Dunkelgrün mit silberfarbenen Zierleisten und dem Namenszug über dem Kühlergrill, so präsentiert sich der frisch restaurierte Meier-Traktor aus dem Jahre 1936. Nach zweijähriger Arbeit kann Franz Morgenegg nun endlich mit seinem Meier ausfahren.

Gemächlich, mit 16 Kilometer pro Stunde, fährt Morgenegg, der Zetzwiler Fahrzeugrestaurator, mit seinem neuesten Oldtimer Richtung Wandfluh. Der Meier-Traktor aus dem Jahre 1936, gute zwei Tonnen schwer, macht am Berg keine schlechte Falle: Ohne zu husten, fährt er den steilen Hang hoch. Franz Morgenegg ist seit Jahren bekannt als Traktorenfachmann. Er hat schon viele Fahrzeuge restauriert und wieder fahrtüchtig gemacht. Motoren und alte Technik, das Bewahren und Dokumentieren des Wissens sind Teil seines Lebensinhaltes. Morgenegg ist einer, der mit viel Engagement und Herzblut ans Werk geht.

Hergestellt im Aargau

Die Meier-Traktoren – 40 Stück wurden bis Ende der 1940er-Jahre gebaut – kamen aus der Firma G. Meiers Erben Traktoren Berikon. Morgeneggs Mähtraktor hat seinen Ursprung allerdings in Menziken. Viel sei nicht bekannt über die Geschichte seines Fahrzeugs, erzählt der Restaurator. Immerhin so viel: In Menziken hat ein Werner Heiz in seiner Auto- und Elektrowerkstätte Mitte der 1930er-Jahre einen Mähtraktor konstruiert. Das ganze Chassis mit Hinterachse inklusive Werkzeugkiste und Anhängestufe bestand aus einem einzigen Gussstück, hergestellt in einer Giesserei in Rupperswil. Der Heiz-Traktor wurde serienmässig mit einem Mähantrieb und einem Fahr-Mähwerk ausgerüstet. Sogar eine Beleuchtung für den Mähbalken gehörte dazu, damit Landwirte auch noch in der Dämmerung Gras mähen konnten. Probleme gab es jedoch mit der Adhäsion: Die Hinterräder waren zu klein dimensioniert für die Fahrt im offenen Feld, das schwere Fahrzeug neigte dazu, einzusinken.

Restaurierter Meier Traktor von 1936

Franz Morgenegg, Zetzwil, hat einen Meier Traktor von 1936 restauriert. Das Fahrzeug mit gusseisernem Chassis wiegt über 2 Tonnen.

Der Menziker verkaufte die Pläne und Produktionsrechte um 1935 an Gottlieb Meier in Berikon. Dieser entwickelte den Traktor weiter, liess grössere, gusseiserne Hinterräder produzieren und baute einen Vierzylinder-Fordmotor ein. Als Franz Morgenegg eines Tages seinen «Meier» entdeckte, war das Chassis in schlechtem Zustand. Der Zahn der Zeit nagt auch an den schwersten Traktoren. Morgenegg liess das Chassis sandstrahlen und begann mit der Restauration. «Einzelne mechanische Teile waren nicht mehr zu retten» erklärt er. «Sie mussten nachgebaut werden.»

Motor für Petrol

Der eingebaute Vierzylinder-Fordmotor mit 25 PS weist noch eine Besonderheit auf. Morgenegg erklärt: «In der Zwischenkriegszeit war Petrol billiger zu haben als Benzin.» Diesem Umstand hat Meier Rechnung getragen: Er modifizierte den Fordmotor so, dass er auch mit Petrol zu betreiben war. Starten musste der Landwirt den Traktor mit Benzin, und das bereits mit elektrischem Anlasser. «Sobald der Motor auf 60 Grad aufgewärmt war, konnte der Fahrer auf Petrolbetrieb umstellen.» Auffällig ist das einfache Armaturenbrett des Meier-Traktors. Zündungsschloss, Startknopf und ein Ampèremeter, das ist alles. Zwei gross dimensionierte Scheinwerfer sorgten für gutes Licht, sollte einmal eine Spätschicht nötig sein.