Holziken
18 Musikanten feiern 100 Jahre – einer von ihnen ist seit 55 Jahren dabei

Die Musikgesellschaft Holziken feiert ihren 100. Geburtstag. Es-Hornbläser Max Hächler hat über die Hälfte der Vereinsgeschichte mitgestaltet. 1961 trat er als 16-Jähriger dem Verein bei.

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Es-Hornbläser Max Hächler hat 55 Jahre der Vereinsgeschichte mitgeschrieben.

Es-Hornbläser Max Hächler hat 55 Jahre der Vereinsgeschichte mitgeschrieben.

Peter Weingartner

Rosig sieht die Zukunft der Musikgesellschaft Holziken nicht aus. «Kein finanzielles Problem, sondern ein personelles», sagt Max Hächler, 71. Er ist mit 16 Jahren, also 1961, eingetreten. «Ich war Aktuar, Archivar und jetzt Vizepräsident», sagt er. Das Präsidentenamt ist vakant, und für das Jubiläum, das am 30. April gefeiert wird, ist er eben daran, die Jubiläumsschrift zusammenzustellen. Noch 18 Personen machen mit im Verein; das Durchschnittsalter beträgt 56 Jahre. Dabei hatte die Musikgesellschaft in ihrer Blütezeit einmal 40 Mitglieder.
Allerdings gestaltete sich auch der Anfang der Vereinsgeschichte harzig. Bereits vor 120 Jahren, im Mai 1896, haben sieben Personen einen Verein gegründet, der aber bereits 1908 mit einem Fass Bier im «Bären» wieder zu Grabe getrunken wurde. Wie wenig später der Turnverein. Im Juni 1916 aber, und darauf gründet das Jubiläum vom 30. April, galt es ernst.
Ein Dutzend Männer, drei davon hiessen Otto Lüthy, die sich durch Zunamen unterschieden – Försters, Samuels, Johannesens – gründeten den Verein. Die anderen hiessen Lüthi, Schären, Graber, Bolliger, Lienhard, Hürzeler, Basler und Ernst.

Bier für die Musikanten

Max Hächler erinnert sich an seine ersten Blasversuche auf der Trompete: «Vor der Probe haben wir jeweils die Tonleiter geübt, zusammen mit dem Nachbarsbub. Dann Lieder wie ’s Munotglöggli aus dem Waldrandbüechli.» Statt eines Velos oder eine Uhr hat er sich zur Konfirmation eine Trompete gewünscht. Und sich später auch bei Krisen nicht dafür gehalten, aufzugeben. Die Musikgesellschaft sei präsent gewesen im Dorf: «Man ist mitgelaufen, wenn sie Marschmusik geübt hat.» Und die Bevölkerung habe die Musikanten mit Bier belohnt.
Präsent ist der Verein heute noch: am Neujahrsapéro, an der Bundesfeier mit Schweizerpsalm, bei Einweihungen von öffentlichen Einrichtungen von Friedhof bis Schulhaus. Oder in jüngerer Vergangenheit bei SVP-Bundesratsbesuchen: Blocher, Schmid, Maurer gaben sich die Ehre. Auch der Gemeinderat schätzt den Verein: «Das Weiterbestehen der Musikgesellschaft liegt uns sehr am Herzen.» Ammann Peter Lüscher wird am Jubiläumsfest in diesem Sinne zur Bevölkerung sprechen.

Erfolglose Werbung

«Wir hatten das Wunschkonzert am Montag und das Hörspiel am Mittwoch», sagt Max Hächler. Er spricht die heutigen Verhältnisse an mit tausend Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten. Blechblasinstrumente seien momentan an der Musikschule weniger gefragt; daran änderten auch Instrumentenparcours, wo Kinder Instrumente ausprobieren können, wenig. Auch bei Neuzuzügern und in den Nachbargemeinden ohne eigene Musikgesellschaft (Hirschthal und Schöftland) habe man nachgefragt und Werbung gemacht. «Das Telefon klingelte nicht», meint Hächler lakonisch.

Jubiläumsmarsch zum 100. Geburtstag

Am Samstag, 30. April feiert die MG Holziken 100 Jahre. Sie tut dies in der Mehrzweckhalle. Ab 18.30 Uhr kann man essen. Den ersten Teil des musikalischen Programms bestreitet der jubilierende Verein unter Roland Basler mit eingängigen Melodien, Tambouren-Einlage, Alphornsolo und dem Jubiläumsmarsch. Im zweiten Teil gehört die Bühne der Schiltwalder Blaskapelle unter Martin Hunziker. Der Eintritt ist frei. (wpo)

Max Hächler spielte zuerst Trompete und Cornet, wechselte dann aber aufs Es-Horn. Seit einiger Zeit spielt er auch bei der MG Kölliken mit. Er ist nicht der einzige, der «fremd» geht. In Holziken wohnhaft sind noch drei der 18 Mitglieder. Dank grösserer Mobilität blieben auch musizierende Neuzuzüger oft ihrem Stammverein treu.
Auf dem Stubenbuffet stehen auf einem Zinnteller rund um einen Krug herum Zinnbecher. «Das alles gabs für fast lückenlosen Probenbesuch», sagt Max Hächler lachend. Heutzutage undenkbar, dass immer alle kämen. Teils fehlten sie aus beruflichen Gründen, teils würden andere Prioritäten gesetzt. Ob der Verein weitere 100 Jahre existieren wird? «Das kann niemand wissen», sagt Max Hächler, «wenn die Töne vom Jubiläumskonzert verstummt sind, werden wir nach Lösungen suchen, wie Probengestaltung und Repertoire an die jeweils aktuellen Mitgliederzahlen angepasst werden können. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.»
Der Dirigent der Holziker Musikanten, Roland Basler, hat übrigens nicht nur den Marsch für den Holziker Ehrenbürger und ehemaligen Gemeindeschreiber Hans Ulrich Mathys komponiert, sondern fürs Jubiläumsfest am 30. April auch den Jubiläumsmarsch «100 Jahre MG Holziken».

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