Reinach
220 Liter sind normal, in der Not gibts noch 4

Die zwölf Verbandsgemeinden von aargauSüd impuls arbeiten auch im Katastrophenfall zusammen, so zum Beispiel bei der Trinkwasserversorgung. 220 Liter sind normal, aber im Notfall müssten die Einwohner mit 4 Litern auskommen.

Peter Siegrist
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Joe Habermacher zeigt, vier Liter Wasser sind nicht viel.

Joe Habermacher zeigt, vier Liter Wasser sind nicht viel.

Peter Siegrist

Joe Habermacher, Stabschef des Regionalen Führungsorgans (RFO) trägt vier Literflaschen Wasser im Arm. Das ist nicht viel im Vergleich zu den 220 Litern, dem durchschnittlichen Tagesverbrauch pro Kopf in Reinach. Aber im Notfall, nach einem Schadenereignis müssten sich die Einwohner in den ersten Tagen mit diesen vier Litern täglich begnügen.

Das Kantonale und das Regionale Führungsorgan haben aufgrund der Gefährdungsanalysen 25 verschiedene Szenarien aufgelistet und beurteilt. Es werden drei Kategorien unterschieden: Naturgefahren, technische Gefahren und gesellschaftlichen Gefahren. Diese Szenarien umspannen alles wie Hochwasser oder Trockenheit, Erdbeben, Chemieunfälle, Stromausfälle, Flugzeugabstürze, menschliche Epidemien, Massenpanik oder terroristische Anschläge.

Es die Aufgabe des regionalen Führungsorgans ist, die für unsere Region möglichen Szenarien zu analysieren, zu gewichten und Massnahmen abzuleiten. «Dabei ist es oberstes Gebot, die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung auch im Schadenfall sicherzustellen», erklärt Habermacher.

Priorität nach Wahrscheinlichkeit

Die möglichen Szenarien sind vom RFO nach Prioritäten geordnet worden. So stehen Erdbeben, die zu Schäden am Leitungssystem führen, Stromausfälle und Hitze-Trockenheit an oberster Stelle.

Zur Trockenheit sagt der Reinacher Brunnenmeister Roger Soland allerdings, «das gehört zum Normalfall, die Massnahmen vom Spar-Appell bis hin zur Rationierung sind bekannt und auch vorbereitet».

Der Gesetzgeber unterstützt das RFO mit der «Verordnung über die Trinkwasserversorgung in Notlagen». Hier sind die Abläufe bereits klar festgelegt. «Denn im Notfall müssen wir uns auf vorbereitete Abläufe stützen können», sagt Habermacher. Wenn ein Schadenereignis eingetroffen sei, dann könne man nicht auf Feld 1 anfangen und zuerst überlegen, was jetzt zu tun sei.

Der Staat legt in seiner Verordnung fest, dass bei der Trinkwasserversorgung jeder Haushalt über einen Notvorrat verfügen muss: «2 bis 4 Liter Wasser pro Person und Tag.» Brunnenmeister Soland weiss, dass die wenigsten Haushalte bewusst den vorgegebenen Notvorrat im Keller bunkern. «Festgestellt habe ich, dass viele Ausländer aus südlichen Ländern Notwasser zu Hause haben», sagt er. Dies, weil sich diese Menschen noch nicht daran gewohnt hätten, das bei uns das Wasser aus dem Leitungssystem einwandfreies Trinkwasser sei.

Die Verordnung, dass die Wehrdienste am vierten und fünften Tag – sollte kein Leitungswasser fliessen – eine Notversorgung aufbauen. In jedem Quartier würde eine Verteilstelle eingerichtet, wo die Einwohner ihre Ration von vier Litern pro Tag und Person abholen können. Landwirte hätten Anrecht auf 60 Liter Wasser pro Kuh und Tag.

15 Liter Wasser ab 6. Tag

Die einzelnen Verteilstellen würden mit Tankwagen bedient. Ab 6. Tag läuft die «eingeschränkte Versorgung: 15 Liter pro Person und Tag, 100 Liter pro Person in Spitälern und Altersheimen. Die Lebensmittelbetriebe würden mit der «erforderlichen» Menge beliefert.

Joe Habermacher erklärt, dass bereits heute die Trinkwasserversorgungen der Region zusammengehängt seien, im sogenannten Trinkwasserverbund. «Das bedeutet, dass ein Dorf dem andern aushelfen kann.» Ebenso könnten im Schadenfall einzelne Quartiere von der Versorgung getrennt werden, sodass nur bei katastrophalen Grossereignissen die Gefahr bestünde, dass ein ganzes Netz ausfalle.

Löschwasser ist sichergestellt

Bei Engpässen würde die Versorgung zuerst im Verbund sichergestellt und die Rationierung wäre eine zweite Massnahme. Parallel zur Notwasserversorgung und der Instandstellung von unterbrochenen Leitungen muss das RFO besorgt sein, die Löschwasserversorgung sicheruzustellen, damit die Feuerwehren nicht plötzlich auf dem Trockenen sitzen.

Bereits heute verfügen die Zivilschutzorganisation (ZSO) und die Bauämter über Trinkwasserbehälter, Trinkwasserleitungen und Armaturen. Zisternenwagen müssten zugemietet werden ausser einem: «Das Tanklöschfahrzeug der Regionalfeuerwehr Reinach-Leimbach wird ausschliesslich mit Trinkwasser befüllt», erklärt Habermacher, «deshalb könnte es ohne aufwändige Reinigung als Zisterne eingesetzt werden.»