Reinach

500 nadlige Neuzuzüger wurzeln im Sonnenberg

Der Reinacher Förster Ueli Wanderon vor einer von 500 neu gepflanzten Eiben

Der Reinacher Förster Ueli Wanderon vor einer von 500 neu gepflanzten Eiben

Der Reinacher Forst nimmt an einem Waldprojekt des Kantons teil. Im Frühlinghaben Förster Ueli Wanderon und seine Mitarbeiter 500 junge Eiben gepflanzt.

Das fällt auf im Jungwald der Lotharfläche im Reinacher Sonnenberg: In lockeren Abständen stehen mannshohe Pfosten mit gelbem Ring. Am Pfosten ist ein Drahtkorb fixiert und an dessen Fuss wächst ein kleines, nadliges Büschchen, eine junge Eibe.

Als am Stephanstag 1999 der Sturm Lothar über die Schweiz fegte hat er auch im Sonnenberg eine Insel mit rund zehn Hektaren Kahlschlag hinterlassen. «Heute gehört diese Fläche zu den interessantesten in unserem Wald», erklärt Förster Ueli Wanderon. «Die Natur nimmt einen Kahlschlag als Chance war und setzt zu einem ungeheuren Wachstum an.» Die Fläche wird bewusst gepflegt, alle drei Jahre durchforstet, um für die starken Jungbäume genügend Platz und Licht zu schaffen.

Förderung seltener Baumarten

Die Abteilung Wald des Kantons bietet den Forstämtern ein Förderprojekt an. «So haben wir uns entschieden in unserer Lotharfläche die selten gewordene Eibe (Taxus baccata) wieder anzusiedeln», sagt Wanderon. Die Eibe sei einst in unserer Region ein verbreiteter Baum oder Strauch gewesen. Weil der Baum jedoch giftig ist – zweihundert Gramm Nadeln bringen ein Pferd um – wurden die Eiben zu jener Zeit, als im Wald noch mit Pferden gearbeitet wurde, entfernt.

Um die Artenvielfalt in unseren Wäldern zu erhalten oder zu steigern, hat Wanderon für das Projekt die Eibe gewählt. In Absprache mit dem Kanton wurde im Sonnenberg eine Fläche von zehn Hektaren – rund 14 Fussballfelder – für die Pflanzung bestimmt.

Das Projekt schreibt vor, dass auf einer Fläche von 100 auf 100 Metern 50 Eiben zu pflanzen sind. «Im Frühjahr haben wir insgesamt 500 Jung-Eiben gepflanzt und mit Drahtkörben vor dem Reh-Verbiss geschützt. «Ein Reh findet im Wald jede Eibe und knabbert sie ab», erklärt Wanderon. «Den Rehen als Wiederkäuer schadet das Gift der Eibe nicht, vielmehr schätzen sie die Pflanze als Delikatesse.» Die Forstwarte haben immer in der Nähe eines Jungbaums, der zum Grosswachsen ausgewählt wurde (weiss markiert), einen Konkurrenten auf 1,5 Meter Höhe abgesägt.

Der übrig gebliebene Stamm wurde gelb beringt, an dessen Fuss eine Jung-Eibe gesetzt. «Wegen der Pferde haben wir von den Strassen jeweils zehn Meter Abstand gewahrt», so Wanderon. Spätestens in 20 Jahren werden die Eiben aus dem Äser der Rehe (Fresshöhe von 1,5 Metern) herausgewachsen sein. Eiben wachsen langsam, sie blühen mit 15 Jahren ein erstes Mal. Ausgewachsen sind sie etwa mit 90 Jahren, Eiben können gut über 250 Jahre alt werden. «Was wir heute pflanzen, ist für den Wald unserer Enkel und Urenkel», sagt Wanderon.

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