Mit einem kleinen Becken, einem Behälter und einer Pumpe ausgerüstet, machte sich Werner Lerch auf zur Uerkner Kirche. Dabei wurde er von der Schreibenden ertappt. Keine fünf Minuten später kam er wieder hinaus, den speziellen Behälter voller Wasser. Er lachte verschmitzt, erklärte, dass er das Wasser brauche, um Wasserkristalle herzustellen. Und dass er dies an ganz verschiedenen Orten schon so durchgezogen habe. Jetzt habe er eben Wasser aus dem Taufstein der Uerkner Kirche geholt.

«Wollen Sie mehr erfahren? Dann kommen Sie vorbei», sagte er. Gesagt, getan. In seiner Wohnung in Reitnau steht auf einem kleinen Pult ein Computer, der mit einem Mikroskop verbunden ist. Darunter ein kleiner Gefrierschrank.

Das Verfahren funktioniert so: Ein Tropfen Wasser wird auf einer Glasschale bei minus 30 Grad gefroren. Danach schaut sich Werner Lerch den Eistropfen mit einer speziellen Beleuchtung und einer 400-fachen Vergrösserung unter dem Mikroskop an. Während des Auftauvorgangs bilden sich kurzfristig Kristalle. Genau diese fotografiert der Reitnauer und lädt sie auf den Computer. «Es braucht Übung, dass man genau den richtigen Zeitpunkt der Kristallbildung erwischt», sagt Werner Lerch. Und diese hat er nach rund 35 000 Aufnahmen von Wasserkristallen bestimmt.

Wissenschaftliche Arbeit

Der 86-Jährige ist Elektroingenieur und bis heute noch sporadisch als Ingenieur tätig. Oft macht er einen Spaziergang an der Suhre und ist vor rund fünf Jahren durch eine Tafel am Suhrenknie zwischen Reitnau und Triengen auf die Wasserkristalle aufmerksam geworden. Er war sofort fasziniert.

Werner Lerch begann, sich über die Wasserkristalle zu informieren. Der Ingenieur war so fasziniert von diesen winzig kleinen Gebilden aus Eis, dass er begann, selbst eine Technik zu entwickeln, um perfekte Fotos von Wasserkristallen machen zu können. Er korrigiert einzig den Kontrast, manuell färbt er seine Bilder nicht ein.

Die Technik bleibe natürlich streng geheim, sagt er mit einem verschmitzten Lachen. Nicht einmal sein bester Freund wisse es, einzig seine Partnerin Marianne Langenegger kennt das Geheimnis. «Manchmal ergeben sich sensationelle Effekte», sagt er. Je nach Wasser variieren die Farben, und offenbar reagiert das Wasser auch auf Musik, Gedanken und andere Einflüsse. «Ich bin kein Fantast, der irgendetwas hinzaubert. Ich bin es gewohnt, wissenschaftlich genaue Ergebnisse zu erarbeiten», sagt Werner Lerch. «Es geht mir darum, bei den Mitmenschen die Ehrfurcht vor dem Wunder Wasser zu wecken und zu stärken. Wasser, das für unser Überleben weit wichtiger ist als Öl.»

So bildet Wasser, mit klassischer Musik beschallt, schöne, gleichmässige Kristalle, während Heavy Metal zu einem Chaos führt. Und als er dem Wasser «Stille Nacht» abspielte und sich danach den Kristall anschaute, meinte er, den Stall von Bethlehem zu erkennen. Das war nicht das einzige Mal, dass Lerch in den Kristallen Formen und Figuren erkennen konnte.

Als er am Vorabend des Dreikönigstages aus dem Beckbrunnen in Reitnau Wasser holte, zeigten sich die drei Könige in Kristallform. Als er bei einem Brunnen in Winikon einen Töfffahrer antraf, spiegelte sich dieser im Kristall wieder. «Ich habe keine Ahnung, wie es zu diesen Bildern kommt», sagt Lerch und zuckt mit den Schultern. Es sei schon ein wenig «gfürchig». Schon mancher habe ihm gesagt: «Jetzt spinnst du», doch er ist überzeugt: «Das sind keine Hirngespinste. Das Wasser kann Informationen speichern.»