Gestern trafen sich Gemeindevertreter aus dem ganzen Aargau im Reinacher Saalbau zur jährlichen Versammlung der Gemeindeschreiber im Kanton.

Landammann Urs Hofmann war in seiner Funktion als Vorsteher des Departements Volkswirtschaft und Inneres bereits das elfte Mal zu Gast. Er lobte die Gemeindeschreiber: «Sie sind das Grundgerüst unseres Kantons mit noch 211 Gemeinden», sagte er vor insgesamt 250 Gästen. Er rief die Profis dazu auf, ihre Gemeinderäte wenn immer möglich fachlich zu unterstützen, um sie in ihren Ämtern zu entlasten. «Damit die Gemeinderäte ihre Arbeit neben einem Beruf ausüben können.» Denn das Miliz-System sei dafür ausgelegt, Leute aus der Gegend ins Amt zu bringen.

Ohne dieses Miliz-System sei es möglich, dass Fremde kommen, wie jetzt der Aargauer, der im Kanton St. Gallen Wahlkampf betreibe – ein Seitenhieb auf Christoph Koenig, den ehemaligen Gemeindeschreiber von Staffelbach. Er kandidiert am 19. Mai in Niederbüren SG für das Amt des Gemeindepräsidenten – das ist möglich, weil die Gemeinde das Amt professionalisiert hat. Koenig wurde gemeinsam mit Michael Schätti, stv. Gemeindeschreiber von Menziken und Sabrina Siegrist, stv. Gemeindeschreiberin von Wohlen, für Bestnoten im Lehrgang zum Gemeindeschreiber geehrt (Abschluss 2018). Auch Stefan Jung, Gemeindeschreiber von Rothrist und Präsident des Verbands der Gemeindeschreiber, schalkte zum Publikum: «Ihr könnt ihn dann nachher fragen, was es mit der Kandidatur auf sich hat.»

Als Gastgeber ergriff Martin Heiz, Gemeindeammann von Reinach, das Wort. Seine Rede eröffnete er mit einem Witz: «Ich sage immer, dass es zwei Reinach gibt: Eines in Basel und ein Schönes». Das Publikum hatte er damit auf seiner Seite, bevor er ernster fortfuhr: «Das schöne Reinach hat aber auch Probleme.» Damit spielte er auf die mittlerweile rund 41 Prozent von Reinachs Einwohnern an, die einen ausländischen Pass haben. Das stelle die Gemeinde mit 8500 Einwohnern vor Herausforderungen. 87 Prozent von Reinachs Schülern, die Ausländer sind, seien hier in der Schweiz geboren. Umso grösser sei die Verpflichtung von Reinach, dafür zu sorgen, dass diese Schüler dieselben Chancen wie alle andern haben. «Damit sie ihr Leben einst selbstständig gestalten können.» Vor diesem Hintergrund begrüsse er auch die neuen Integrationsregeln, die der Bund Ende 2018 beschlossen hat und forderte Hofmann dazu auf, die zusätzlichen Gelder, die der Kanton durch die neuen Regelungen erhält, baldmöglichst wirksam einzusetzen.

Hofmann nahm den Input auf und entgegnete, man könne Geld eben auch schlecht einsetzen. «Deshalb haben wir zuerst ein gutes Konzept ausgearbeitet», sagte er. Dank diesem sei es möglich, die Gelder schon bald so einzusetzen, dass sie eine bestmögliche Wirkung erreichen.