Ruedertal

200-Jahr-Jubiläum: Ein Tal feiert sich selbst

Das Schloss Rued in Schlossrued ist ein wichtiges Wahrzeichen des Ruedertals.

Das Schloss Rued in Schlossrued ist ein wichtiges Wahrzeichen des Ruedertals.

200 Kerzen können die Einwohner von Schmiedrued und Schlossrued in diesem Jahr auf dem Geburtstagskuchen ausblasen. Die beiden Ammänner rücken ihre Gemeinde ins rechte Licht und freuen sich auf das grosse Fest am nächsten Wochenende.

«Lage macht Eigenständigkeit notwendig»

Schmiedrued-Waldes Ammann Marliese Loosli sagt, was im Tal wirklich zählt und warum eine Schule im Dorf wichtig ist.

Marliese Loosli wünscht sich, dass die Jungen im Ruedertal bleiben.

Marliese Loosli wünscht sich, dass die Jungen im Ruedertal bleiben.

Wie lautet Ihr Geburtstagswunsch für Schmiedrued?

Marliese Loosli: Die Schmiedrueder sollen weltoffen und eigenständig bleiben und ihre Weitsicht behalten.

Warum eigenständig?

Unser Dorf ist umgeben von Hügeln und Wald. Unsere Lage macht Eigenständigkeit notwendig. Für uns, hinten im Tal, ist das nichts Neues.

Ist Eigenständigkeit so wichtig?

Ja. Es ist beispielsweise wichtig, eine eigene Schule zu haben.

Die Primarschule ist doch im Dorf?

Aber die Oberstufe nicht mehr. Die jungen Leute ab zwölf Jahren fehlen heute im Dorf und vielleicht künftig in den Vereinen. Sollten wir eines Tages keine Schule mehr haben, fehlen auch die Kinder.

Besteht diese Gefahr?

Es wird ein Thema werden. Wir haben eine Primarschule mit rund 90 Schulkindern, erste bis sechste Klasse, und wollen diese Schule behalten.

Gibt es andere Bereiche, die so wichtig sind wie die Schule?

Alles, was das tägliche Leben betrifft. Restaurant, Bank, Gewerbebetriebe und auch der Dorfladen in Walde. Eigenständigkeit bewahren wir uns auch mit einem Laden – solche Sachen zählen.

Was bedeutet die Nachbarschaft zu Schlossrued?

Wir versuchen, so viel wie möglich auszutauschen, zusammenzuarbeiten, wo es Sinn macht.

Wo gibt es Zusammenarbeit mit der Nachbarsgemeinde Schlossrued?

Seit Anfang 2014 führen wir die Feuerwehr gemeinsam, und schon länger die Jugendfeuerwehr. Beide Gemeinden haben das Betreibungsamt und das Zivilstandsamt nach Schöftland ausgelagert. In Schmiedrued befinden sich weiterhin die Finanzverwaltung, das Steueramt und die Kanzlei mit der Einwohnerkontrolle.

Ist Fusion ein Thema?

Grundsätzlich sicher. Man muss das diskutieren, immer wieder. Zurzeit macht eine Fusion aber wenig Sinn, weil der politische Wille dazu fehlt.

Welche Entwicklung wünschen sie sich für Schmiedrued?

Ich wünsche mir, dass die junge Generation im Tal bleibt und leben und arbeiten im Tal weiterhin eine grosse Bedeutung haben. Ausserdem sollen die Gemeindefinanzen wieder ins Lot kommen.

Wie bringen Sie die Finanzen wieder ins Lot?

Wichtig ist die Diskussion um den neuen Finanz- und Lastenausgleich. Wir sind eine der Gemeinden, die am meisten Finanzausgleich beziehen. Aber die bisherigen Parameter für die Berechnung des zu erhaltenden Finanzausgleichs ändern sich. Künftig werden uns jährlich rund 280 000 Franken fehlen. So viel sparen in einer Gemeinde, die seit Jahren spart, ist unmöglich. Beim Sparen geht es inzwischen durchaus um Grundlegendes. Wir überlegen uns zum Beispiel, ob die Schulreise oder das Weihnachtsessen des Gemeindepersonals nur noch halb so viel kosten darf.

Wie wollen Sie da finanziell eigenständig bleiben?

Sparen, und sich in der Politik dafür einsetzen, dass man noch einmal über die Bücher geht. Mindestens 50 Gemeinden im Aargau werden in den nächsten Jahren die gleichen Probleme haben wie wir.

Was gefällt Ihnen an Schmiedrued-Walde?

