Was war das für ein Durcheinander. Peter Diem lacht. «Vollgestopft war der Gaden, Gerümpel bis unter die Decke.» Werkzeug, Papier, Möbel, Lastwagenteile und sogar eine alte Dusche. Ein Kreisrohr mit Löchern, angehängt an einen Wasserbehälter. Dann zog einer eine alte Waage aus dem Durcheinander und für Diem war der Fall klar. Das war die alte Salzwaage. Das wichtigste Stück im Haus, das, was der Familie Suter, die im Strohdachhaus an der Hauptstrasse wohnte, ihren Dorfnamen gab: die Salzmes. Bis 1941 hatten die «Salzmes» die kantonale Lizenz für den Salzverkauf, die Verkaufsstelle war exklusiv.

Über dreissig Jahre ist das her, dass die Männer vor dem vollgestellten Gaden standen. Die Gemeinde hatte das Haus 1981 der 92-jährigen Martha Suter, dem Salzme-Marthi, abgekauft, für 315 000 Franken. «Überraschenderweise», sagt Diem. «Wir wussten überhaupt nicht, dass der Gemeinderat Verhandlungen geführt hatte.» Salzme-Marthis Auflage: Aus dem Haus sollte ein Dorfmuseum werden.

«Wollte die Leute wachrütteln»

Die Federführung beim Einrichten des Museums übernahm Peter Diem, der ehemalige Bezirksschullehrer. Er hatte schon in den Siebzigerjahren eine Ausstellung mit Gegenständen aus dem Dorf organisiert. Als Reaktion auf die vielen Abbrüche alter Häuser, Dorfgeschichte, die mir nichts, dir nichts dem Erdboden gleich gemacht wurde. «Ich wollte die Leute wachrütteln», sagt er.

Heute ist Peter Diem fast 90 Jahre alt. Und auch wenn der Körper nicht mehr so recht mag, so ist sein Verstand noch immer glasklar. An jede Zahl, jedes Jahr kann er sich erinnern. Er kennt das Salzmehus wie kein Zweiter. Und so kommt es ab und zu vor, dass Christoph Haller, einst Diems Schüler und heute Präsident der Museumskommission, sich bei Diem rückversichert. Wegen eben in einer Abstellkammer gefundener Butzenfenster, zum Beispiel. Und dann kommt es auch vor, dass es Haller, wenn Diem von der Dusche im vollgestopften Gaden erzählt, wie Schuppen von den Augen fällt. «Diese Dusche kenne ich, die hat bei Hermann Suter hinter dem Haus gehangen.»

Johann Suter baute 1802 das Haus für 5000 Franken (Aufnahme um 1900).

Johann Suter baute 1802 das Haus für 5000 Franken (Aufnahme um 1900).

Haller nämlich hatte als Schulbube bei Salzmes Schwager Hermann Suter, genannt Armenpfleger, auf dem Hof ausgeholfen, hatte geheut und ghärdöpflet. «Die beiden Familien hatten eine gute Beziehung zueinander und eng zusammengearbeitet», sagt Haller. Er sei oftmals im Salzmehus gewesen, ein Haus, das, obwohl kühl und düster, wegen seines Daches doch immer eine unvergleichliche Geborgenheit ausstrahlte. «Deshalb engagiere ich mich heute für das Haus, diese Erlebnisse als Bub sind mein Antrieb», sagt Haller.

Tannen sprossen aus dem Dach

Als die Gemeinde das Haus gekauft hatte, war der vollgestellte Gaden noch das Harmloseste. Das Dach leckte, und aus dem Dach sprossen Tannenbäume, Sträucher und Moos. «Und den ersten Stock durften wir wegen Einsturzgefahr noch nicht einmal betreten», sagt Diem. Das Dach musste geflickt werden, dringendst. Dafür kamen 1982 holländische Dachdecker nach Kölliken, die das Dach in nur vier Wochen für 110 000 Franken neu deckten. 40 Tonnen Schilf auf 900 Quadratmetern. Und doch sollte es noch einmal fünf Jahre dauern, bis das Dorfmuseum eröffnet wurde.

Nach der Neudeckung des Hauses spriessen die Ideen für den Umbau: Eine Hauswartwohnung soll eingebaut werden, ein Treppenhaus, ein Versammlungsraum für kulturelle Anlässe, Toilettenanlagen. Zu viel des Guten. Auch finanziell. Gut 800 000 Franken hätte das Projekt gekostet. «Mit einem solchen Kreditantrag wäre man an der Gemeindeversammlung kläglich gescheitert», sagt Haller. Denn auch wenn das Strohdachhaus heute der Stolz der Kölliker ist, so gab es damals durchaus kritische Stimmen. «Es gab auch Leute im Dorf, die den alten Gerümpel verbrennen wollten», sagt Haller.

Das Haus wird schliesslich für 403 000 Franken renoviert und umgebaut. Die alte Küche, die Salzkammer, sämtliche Fenster und Türen werden rekonstruiert, Schopf und Hühnerstall abgebrochen. Auf einen Sammelaufruf hin wird die inzwischen gegründete Museumskommission überrannt, die Leute bringen alles, was sie von Grosseltern und Eltern aufbewahrt haben: Küchensachen, Gartengeräte, Werkzeugsammlungen, sogar ein Zigarrenmachertisch. Selbst den alten Brunnentrog, der jahrzehntelang zur Strassenseite hin gestanden hatte und irgendwann verschwand, finden die Kölliker Museumsleute in einem Buchser Garten wieder. Sie kaufen das einst für 40 Franken verscherbelte Stück für ein Heidengeld zurück. So stimmt die Postkartenansicht wieder.

Am 16. Mai 1987, auf den Tag genau vor 30 Jahren, wird das Dorfmuseum eröffnet. Die Musikgesellschaft Kölliken und das Jodlerchörli spielen auf, es gibt Suppe, Brot und Most. «Das halbe Dorf ist aufmarschiert, alle wollten ihren Gwunder stillen», erinnert sich Diem, «In Einerkolonne sind die Leute treppauf, treppab durch das Haus marschiert.» Diem lächelt. Viel Zeit ist seither vergangen, vieles wurde auf die Beine gestellt. All das wird nun in der Sonderausstellung «30 Jahre Dorfmuseum» gewürdigt. Der Stolz auf das Erreichte ist bei allen gross, am grössten wohl bei Peter Diem, dem Vater des Dorfmuseums. «Jäjo», sagt er denn auch und nickt. «Ich habe immer noch Freude am Haus.»

Sonderausstellung «30 Jahre Dorfmuseum» bis 2. Juli und vom 6. August bis 16. September. Das Museum ist jeden Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen für Gruppen nach Vereinbarung.