«Wir haben gar nicht gewusst, dass die Leute dort frieren», das hört Corinne Gasser öfter. Der Nahe Osten wird mit Wärme assoziiert. «Sie frieren nicht nur, sie haben auch Hunger, und es gibt Konflikte zwischen Ethnien und Konfessionen.»

Ein Tropfen auf den heissen Stein sei ihre Aktion; dessen ist sich die 25-jährige Wirtschaftsstudentin sehr wohl bewusst. Sie tut es dennoch, und das Echo auf ihre Arbeit gibt ihr recht: «Es hat mich gefreut, dass Bewohnerinnen eines Blindenheims in Horw trotz ihrer Einschränkung mithilfe ihrer Betreuerin eine Decke gestrickt haben.» In der elterlichen Wohnung in Triengen treffen Spendenpakete ein: Kleider aller Art.

«Die farbigen Mützen sind für mich auch ein Symbol für Freude, für eine heilere Welt», sagt sie. Wenn sie schon kein Geld habe, so stehe ihr doch Zeit zur Verfügung. Und das komme auf der Gegenseite gut an: Da denkt jemand an sie, opfert Zeit. Erst vor einem Monat hat sie eine Facebook-Seite eingerichtet und ihre Website www.strickwaerme.ch aufgeschaltet. «Ich hab mal mit 100 Mützen gerechnet; nun sind es eher 1000», sagt sie. Die Idee kam also an. Sie selber häkelt auch im Zug.

Ladung ist unterwegs

Eben sind die beiden syrischstämmigen Brüder Jasser und Omar Kassab aus Zürich unterwegs nach Jordanien mit einer Ladung Mützen. «Ich will mit kleinen Hilfswerken zusammenarbeiten», sagt Gasser, «die die Kleider vor Ort bringen.» Zum Glück sind Semesterferien. Sie sucht auch Kontakt zu Fluggesellschaften, die Kleiderkoffer nach Jordanien bringen können.

«5000 Franken für einen Container ist unverhältnismässig, dieses Geld kann sinnvoller eingesetzt werden», sagt sie. Die Sachen an die Bedürftigen zu bringen, sei die Herausforderung. Auch deshalb will sie sich Ende Februar vor Ort in Jordanien selber ein Bild von der Lage machen.

Die Affinität zur arabischen Welt kommt nicht von ungefähr. Sie hat an der Uni Arabisch gelernt und die Gegend bereist. Das Unwissen in der westlichen Welt über das Elend, die vergessenen Schicksale treffen sie. Umso mehr freuen sie die vielen Reaktionen: Emails, Telefonate, Spenden. «Ich habe wenigstens die Chance, aufzurütteln», sagt sie und weiss sich getragen von einer Gruppe von Kollegen, die ihre Fachkenntnisse einbringen, sei es, was die rechtliche Situation angeht, die Politik in diesen Ländern oder die Sprache. Mit dabei ist auch die Tochter des syrischstämmigen Zahnarztes von Triengen, Alfreda Eilo, die des Aramäischen mächtig ist.

Verein gegründet

Am letzten Sonntag wurde der Verein «Strickwärme» gegründet. «Man kann auch Passiv-Mitglied werden, mit mindestens 10 Franken Jahresbeitrag», sagt die marketinggeschulte Studentin. Ihre berufliche Zukunft aber sieht sie weniger in der Finanzwelt als vielmehr in der nachhaltigen Entwicklungshilfe. Damit hat sie auch umrissen, womit sie sich in der Masterarbeit, die demnächst ansteht, befassen könnte.