Schöftland

Die Samaritervereine der Region rüsteten sich für den Notfall

An den Figurantinnen lassen sich die Notfälle üben. wpo

An den Figurantinnen lassen sich die Notfälle üben. wpo

Wenn ein Unfall passiert, zählt jede Minute. Dafür probten rund 100 Personen aus den Samaritervereinen Reitnau, Aargau West, Gränichen, Entfelden, Uerkheim und Schöftland den Ernstfall. Die Methoden des Doktor Heimlich blieben allerdings geheim.

«Meine Tochter kann keine Lindorkugeln mehr sehen», sagt Sandra Bertsch am Posten, wo gelernt wird, wie jemand, dem ein Gegenstand im Hals stecken geblieben ist, geholfen werden kann. 14 Jahre alt sei sie nun, und mit zwei Jahren habe sie zwei solche Kugeln verschluckt.

Beine hoch oder übers Knie legen und einen Klaps auf den Rücken. Das Beispiel zeigt: Samariterwissen ist alltagstauglich. Was aber, wenn die Person gross und gar bewusstlos ist? Das Heimlich-Manöver, die Methode des Doktor Heimlich, mit welcher der Patient zum Erbrechen gebracht wird, übt man an der Regio-Übung in Schöftland natürlich nicht. Die Schöftler Samariter werden für Anlässe wie Schulsporttage, Jugendfeste, Turnfeste, Fussballturniere oder das Motocross in Walde engagiert.

Junge Männer gesucht

Rund 100 Personen aus den Vereinen Reitnau, Aargau West (Aarau, Buchs, Küttigen, Suhr), Gränichen, Entfelden und Uerkheim absolvieren auf Einladung des Schöftler Samaritervereins sechs Posten. Nachwuchsprobleme? Nein, sagt Ruth Krapf, Technische Leiterin in Schöftland: «Wir sind zufrieden.»

Junge Männer freilich sind gesucht. Kevin Hasler, 26, ist wohl einer der jüngsten. «Ich habe Militärdienst auf der Rettung gemacht; das hat das Feuer entfacht», sagt er. Man komme mit neuen Leuten in Kontakt, sagt er und weist auf spannende Begegnungen hin. Zudem lerne man den Umgang mit Menschen. «Mein Beitrag an die Gesellschaft», sagt Hasler.

Üben an sechs Posten

Ruth Krapf hat die sechs Posten, die auf dem Schulhausareal doppelt angeboten werden, organisiert. 17 Minuten dauert die Arbeit an einem Posten; Monika Frey bedient die Hupe als Zeichen für den Wechsel. Da werden Verbände vom Stützverband über den Daumenbasisverband bis zu Knie- und Ellbogenverbänden geübt. An einem anderen Posten geht es darum, einen verunfallten Töfffahrer von seinem Helm zu befreien. Nie zu vergessen sind gerade bei Verkehrsunfällen das Absichern der Unfallstelle und das Alarmieren.

Michael Buballa (30) aus Suhr ist bei der Feuerwehr in der Sanitätsabteilung. «Ich will Erfahrungen sammeln; ich lerne viel an diesem Schnuppertag», sagt er. Die Chancen, dass er im Verein mitmacht, stünden gut, zumal der zeitliche Aufwand, eine Probe pro Monat, verkraftbar sei. «Je mehr Übung, desto grösser die Sicherheit, sollte man einmal in die Situation kommen, sein Wissen und Können anwenden zu müssen.»

Lehrreiche Manöverkritik

«Hier habt ihr eine Situation. Macht etwas. Freiwillige vor!», sagt Jolanda Weber. Eine Frau liegt auf einer Bank, bewusstlos. Nun beginnt die Diskussion. Hosentaschen leeren? Auf der Bank lagern oder doch lieber auf dem Boden die Seitenlagerung durchführen? Mindestens so lehrreich wie das konkrete Üben an den Figuranten und Figurantinnen ist die Manöverkritik danach. So soll man gut überlegen, was man vor Patienten sagt, denn Bewusstlose, so Weber, «bekommen vieles mit». Und könnten Traumata davontragen.

Hat jemand eine Augenverletzung, soll man beide Augen verbinden, um simultane Bewegungen der Augen und damit Schmerzen im verletzten Auge zu vermeiden. An diesem Posten haben die Samariter die Möglichkeit, in die Rolle des Patienten zu schlüpfen und zu erfahren, was in solchen Situationen guttut. Gut taten jedenfalls nach der Regio-Übung die heissen Würstli und das den Samariterinnen zu verdankende Kuchenbuffet samt Kaffee.

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