«Jedes Jahr kommen zwei, drei Mitglieder weniger an die Generalversammlung», begrüsst Zentrumsleiter Jakob Faes von der Spitex Mittleres Wynental die 21 Stimmberechtigten, die in den Gemeindesaal von Unterkulm gekommen sind. «Das ist schade, wenn man bedenkt, dass wir über 300 Mitglieder haben.» Vielleicht liegt es auch daran, dass die Spitex Reinach-Leimbach an ihrer Jahresversammlung vor zwei Wochen vieles vorweggenommen hat. Denn das wichtigste Traktandum des Abends betrifft beide Organisationen; es ist die Information zu ihrer geplanten Fusion.

Gemeinsam haben sie ein Einzugsgebiet von 10'706 Einwohnern. Laut Kanton werden bis 2045 rund 32 Prozent von ihnen mindestens 65 Jahre alt sein. Auf Grundlage dieser Entwicklungen soll im Aargau die Spitex gestärkt werden. «Im weitesten Sinne hat die Spitex den Auftrag bekommen, den Eintritt ins Pflegeheim hinauszuzögern», sagt Jakob Faes. Das hat auch dazu geführt, dass die Anforderungen an die Spitex gestiegen sind. «Der Kanton fordert von uns, dass wir eine bestimmte Zahl an Lehrlingen ausbilden. Die Suva will eine Schnittstelle zu unserem Buchhaltungsprogramm. Und die Leute wünschen sich einen 24-Stunden-Service. Wie setzen wir das mit einer Spitex-Organisation von nur 23 Mitarbeitenden um?», fragt Faes. «Das geht gar nicht. Da nützt es auch nichts, dass im Dorf jeder Mitarbeiter jeden Kunden kennt.»

Deshalb die geplante Fusion mit der Spitex Reinach-Leimbach, die etwa gleich gross ist wie die Spitex Mittleres Wynental. Im Personalwesen und in der Buchhaltung arbeiten die beiden Vereine bereits erfolgreich zusammen. Künftig soll es auch nur noch eine Person geben, die für die gesamte Lehrlingsausbildung zuständig ist, die Qualitätssicherung wird nur einmal erarbeitet werden müssen, bei der Software können Lizenzkosten eingespart werden. «Gleichzeitig werden wir dank dem grösseren Personal-Pool mit etwa 50 Leuten das Dienstleistungsangebot ausbauen können», sagt Faes. Ebenso wären nach einer Fusion längere Betriebszeiten und eine breitere Aufstellung mit Fachpersonal möglich. Und Letztere würde wiederum die Ausbildung weiterer Nachwuchskräfte ermöglichen.

«Mit der Fusion werden die Dienstleistungen wohl nicht günstiger», so Faes. Doch es könnte gelingen, die Kosten im Griff zu behalten. «Denn aktuell laufen wir Gefahr, dass sie uns davonlaufen – und das wollen wir nicht.» Die angestrebte Fusion scheint unumstritten – im Herbst 2019 soll der Fusionsvertrag unterschrieben werden, damit beide Vereine ab dem 1. Januar ihre Arbeit im neuen gemeinsamen Verein Spitex Wyna aufnehmen können. Im Frühling werden die Mitglieder der ehemaligen Vereine ein letztes Mal getrennt zur Jahresversammlung berufen, um nachträglich über den Fusionsvertrag abzustimmen. «Und 2021 brauchen wir dann hoffentlich einen grösseren Saal.»