Kölliken

300-Jahre-Haus wird abgerissen: Hochstudhaus muss Wohnhaus weichen

Die eindrückliche Holzkonstruktion gehört bald der Vergangenheit an, das Hochstudhaus kann nicht mehr gerettet werden. BAT

Die eindrückliche Holzkonstruktion gehört bald der Vergangenheit an, das Hochstudhaus kann nicht mehr gerettet werden. BAT

Das Haus war Köllikens Bau schlechthin - und das seit 300 Jahren. Doch nun muss das Hochstudhaus wegen des maroden Zustandes der Bausubstanz an der Wolfgrubenstrasse in Kölliken abgerissen werden.

Das alte Hochstudhaus an der Wolfgrubenstrassesteht «nackt» da. Vom rund 300 Jahre alten Haus ist nur noch das Gerüst sichtbar und auch das nicht mehr lange.

Das in der Gemeinde traditionelle Haus hat in den vergangenen Jahrzehnten massiv gelitten, die letzte Renovation ist wohl lange her.

Das Fundament ist in Einzelteile zerfallen und hat sich abgesenkt, die Bruchsteinmauern sind zerbröckelt und die Holzbalken morsch und wurmbefallen. Nun wird es abgerissen. Die Abrissarbeiten sind bereits in vollem Gange.

Das grosse Dach, welches anfänglich mit Stroh und später mit Eternitplatten bedeckt war, ist freigelegt.

Durch das entfernte Mauerwerk wird das Hausinnere sichtbar. Dort stehen noch ein alter Kachelofen und eine zerfallene Küche, die ihre treuen Dienste längst aufgegeben haben.

Hochstudhaus wechselt Besitzer

Die Besitzer dieses Hochstudhauses sind Ursula und Rudolf Wälty. Die Kölliker kauften es im Januar 1992 von der Tochter der Familie Suter-Wipf, welche in diesem Haus aufgewachsen ist.

Rudolf Wältys Interesse galt anfänglich vor allem dem grossen Weideland, das er für seine Tiere nutzen wollte. Als er das Hochstudhaus erwarb, stand es leer. Später zeigte ein junges Paar Interesse und wollte einziehen.

«Anfänglich hatte ich nicht vor, das Haus zu vermieten, denn ich war der Meinung, dass es nicht bewohnbar ist», sagt der Kölliker.

Die Interessenten sahen das anders und zogen bald darauf ein. «Es war ein sehr schönes Haus mit einem fantastischen Ausblick, eine perfekte Wohnlage», ist Wälty heute noch der Ansicht. Doch trotz der Schönheit und des antiken Charmes, welchen das Holzhaus ausstrahlte, wechselte die Mieterschaft öfters.

«Das grosse Dach ohne Fenster liess kaum Licht rein, die alten Holzwände waren undicht, nass, schimmlig und es regnete und zog überall rein», erzählt Rudolf Wälty weiter.

Der Zerfall des Hauses nahm seinen Lauf. Vor einigen Jahren war das Hochstudhaus so verfallen, dass die Besitzer den Entschluss fassten, es abreissen zu lassen und ein neues Wohnhaus an dessen Ort zu stellen.

Abriss trifft auf Widerstand

Dieses Vorhaben sorgte in Kölliken nicht überall für Verständnis. Nachdem seitens der Gemeinde schon zum zweiten Mal verlangt wurde, das Gebäude unter kommunalen Schutz zu stellen und – angeregt durch den Heimatschutz – sich sogar die kantonale Denkmalpflege bemühte, das Objekt kantonalem Schutz zu unterstellen, war es an der Zeit, den derart schlechten Zustand der Bausubstanz aufzuzeigen und damit die Unmöglichkeit des Gebäudeerhalts.

«Neunzig Prozent müssten neu gemacht werden», befand einstimmig die Kantonale Kommission für Denkmalpflege und Archäologie nach einer weiteren Besichtigung im Sommer 2012 und begründete damit, neben der fehlenden Originalität der Konstruktion, den Verzicht auf eine Unterschutzstellung.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1