Schöftland
20'000 Franken für das Theater-Projekt

Erster Auftritt von Julie von May an der 111. Generalversammlung des Gemeinnützigen Frauenvereins.

Sibylle Haltiner
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Julie von May von Rued, gespielt vonAnouk Plattner, öffnet die Geburtstagsgeschenke für den Frauenverein. sih

Julie von May von Rued, gespielt vonAnouk Plattner, öffnet die Geburtstagsgeschenke für den Frauenverein. sih

«Ich wünsche mir eine Welt, in der es nicht drauf ankommt, ob man ein Mädchen oder ein Bub ist», sagte Anouk Plattner alias Julie von May von Rued, während sie ihr Töchterchen Esther in die Wiege legt. «Männer und Frauen müssen die gleichen Rechte haben, denn auf Dauer lässt sich die Gerechtigkeit nicht einsperren.» Wer am Montagabend die Generalversammlung des Gemeinnützigen Frauenvereins Schöftland besuchte, kam in den Genuss eines exklusiven Einblicks in eine Szene des Freilichttheaters «Julie oder die Gerechtigkeit», das im Sommer aufgeführt wird.

An der Versammlung zeigte Anouk Plattner nicht nur einen Ausschnitt aus dem Stück, sie verteilte als Julie von May auch Blumen für alle, die sich für das Freilichttheater einsetzen. Und als grosse Überraschung konnte sie verkünden, dass der Regierungsrat für das Theater aus dem Swisslos-Fonds einen Beitrag von 20 000 Franken gesprochen hat. «Es passt alles super», erklärte Dorothee Doswald, die Präsidentin des Frauenvereins, erfreut. «Der Brief ist tatsächlich gerade am letzten Freitag eingetroffen.»

Julie passt zum Frauenverein

Der Gemeinnützige Frauenverein hat vor einem Jahr beschlossen, sich selbst ein grosses Geschenk zum 111. Geburtstag zu machen und einer Frauenrechtlerin aus dem 19. Jahrhundert eine grosse Bühne zur Verfügung zu stellen. Julie von May von Rued lebte von 1808 bis 1875 und verbrachte viele Jahre im Ruedertal und in Schöftland. 1871 forderte sie vom damaligen Bundesrat die Gleichstellung der Frauen in rechtlichen Belangen. Julie lieferte dem Frauenverein eine vorzüglich passende Idee für ein Theaterstück, das Peter Weingartner zu Papier brachte.

Bereits sind die Laienschauspieler unter der Regie von Antonia Riz am Proben. Die Hauptrolle der Julie wird von der Profischauspielerin Anouk Plattner verkörpert. «Wir sind noch daran, uns gegenseitig zu finden», erklärte die Schauspielerin ihre Beziehung zur umtriebigen Adeligen. «Die Figur ist spannend, aber wir wissen ja eigentlich wenig von ihr und ich muss viel von mir selbst dazugeben.» Auch wie Julie genau gesprochen hat, ist nicht ganz klar. Gemeinsam mit dem Autor entschied sich Anouk Plattner kurz vor ihrem Auftritt für einen Berner Burger-Dialekt mit rollendem R. Julies französisch angehauchtes Berndeutsch verlieh der Figur nicht nur eine adelige Noblesse, sondern rückte sie auch ins 19. Jahrhundert zurück.

Requisiten gibt es in der Brocki

Das Kleid für Julies Auftritt an der Generalversammlung hat Hedy Fischer aufgetrieben. Sie ist jetzt schon dabei, Requisiten und Kleider für die Aufführungen im Sommer zusammenzutragen. «Ich habe einen grossen Fundus an Kleidern zu Hause und in der Brockenstube lege ich alte Dinge, die wir brauchen können, zur Seite», erklärte Hedy Fischer, die zu den Initiantinnen des Projekts gehört.

Anouk Plattner hatte anschliessend nur noch einen letzten Wunsch: «Dass wir für das Risiko, das wir mit einer Freilichtaufführung eingehen, mit einem regenarmen Sommer belohnt werden.»