Senioren

90-jähriger Ex-Lehrer: «Mein Garten hält mich fit»

Hans Schneider freut sich im Garten auf den Frühling.  Peter Siegrist

Hans Schneider freut sich im Garten auf den Frühling. Peter Siegrist

In Reinach feierte Hans Schneider seinen 90. Geburtstag. Schneider ist ein KV-Lehrer im aktiven Ruhestand - und ist noch sehr fit. Munter sowieso.

Hans Schneider wohnt zusammen mit seiner Frau im Eigenheim im Reinacher Sonnenberg. Noch hat sein Garten rund ums Haus Winterruhe, aber hier und dort sind trotz kalter Witterung frühe Anzeichen des nahenden Frühlings zu erkennen. Und das ist Hans Schneider recht. Die Arbeit in seinem Garten, gemeinsam mit Ehefrau Ruth, ist zum wichtigen Teil seines Lebens geworden, seit er vor 24 Jahren als Lehrer aufgehört hat, mit 66 Jahren.

«Bis vor drei Jahren bestellten wir noch unseren Rebberg im Tessin und kelterten jedes Jahr den eigenen Merlot», erzählt Schneider. Aufwändig sei es zwar gewesen, immer ins Tessin zu fahren, um die Reben zu pflegen. Und dennoch habe es ihn geschmerzt, diese «Insel» aufzugeben.

Hans Schneider fährt mit seinen 90 Lenzen noch Auto. Er hat nach dem bestandenen ärztlichen Test von sich aus bei einem Fahrlehrer Stunden besucht und aus dessen Mund erfahren: «Sie fahren sicher und aufmerksam.»

Lesen aus Leidenschaft

Jetzt, in der kalten Jahreszeit, wenn der Garten ruht, frönt Schneider seiner zweiten Leidenschaft, der Lektüre. Mit Vorliebe lese er Biografien und historische Bücher. So erstaunt es nicht, dass er über die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts gut dokumentiert ist.

Hans Schneider ist in Menziken aufgewachsen und hat nach der Bezirksschule das Lehrerseminar in Wettingen durchlaufen. «Intern, wie es damals für alle üblich war», erzählt er. Wettingen war einst die kantonale Lehrerschmiede. Als Schneider das Seminar abschloss, hatte es im Aargau zu viele Lehrer. «Ich musste mich zwei Jahre gedulden, bis ich in Klingnau eine «feste» Stelle fand.

«Fest» bedeutete damals häufig, Klassenlehrer sein und im Nebenamt Organist und Kirchenchorleiter. «Die Musik bedeutet mir zeitlebens viel», sagt Schneider heute, «auch in Reinach hat er später die Orgel gespielt und den Kirchenchor geleitet.

Berufung an die Schule Reinach

1952 hat die Schulpflege Reinach Hans Schneider nach Reinach an die Sekundarschule berufen. Zusätzlich erteilte er Turnunterricht an der Bezirksschule. «Ich war glücklich in der Schule, ein ganzes Lehrerleben lang» sagt Hans Schneider noch heute. 1973 hatte er als Französischlehrer an die kaufmännische Berufsschule gewechselt, dort ist er bis zur Pensionierung mit 66 Jahren geblieben. «Ein Jahr länger halt.»

Verschiedene Erinnerungsstücke, Fotografien, Schülerarbeiten wecken in ihm noch sehr detaillierte Erinnerungen. Aber Schneider ist gedanklich nicht in seinen Schuljahren stehen geblieben. Er, der als Schulmeister noch ausschliesslich mit Wandtafel und Schreibmaschine funktionierte, hat heute einen PC auf seinem Schreibtisch stehen. «Recherchieren im Internet ist für mich interessant und ein Gewinn.» Schreiben mit dem PC ja, aber aufs E-Mail habe er bewusst verzichtet, «da halte ich mich an die Briefform oder ziehe das Telefonieren vor.»

Das Leben bewusst wahrnehmen

Hans Schneider ist nie ernsthaft krank gewesen. Lediglich das intensive Sporttreiben hat zu Gelenkoperationen geführt. Über den Ruhestand, die Zeit nach der Schule, hat sich Schneider damals nicht gesorgt. Er habe unter anderem nahtlos aus der Schulstube in den Rebberg gewechselt und da seine volle Befriedigung gefunden.

Heute nimmt Schneider die Zeit viel bewusster wahr. «Ich empfinde es als Gnade, bei körperlicher und geistiger Gesundheit 90 Jahre alt zu werden und selbstständig zu sein», erklärt Hans Schneider. Und er fügt an, dass es ihm durchaus bewusst sei, dass sich sein Leben von einem Tag auf den andern ändern könne.

Das gehört für Hans Schneider zur Gelassenheit des Alters. «Man muss damit rechnen, krank oder invalid zu werden oder einfach plötzlich abzutreten.» Für dieses Bewusstsein schöpfe er Kraft aus seinem Glauben, sagt Hans Schneider, jeder müsse einmal diese Welt wieder verlassen. «Ich lebe daher meine Tage ganz bewusst, und wenn es ändert und schmerzhaft wird, dann weiss ich, alles nur locker gibt es nicht.»

Noch heute erhalte er ab und zu Briefpost oder Anrufe von ehemaligen Schülerinnen oder Schülern, und «meistens erwachsen daraus interessante Gespräche oder Besuche».

Zum bewussten Leben gehört für Schneider auch die Zeit, die er mit seiner Frau verbringt. Lesen, diskutieren und gemeinsam feiern, etwa den täglichen «Apéro» gegen Mittag. Das sei fast ein Ritual, «Ein Moment zum Innehalten vor dem Mittag». So dürfe er sagen: «Ich bin jetzt 90 und wir haben es gut.»

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