Es war ein herber Schlag für die Reformierte Kirchgemeinde Uerkheim, als sie im letzten Frühjahr vom Weggang ihres geschätzten Pfarrers David Scherler (39) erfuhr. Der Zürcher mit Berner Dialekt hatte sich entschieden, nach acht Jahren seine Zelte in Illnau-Effretikon ZH aufzuschlagen. Mitentscheidend war, dass das Stellenpensum in Uerkheim von 100 auf 70 Prozent reduziert wurde.

Auf die Schnelle fand die Kirchgemeinde keinen Nachfolger, mit Pfarrer Alex Nussbaumer (69) aber einen erfahrenen Pfarrer, der bis Ende September in Uerkheim temporär einspringt, sofern er so lange gebraucht wird. Die Pfarrwahlkommission ist nämlich fündig geworden. Sie schlägt der Kirchgemeinde Benjamin Rodriguez Weber (27) zur Wahl vor – vorausgesetzt, es kommt nicht zu einem Gegenvorschlag.

Erfahrungen aus zwei Kulturen

Benjamin Rodriguez Weber ist in der Schweiz geboren, aber in Lima (Peru) aufgewachsen. Dort unterstützten seine Eltern ein Lehrerseminar. «Ich erlebte von Kindesbeinen an, was es bedeutet, im Dienst Gottes zu stehen und sein gesamtes Leben in der Hand Gottes zu wissen», sagt Rodriguez Weber anlässlich seiner Vorstellung im Uerkner Kirchenblatt. «Meine Eltern sind mir ein Vorbild im Führen eines Lebens mit Hingabe und Vertrauen in Gott.»

Schon sehr früh interessierte er sich für «geistliche Dinge». Während einer Sonntagsschulstunde in der 3. Klasse entschied er für sich, etwas in Richtung pfarramtlicher Dienst zu tun. Die Idee, sein Leben ganz Gott zu widmen, blieb über die Jahre an der Oberstufe und am Gymnasium erhalten.

Als er sich dann für seine Zukunft entscheiden musste, gab es zwei Optionen: Musik oder Theologie. Er entschied sich für Theologie. Fürs Studium kam er im Jahr 2010 in die Schweiz.

«Während des Theologiestudiums entwickelte ich ein wachsendes Interesse für die Reformierte Landeskirche, die ich bis anhin nur vom Hörensagen kannte», sagt Benjamin Rodriguez Weber. Peru ist zu rund 80 Prozent katholisch.

Entscheidend für seinen Entschluss, die reformierte Richtung einzuschlagen, waren die Erfahrungen und der Einblick «hinter die Kulissen», die er während des ekklesiologisch-praktischen Semesters (EPS) im Herbst 2016 in der Kirchgemeinde Rein (Gemeinde Rüfenach AG) erlangte. Während seiner ganzen Studienzeit war er auch in der Jugendarbeit tätig.

Seit August letzten Jahres absolviert er in der reformierten Teilgemeinde Fislisbach das Vikariat bei Pfarrer Christoph Monsch.

In der sogenannten «pfarramtlichen Lehre» sammelt er in den Bereichen Bildung, Gottesdienste, Seelsorge und Gemeindeentwicklung bis Ende Juli erste Erfahrungen, begleitet von wöchentlichen Kurstagen. Im August erfolgt die Ordination durch die Kantonalkirche Aargau.

Wahl am 2. Juni

«Danach freue ich mich, nach neun Jahren Ausbildung, endlich selbst eine Pfarrstelle antreten zu dürfen», sagt Benjamin Rodriguez Weber. Seine jetzige Vikariatsgemeinde gehört zu den fünf grössten im Aargau.

«Ich habe mich darum bewusst in Uerkheim für das Einzelpfarramt in einer kleineren Gemeinde beworben und freue mich sehr, dass die Kirchenpflege mich zur Wahl vorschlägt.» Diese Wahl findet am 2. Juni anlässlich der Kirchgemeindeversammlung statt. «Wir sind in einer glücklichen Situation», freut sich Uerkheims Kirchenpflegepräsident Markus Kappeler.

Am Sonntag, 5. Mai, 9.15 Uhr, findet in Uerkheim ein Gottesdienst mit Benjamin Rodriguez Weber statt.