Seit die Schweiz beschlossen hat, der Zersiedelung mit einer Verdichtung der Zentren entgegenzuwirken, ist viel passiert. In Menziken sind nun beinahe gleichzeitig vier Bauprojekte im Entstehen. Das für Menziken prägendste ist die Überbauung Neues Zentrum. Diese soll gleich neben dem Gemeindehaus an Stelle des Hotel Waag entstehen. Die Bauherrschaft, das Appenzeller Bauunternehmen Zielbau AG, will hier für 16,5 Millionen Franken ein sechsstöckiges Gebäude errichten. Es würde 36 Wohnungen, ein Restaurant mit etwa 70 Sitzplätzen, zirka 390 Quadratmeter grosse Gewerberäume und eine Tiefgarage mit 73 Abstellplätzen bieten.

Das altehrwürdige Hotel Waag würde abgerissen. Gewirtet wird dort schon lange nicht mehr. 2009 ist die letzte Wirtebewilligung ausgelaufen. Zwar wurde 2010 eine ausgestellt, damals sollte die «Waage» im Jahr 2011 noch einmal neu eröffnet werden, doch daraus wurde nichts. Stattdessen schlug Besitzer Marcus Elliker der Gemeinde die Liegenschaft zum Kauf vor. Doch ein von ihm gefordertes Wechselgeschäft mit einem Kaufrecht für Land in der Dägelmatt kam beim Souverän nicht gut an und so lehnte dieser das Angebot in einer Referendumsabstimmung 2011 ab.

Daraufhin plante Elliker selbst eine Überbauung des Areals und stellte 2014 entsprechende Pläne für einen «Woog-Park» mit zwei sechsstöckigen Gebäuden vor. Doch schliesslich wurde auch daraus nichts. Heute ist die Liegenschaft im Besitz der Zielbau AG. Ihr modernes Projekt mit Mischnutzung, Attika im obersten Stockwerk und der Anordnung des Gebäudes erinnert stark an den Woog-Park.

Noch unklar ist die Zukunft von dem ebenfalls mit Bauprofilen versehenen Gebäude gegenüber dem «Hotel Waag». Luigi Antonuccio, Leiter der Abteilung Bau und Planung der Gemeinde, sagt: «So wie es aktuell ausgesteckt ist, wird sicher nicht gebaut. Wie es weitergeht, wissen wir aber noch nicht.»

Entwicklung um Gemeindeplatz

Schon sehr konkret sind dafür die Pläne für die Überbauung Mitteldorf Süd. Das längliche Einzelgebäude soll zwischen Gemeindehaus und Restaurant Täli zu stehen kommen und den Abbruch von insgesamt sechs Gebäuden nötig machen – kleine Schuppen mitgezählt. Das «Mitteldorf Süd» soll weitere 35 Wohnungen schaffen und rund neun Millionen Franken kosten. Die Überbauung richtet sich mit 25 Zwei-Zimmer- und zehn Drei-Zimmer-Wohnungen auf fünf Stockwerken überwiegend an Singles. Auch diese Überbauung will mit eigener Tiefgarage für 58 Abstellplätze punkten. Geheizt würde mit Wärmepumpen, das Flachdach wie beim Neuen Zentrum begrünt.

Mittig zwischen den beiden Neubauten soll ausserdem der wenig ansehnliche Gemeindeplatz für 750'000 Franken zu einem mit Zentrumsfunktion umgestaltet werden. Einen entsprechenden Kredit bewilligte die Gemeindeversammlung im letzten November. Mit der Überarbeitung sollen Fuss- und Autoverkehr getrennt werden, ein zeitgemässes Erscheinungsbild erreicht und die Nutzbarkeit aufgewertet werden. Damit etwa auch öffentliche Anlässe dort stattfinden können. Auch dazu liegt das Baugesuch auf.

Sehr hoher Leerstand

Damit sind allein in den bis zum 25. Juni aufliegenden Projekten noch einmal 71 Wohnungen geplant. Dabei hat die Leerwohnungsziffer von Menziken bereits letztes Jahr mit 7.52 eine überdurchschnittliche Höhe erreicht. Damals standen in der Gemeinde 224 Wohnungen leer. Das war Rang acht im Kanton (Leerwohnungsziffer von 2.65). In der Region haben nur Staffelbach (8.27) und Holderbank (10.68) einen noch höheren Anteil an leeren Wohnungen.