Bruno Schlatter, der erste und letzte König von Noseland, lud am Samstag nachmittag zur Vernissage von Roland Hächlers Landartausstellung «Der Weg der Gajas». «Gaja ist die Göttin der Erde. Sie zeigt den Auf-bruch aus der Erde und den Weg zurück», erklärte der Künstler. Aus Buchen-, Hasel- und Holunderstecken hat Hächler seine Gajas geschnitten, alle stammen aus seinem eigenen Garten in Kölliken. Die 28 Gajas weisen den Weg zu dem aus Weideruten geflochtenen Ei des Phönix – quer durch Noseland, das zwischen Wäldern eingebettet liegt. «Dieses Tal ist verwunschen», meinte der Künstler, selbst Minister von Noseland.

Den Weg der Gajas abschreiten

Das Ei des Phönix ist ein kunstvolles Flechtwerk und ein Symbol des sich immer wieder erneuernden Lebens. Alex Brotbeck, ein junger Künstler aus Kreuzlingen, hielt die Vernissage-Ansprache. Er erzählte die Geschichte von einer Rakete, dargestellt durch einen Teebeutel, die, von allem Überflüssigen befreit, schliesslich als blosses Papierfetzchen tatsächlich fliegen konnte. Wer Lust hatte, konnte den Weg der Gajas abschreiten, quer durch Noseland, und sich dabei eine eigene Schutzgöttin aussuchen. Alle sind verschieden – die eine schreitet mit festem Schritt, eine zweite stakst auf kurzen Stecklein, andere tanzen elegant, auf langen schlanken, gebogenen oder gekreuzten Beinen. «Jeder Baum teilt anders, ist individualisiert», sagte Roland Hächler.

Unverkäuflich und poetisch

An Landart fasziniert den Künstler, dass sie sich nicht verkaufen lässt und viel Poesie beinhaltet. Mit seiner Kunst möchte er das Leben verstehen.

Dass er gerade 28 Gajas gestaltet hat, ist kein Zufall. «Die Zahl verkörpert den Monatszyklus der Frau», erklärte Hächler und fügte hinzu: «Ich bin frauenlastig. Das Patriarchat hat versagt, weil die Männer die Verantwortung nicht mehr übernehmen. Frauen hingegen denken zu Ende.»

Mit einem 4-Liter-Schöpflöffel auf der Schulter erschien König Bruno von Noseland zur Vernissage. «Damit ich mit der grossen Kelle anrühren kann», meinte er. Für die Ausstellung stelle Noseland den Raum zur Verfügung. «Die Gajas bespielen das Land.»

Für den Apéro hatte König Bruno Brot aus Maische, die beim Bierbrauen entstanden war, gebacken. Ausserdem gab es Äpfel von Bäumen aus Noseland. Aus dem das Königreich umgebenden Ausland stammten Käse und Wein.

Die Finissage ist am 21. November. Dann werden die Gajas und das Ei des Phönix angezündet. «Damit Neues entstehen kann, müssen wir zerbrechen und Altes verbrennen», erklärte Roland Hächler. Das Feuerspektakel findet um 17 Uhr beim Eindunkeln statt.