Oberkulm

Aargauer baut Drohnen zum Schutz von Tigern und Nashörnern in Nepal

Friedrich Schütz baut Drohnenprototypen, die zur Überwachung von Wilderern, geschützten Gewässern und illegalem Baumschlag verwendet werden

Friedrich Schütz baut Drohnenprototypen, die zur Überwachung von Wilderern, geschützten Gewässern und illegalem Baumschlag verwendet werden

Das grosse Hobby von Friedrich Schütz ist das Bauen von Modellflugzeugen. Nun werden diese mit eingebauten Kameras in einem Nationalpark in Nepal zum Schutz von Tigern und Nashörnern eingesetzt.

Die Drohne ist kaum zu hören. Über dem «Chitwan National Park» in Nepal zieht sie gemächlich ihre Kreise und filmt die Landschaft. Das Ziel: Wilderer aufspüren und dadurch Tiger und Nashörner schützen. Der Einsatz der unbemannten Modellflieger dient also dem Schutz der Umwelt.



Der Erbauer dieses Fliegers ist Friedrich Schütz. Er wohnt zusammen mit seiner Frau Emilia in Oberkulm. In der kleinen Werkstatt entwickelt Schütz ebensolche Drohnenprototypen, die auch von Umweltorganisationen eingesetzt werden. Dort tüftelt und bastelt er. Das ist auch zu sehen: Die Tischflächen sind mit Werkzeugen belegt, Leim, Spraydosen und Material stehen herum. «Die Drohne ist nichts anderes als ein Modellflugzeug mit einer Kamera», sagt Schütz.

Mit einem Computerprogramm wird die Route programmiert, damit die Drohne danach autonom fliegen kann, ohne Fernsteuerung. Seine Drohnen, die momentan in Nepal, Belize oder Indien fliegen, können maximal eine Stunde in der Luft bleiben. Nun tüftelt Schütz an einem Modell, das mit einem kleineren Motor und kleineren Akkus länger fliegen kann. «Mich freut es sehr, dass ich mit meiner Arbeit etwas zum Umweltschutz beitragen kann», sagt der 69-Jährige.

Zu diesem Job kam Schütz über die internationale Nichtregierungsorganisation (NGO) «Conservation Drones», die zum Ziel hat, Forschern und Umweltschützern erschwingliche Werkzeuge wie solche Drohnen zur Verfügung zu stellen. Die Organisation arbeitet mit NGOs, mit Umweltorganisationen wie dem WWF und mit den lokalen Behörden zusammen. Der Schweizer Simon Wunderlin gehört dem Team an und ist via Internet auf die Arbeit von Friedrich Schütz aufmerksam geworden. «Er kann uns mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung gemäss unseren Wünschen Fluggeräte bauen, die wir so nicht kaufen können», sagt Wunderlin.
Bereits als Kind fasziniert

Friedrich Schütz hatte bereits als

10-Jähriger sein erstes Modellflugzeug zusammengebaut. «Wahrscheinlich hat es zu 90 Prozent meine Mutter gemacht», sagt er heute mit einem verschmitzten Lachen. Sein zweites Flugzeug bastelte er bereits alleine zusammen. Aufgewachsen in Österreich, nahe des Flughafens Wiener Neustadt, konnte er täglich Segelflugzeuge beobachten. Sie faszinierten ihn.

Mit 20 Jahren kam er in die Schweiz und kaufte sich drei Jahre später die erste Fernsteuerung für ein Modellflugzeug. 1600 Franken. «Das waren damals drei Monatslöhne», sagt er. Als er dann jedoch die Fernsteuerung in den Händen hielt, sei er sich vorgekommen wie ein Kaiser.

Ein Modellflugzeug zu fliegen, hiess für Friedrich Schütz auch immer wieder, es zu reparieren. Nicht selten verhedderte es sich in einem Baum oder landete unsanft auf dem harten Boden. Doch dann entdeckte er das styroporähnliche EPP, expandiertes Polypropylen. Modellflugzeuge aus diesem Material seien beinahe unzerstörbar, überstehen harte Landungen und Abstürze und sind auch bei starkem Wind stabil in der Luft.

Aus diesem Material baut Schütz nun selbst Modellflugzeuge und fertigt diese auf Kundenwunsch an. Auch Kurse bietet er an. Schütz ist ausgebildeter Sozialpädagoge und hat sich das Wissen rund um die Modellfliegerei und -bastelei selbst angeeignet. In seiner Werkstatt finden sich viele selbst gebaute Vorrichtungen, beispielsweise zum Zerschneiden der grossen EPP-Platten.

Aus dem EPP fertigt er nicht nur die Drohnen an. Auch Flügel für den Windkanal für die ETH oder ein Modell für Wetter-Sonden für Meteo Schweiz hat er bereits hergestellt. Und so hat sich Friedrich Schütz fünf Jahre nach seiner Pensionierung ein neues Standbein aufgebaut, eines, das vielleicht bald weltweit für den Umweltschutz eingesetzt werden könnte.

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