Menziken leistet sich für 5 Millionen Franken eine Sanierung und Erweiterung des Hallenbads – im vollen Bewusstsein, dass der Betrieb später weiterhin 8 Steuerprozente kosten wird. Dass das Geschäft, das am 7. Juni an die Gmeind kommt, die Gemüter bewegt, zeigte sich an der gut besuchten Informationsveranstaltung am Montagabend. Um die 100 Personen waren gekommen, um sich die Vorlage erläutern zu lassen und – nicht zuletzt – kritische Fragen zur Finanzierung zu stellen.

Menziken ist nicht auf Rosen gebettet. Letzten Herbst musste der Steuerfuss der 6000-Seelen-Gemeinde von 119 auf 120 Prozent angehoben werden, um einen Occasions-Pavillon für 1,35 Millionen Franken kaufen und in Betrieb nehmen zu können. Jetzt kommt mit der Hallenbadsanierung und -erweiterung ein noch viel grösseres Vorhaben auf die Gemeinde zu. Das aber, zumindest im Moment, ohne Steuerfussanpassung realisiert werden soll.

Hohe Reparaturkosten

Menziken ist im Zugzwang. Das Hallenbad, eingeweiht im Jahr 1971, ist dringend sanierungsbedürftig. Die Gebäudestruktur ist marod, wichtige Haustechnikanlagen haben ihre Lebensdauer überschritten und funktionieren nur noch teilweise. Das ist nicht erst seit gestern bekannt. Allein die Reparaturkosten betragen jährlich rund 100 000 Franken, Tendenz steigend. In den vergangenen Jahren hat man deshalb verschiedene Szenarien geprüft, vom Abbruch bis zum Luxusausbau mit Sprudelbad. Es wurde ein Architekturwettbewerb lanciert. Die Herbstgmeind 2015 genehmigte schliesslich ohne Gegenstimme 97 500 Franken für die Ausarbeitung des Siegerprojekts «Badewelt AT» der Energie- und Haustechnik Weber AG aus Watt.

«Wir haben das Wesentliche vom Wünschenswerten getrennt», sagte Gemeinderat Hans Heinrich Leuzinger (SVP), der auch die Planungskommission präsidiert. Man müsse auf dem Boden bleiben. «Das neue Bad muss auch im Betrieb finanzierbar sein.» Thomas Weber von der Energie- und Haustechnik Weber AG sprach von einem ausgewogenen Mix zwischen technischer Sanierung und Attraktivitätssteigerung, nötig, um die Betriebskosten zu senken und die Einnahmen zu erhöhen. Konkret soll neben der Sanierung der bestehenden Anlage (vor allem Becken und Umrandung, Nasszellen und Umkleideräume) das Bad mit einer Rutschbahn und einem Planschbecken für Kleinkinder erweitert werden.

Nach der Sanierung wird mit einer Betriebskostenreduktion von jährlich 85 000 Franken gerechnet. Durch «eine massvolle Erhöhung» der Eintritte, wie es in der Botschaft zur Gmeind heisst, und angepassten Mietpreisen für die Bahnen sollen Mehreinnahmen von 137 000 Franken generiert werden.

700 000 Franken Defizit jährlich

Trotzdem wird Menziken auch in Zukunft weit davon entfernt sein, das Bad kostenneutral betreiben zu können. Das Betriebskostendefizit (inkl. Abschreibungen) betrug 2016 rund 630 000 Franken, nach der Sanierung dürfte es bei jährlich 700 000 Franken liegen. Mit anderen Worten: Nach erfolgter Investition wird das jährliche Defizit mutmasslich um rund 70 000 Franken anwachsen.

Wie kann es sein, dass für den Schulpavillon eine Steuerfusserhöhung notwendig war, die Hallenbadsanierung und -erweiterung aber ohne Anpassung möglich ist? Diese Frage beschäftigte auch das Publikum an der Informationsveranstaltung. Finanzverwalter André Gautschi erklärt auf Anfrage, es bestehe im Moment deshalb kein Handlungsbedarf, weil die jährliche Zunahme des Defizits (die angenommenen 70 000 Franken) weniger als ein Steuerprozent ausmachten. In Menziken beträgt ein Steuerprozent aktuell rund 90 000 Franken. Dass aber künftig, insbesondere bei weiteren Investitionen, mit höheren Steuern zu rechnen sei, daraus machte Gemeinderat Leuzinger keinen Hehl. Man wolle jedoch zunächst die Auswirkungen des neuen Finanz- und Lastenausgleichs abwarten und die Situation dann neu beurteilen. Hoffnungen, dass sich der Menziker Steuerfuss im Zuge der neuen Aufgabenverteilung mit dem Kanton senken wird, könnten sich zerschlagen.