Man kennt einander. Wir haben eine hohe Lebensqualität und sind sonnenverwöhnt, Schmiedrued ist oft nebelfrei. Wenn man in die Weiler hochfährt, an einem schönen Tag ins Waltersholz, sieht man alle Berge im Luzernischen, man sieht bis in den Jura oder zum Üetliberg. In Schmiedrued ist Weitblick eine Wirklichkeit.


«Bei der Fusion denken wir auch an Schöftland»

Schlossrueds Gemeindeammann Martin Goldenberger ist sich sicher, dass die Fusionsdiskussion wieder aufs Tapet kommen wird, offen ist der Fusionspartner.

Martin Goldenberger wünscht der Gemeinde Gesundheit.

Martin Goldenberger wünscht der Gemeinde Gesundheit.

Schlossrued feiert dieses Jahr 200 Jahre als eigenständige Talgemeinde. Was wünschen Sie dem Dorf zum Geburtstag?

Martin Goldenberger: Ich wünsche mir Gesundheit. Für eine Gemeinde bedeutet das gesunde Finanzen: Eigentlich wünschten wir uns fünf Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt – als alles supergut lief und Schlossrued finanziell auf guten Füssen stand. Mit der Unternehmenssteuerreform II sind die Steuereinnahmen eingebrochen. Hinzu kommt die aktuelle Wirtschaftslage. Weniger Lohnerhöhungen verringern die Steuereinnahmen.

Aber gefeiert wird trotzdem?

Ja, klar. Die Gemeinde Schlossrued feierte allerdings bereits 2003 ein 950-Jahr-Jubiläum, weil der Name im Jahre 1053 erstmals urkundlich erwähnt worden war.

Prägt das Schloss heute noch die Bewohner in Schlossrued und im Tal?

Das Schloss ist in unserem Wappen, im Namen. Das prägt einen schon. Auf alten Fotos sieht man in der Regel das Schloss, die Mühle, den «Storchen» und auch das Tanzhüsli.

Oben im Ruedertal liegt die Gemeinde Schmiedrued. Was bedeutet der Gemeinde diese Nachbarschaft?

Das Ruedertal ist eine Talschaft. Die reformierte Kirchgemeinde in Kirchrued etwa ist für beide Gemeinden zuständig. Seit den 70er-Jahren wurde auch die Oberstufe gemeinsam geführt. Seit letztem Jahr und nach dem Wechsel des Schulsystems von 5/4 auf 6/3 gehen jedoch die Oberstufenschüler alle nach Schöftland zur Schule. Das ist sehr schade. Zuvor war die erste und zweite Oberstufenklasse in Schmiedrued, in Schlossrued die dritte und vierte. Vollständig fusioniert hat auch die Feuerwehr in den letzten Jahren, sie heisst heute Feuerwehr Rued.

Das sind aber einige Gemeinsamkeiten ...

Ja, das geht gar nicht anders. Schmiedrued und Schlossrued sind nahe beieinander. Das Wynental ist weit weg, obwohl wir zum Bezirk Kulm gehören – Kirchleerau und Moosleerau wären näher. Aber stets ist noch ein Hügel dazwischen. Der Forstverband ist mit Schmiedrued und mit Kirchleerau und Moosleerau zusammen. Auch im Bereich öffentlicher Verkehr arbeiten wir mit Schmiedrued zusammen, beide Gemeinden finanzieren zusammen einen Abend- und einen Nachtbus.

Ist Fusion ein Thema?

Vor einigen Jahren wurde das sehr intensiv diskutiert und auch ein Beratungsbüro miteinbezogen. Es wurden Workshops durchgeführt, das Verwaltungspersonal befragt. Damals kam man zum Schluss, dass eine Fusion nichts bringt, weil zwei Arme noch keinen Reichen ausmachen.

Aber die Verwaltung würde durch eine Fusion mit einer anderen Gemeinde schlanker.

Ja. Aber mit einer grösseren Verwaltung für mehr Einwohner kann der finanzielle Aufwand dennoch grösser sein. Immerhin führten diese Auswertungen zu einer gemeinsamen Feuerwehr.

Zurzeit also keine Fusion mit Schmiedrued?

Nein, aber verstärkte Zusammenarbeit. Wenn von Fusion die Rede ist, kommt erstrangig nur Schmiedrued als Nachbargemeinde im Tal infrage. In Schlossrued denken der Gemeinderat und die Einwohner, anders als vermutlich Schmiedrued, bei Fusion schon auch mal an Schöftland. Bei dieser Konstellation hätten aber die Schlossrueder in Zukunft wohl nichts mehr zu sagen. Sicher ist, die Fusionsdiskussion wird wieder aufs Tapet kommen.

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