Der 8. Juli 2017 geht in die verschiedensten Geschichtsbücher ein. So prasselte in den letzten 134 Jahren, seit in Zofingen Niederschläge gemessen werden, nie so viel Regen in einem Gewitter vom Himmel wie an diesem Tag.

Nie zuvor hat ein Unwetter in dieser Region so hohe Schäden verursacht – je nach Rechnungsart zwischen 90 und 100 Millionen Franken.

Bilder von den Unwetterschäden in Bottenwil: 

Nie zuvor hatte der Circus Knie in Zofingen so wenig Besucher wie am 8. Juli 2017. Und nie zuvor musste eine Ortschaft nach einem Unwetterereignis von diesem Ausmass so lange auf die Unterstützung der Armee warten.

Heute sind es 266 Tage her, und die Sanierungen der drei grössten Hangrutsche in Bottenwil sind noch nicht abgeschlossen. Die Verantwortlichen der Armee werden Mitte nächster Woche die Zelte im Uerkental abbrechen.

Überschwemmungen in Bottenwil

Überschwemmungen in Bottenwil

Das heftige Unwetter vom 8. Juli 2017 verursachte in Bottenwil ein Jahrhundert-Hochwasser. Die Uerke wurde zum reissenden Strom und richtete grosse Schäden im ganzen Uerkental an.

Egal, ob die Arbeiten fertig sind oder nicht. Ihr Wiederholungskurs (WK) geht dem Ende entgegen. «Unsere Soldaten sind stolz, dass sie der Bevölkerung von Bottenwil bei der Bewältigung der Unwetterschäden helfen können», sagte Basil Brühlmann, Kommandant des Rettungsbataillons 2, das mit rund 30 Mann in Bottenwil vor Ort ist.

Das Detachement wurde spezifisch für diesen Auftrag aus Dienstleistenden zusammengestellt, die auch im Zivilen im Baubereich tätig sind. Gemäss Major Brühlmann «auch eine Stärke des Milizsystems».

Ankernägel im Sandstein

Die Rutschungen im Gallihubel-Gebiet in Bottenwil zerstörten damals ein Wohnhaus und einen Stall. Das Sandsteingebiet soll nun durch den Einbau von einer je zehn respektive zwanzig Meter langen und über fünf Meter hohen Holzkonstruktion stabilisiert und das ursprüngliche Gelände anschliessend wiederhergestellt und begrünt werden.

Sanierung am Hangrutsch in Bottenwil

Die Sanierung am Hangrutsch in Bottenwil

      

Insgesamt werden rund 80 Kubikmeter Holz aus dem Bottenwiler Wald verbaut. Zusätzliche Sickerleitungen sorgen dafür, dass die Stämme nicht unterspült werden. «Diese Konstruktion bewährt sich schon seit vielen Jahren», weiss Simon Straumann aus Trimbach.

Sein Holzbauunternehmen hat sich schon vor Jahren auf Hangsanierungen dieser Art spezialisiert. Im Sandsteinbereich unterstützen ihn Felstechniker aus Lungern. Sie rammen mit Spezialmaschinen bis zu neun Meter lange Ankernägel ins Gestein, die zusätzlich mit Mörtel eingemauert werden.

An den Nägeln wird danach ein Stahlnetz montiert, das die Liegenschaft unterhalb des Hangs vor weiteren verheerenden Rutschen verschonen soll.

Unterstützt werden die zivilen Spezialkräfte nebst den Angehörigen der Armee auch durch ein Detachement der Zivilschutzorganisation Suhrental-Uerkental. Bereits letzten Sommer hatten 620 Zivilschützer aus dem ganzen Kanton im Uerkental bei der Bewältigung der Unwetterschäden geholfen und unter anderem die betroffenen Hänge mit speziellen Plastikmatten gesichert.

«Wir hätten nie gedacht, dass uns dieses Ereignis so lange beschäftigt», sagt Ivo Laib, Chef des Regionalen Führungsorgans Suhrental-Uerkental (RFO), der die Armee schon früh um Unterstützung bat. Es sei wichtig, die «letzte grosse Baustelle dieses Unwetters» abschliessen zu können und den Anwohnern die längst versprochene Hilfe bieten zu können.

RFO und Zivilschutz haben bereits erste Lehren aus dem Unwetter gezogen und Führungsstrukturen angepasst. «Im Zivilschutzbereich haben wir nun Module gebildet, die Rettungskräfte viel effizienter und schneller unterstützen können», sagt Ivo Laib.

Aber auch eine verbesserte Alarmierung des Zivilschutzes und die Probleme mit den Arbeitgebern seien Themen, die es nun zu regeln gebe. «Das Unwetter hat aber auch gezeigt, dass die Zivilschützer im Aargau gut ausgebildet sind», bilanziert Dieter Wicki, Chef des Kantonalen Führungsstabs. «Wir müssen uns aber noch vermehrt mit diesem neuen Phänomen Sturzfluten auseinandersetzen.»

Sanierungsarbeiten dauern an

Silvan Bärtschi, Vizeammann von Bottenwil, zeigte sich über die Sanierung erfreut: «Es ist für uns alle eine Erleichterung, dass dieser Hang nun stabilisiert wurde.»

Trotzdem lasten die Schäden des Unwetters weiterhin schwer. «Es gibt entlang den Brücken, Bächen und Strassen noch weitere Schäden, die behoben werden müssen», sagt Bärtschi. Er hofft, dass alle Reparaturen bis Ende 2018 erledigt sind und der Grosse Rat im April den «für die Gemeinde so wichtigen Zusatzkredit bewilligt».

Regierungsrätin und Militärdirektorin Franziska Roth zeigte sich am Donnerstag vor Ort in Bottenwil beeindruckt von der Arbeit der Hilfskräfte. Sie bedankte sich bei jedem Soldaten und Zivilschützer persönlich für den geleisteten Einsatz mit einem Schoggiosterhasen. Diese hätten aber durchaus auch schwerer als 40 Gramm sein dürfen. Immerhin kamen die Hasen aus dem aargauischen Buchs.

Regierungsrätin Franziska Roth dankt den Helfern

Regierungsrätin Franziska Roth dankt den Helfern

Der unwettergefährdete Hang in Bottenwil wird mithilfe der Armee „saniert“. Franziska Roth ist froh, dass im „Gallihubel“ endlich etwas geschieht.