashörnern in Nepal

Das grosse Hobby von Friedrich Schütz ist das Bauen von Modellflugzeugen. Nun werden diese mit eingebauten Kameras in einem Nationalpark in Nepal zum Schutz von Tigern und Nashörnern eingesetzt.

Christine Fürst
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Friedrich Schütz baut Drohnenprototypen, die zur Überwachung von Wilderern, geschützten Gewässern und illegalem Baumschlag verwendet werden

Friedrich Schütz baut Drohnenprototypen, die zur Überwachung von Wilderern, geschützten Gewässern und illegalem Baumschlag verwendet werden

Chris Iseli

Die Drohne ist kaum zu hören. Über dem «Chitwan National Park» in Nepal zieht sie gemächlich ihre Kreise und filmt die Landschaft. Das Ziel: Wilderer aufspüren und dadurch Tiger und Nashörner schützen. Der Einsatz der unbemannten Modellflieger dient also dem Schutz der Umwelt.

Neu braucht es eine Bewilligung

In Zukunft dürfen über Menschenmengen im Freien nur noch mit Bewilligung Drohnen in der Luft kreisen. Dies betrifft Drohnen und Flugmodelle mit einem Gewicht von 500 Gramm bis 30 Kilogramm in einer Entfernung von weniger als 100 Meter von Menschenmengen. Ab dem 1. August braucht man dafür eine Bewilligung des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl). Ab dann müssen die entsprechenden Gesuche beim Bazl eingegeben werden. «Eine Bewilligung kann unter der Bedingung erteilt werden, dass alle Vorkehrungen getroffen wurden, damit im Fall von technischen Problemen beim Fluggerät, bei der Bodenstation oder der Datenverbindung keine Drittpersonen gefährdet werden», schreibt das Bundesamt in einer Medienmitteilung.
Mit der geänderten Verordnung reagiere das Bazl auf die Besorgnis der Bevölkerung über die wachsende Zahl von Drohnen am Himmel in der Schweiz. Für Flugmodelle und Drohnen über 30 Kilogramm oder mit Steuerung ohne direkten Augenkontakt braucht es bereits heute eine Sonderbewilligung des Bazl. (cfü)

Mit einem Computerprogramm wird die Route programmiert, damit die Drohne danach autonom fliegen kann, ohne Fernsteuerung. Seine Drohnen, die momentan in Nepal, Belize oder Indien fliegen, können maximal eine Stunde in der Luft bleiben. Nun tüftelt Schütz an einem Modell, das mit einem kleineren Motor und kleineren Akkus länger fliegen kann. «Mich freut es sehr, dass ich mit meiner Arbeit etwas zum Umweltschutz beitragen kann», sagt der 69-Jährige.
Zu diesem Job kam Schütz über die internationale Nichtregierungsorganisation (NGO) «Conservation Drones», die zum Ziel hat, Forschern und Umweltschützern erschwingliche Werkzeuge wie solche Drohnen zur Verfügung zu stellen. Die Organisation arbeitet mit NGOs, mit Umweltorganisationen wie dem WWF und mit den lokalen Behörden zusammen. Der Schweizer Simon Wunderlin gehört dem Team an und ist via Internet auf die Arbeit von Friedrich Schütz aufmerksam geworden. «Er kann uns mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung gemäss unseren Wünschen Fluggeräte bauen, die wir so nicht kaufen können», sagt Wunderlin.
Bereits als Kind fasziniert
Friedrich Schütz hatte bereits als
10-Jähriger sein erstes Modellflugzeug zusammengebaut. «Wahrscheinlich hat es zu 90 Prozent meine Mutter gemacht», sagt er heute mit einem verschmitzten Lachen. Sein zweites Flugzeug bastelte er bereits alleine zusammen. Aufgewachsen in Österreich, nahe des Flughafens Wiener Neustadt, konnte er täglich Segelflugzeuge beobachten. Sie faszinierten ihn.

Mit 20 Jahren kam er in die Schweiz und kaufte sich drei Jahre später die erste Fernsteuerung für ein Modellflugzeug. 1600 Franken. «Das waren damals drei Monatslöhne», sagt er. Als er dann jedoch die Fernsteuerung in den Händen hielt, sei er sich vorgekommen wie ein Kaiser.
Ein Modellflugzeug zu fliegen, hiess für Friedrich Schütz auch immer wieder, es zu reparieren. Nicht selten verhedderte es sich in einem Baum oder landete unsanft auf dem harten Boden. Doch dann entdeckte er das styroporähnliche EPP, expandiertes Polypropylen. Modellflugzeuge aus diesem Material seien beinahe unzerstörbar, überstehen harte Landungen und Abstürze und sind auch bei starkem Wind stabil in der Luft.
Aus diesem Material baut Schütz nun selbst Modellflugzeuge und fertigt diese auf Kundenwunsch an. Auch Kurse bietet er an. Schütz ist ausgebildeter Sozialpädagoge und hat sich das Wissen rund um die Modellfliegerei und -bastelei selbst angeeignet. In seiner Werkstatt finden sich viele selbst gebaute Vorrichtungen, beispielsweise zum Zerschneiden der grossen EPP-Platten.
Aus dem EPP fertigt er nicht nur die Drohnen an. Auch Flügel für den Windkanal für die ETH oder ein Modell für Wetter-Sonden für Meteo Schweiz hat er bereits hergestellt. Und so hat sich Friedrich Schütz fünf Jahre nach seiner Pensionierung ein neues Standbein aufgebaut, eines, das vielleicht bald weltweit für den Umweltschutz eingesetzt werden könnte.