Wohnraumstrategie
Wie Aarau Wohnungen fördern will

Eine «kooperative Planungskultur» ist ein zentrales Element der Wohnraumstrategie, die der Stadtrat verabschiedet hat.

Urs Helbling
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Das Haus Schönenwerderstrasse 30 soll einem Gebäude mit sieben Wohnungen weichen.

Das Haus Schönenwerderstrasse 30 soll einem Gebäude mit sieben Wohnungen weichen.

Bild: uhg

Trotz hoher Bautätigkeit sind die Wohnungsleerstände in Aarau vergleichsweise tief. Und für junge Familien ist es schier unmöglich, in der Kantonshauptstadt ein Eigenheim zu erwerben – der Markt ist total ausgetrocknet. Politik und Verwaltung sind auf verschiedenen Ebenen aktiv. Ein entscheidender Schritt war die Inkraftsetzung der totalrevidierten Bau- und Nutzungsordnung (BNO) in letzten Sommer.

Gescheitert ist dagegen 2017 der Versuch der SP, mit der Volksinitiative «Raum für alle» die Stadt zu einer aktiveren Wohnraumpolitik zu bewegen. Das Begehren wurde vom Souverän mit 60 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Die Initiative wollte, dass sich die Stadt mit erheblichen Mitteln für «bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum» engagiert.

Die Stadt besitzt bald über 400 Wohnungen

Wenige Monate später hat der Einwohnerrat ein Postulat überwiesen, mit dem er eine städtische Wohnraumstrategie forderte. Diese ist nun vom Stadtrat zuhanden des Parlaments verabschiedet worden. Das 15- seitige Papier «Für eine offene, durchmischte, vielfältige und dynamische Stadt» enthält neben Allgemeinplätzen auch durchaus bemerkenswerte Aussagen.

Die Stadt ist nicht nur beim Definieren Bau-Regeln (BNO) und dem Formulieren von Papieren (Wohnraumstrategie), sondern auch als Investor aktiv. So besitzt die Einwohnergemeinde zwischenzeitlich über 200 Wohnungen. Zuletzt kaufte sie für 33,6 Millionen Franken die ­Walthersburg-Siedlung (59 Wohnungen).

Und die Ortsbürger ­haben eben den Bau von 40 weiteren Wohnungen für fast 19 Millionen Franken in der ­Aarenau bewilligt. Die Ortsbürger werden bald auch über 200 Wohnungen besitzen (alleine in der 4. Telli-«Staumauer» sind es 135).

Öffentliche Hand will eine Vorbildrolle übernehmen

In der eben verabschiedeten Wohnraumstrategie steht den auch ganz an der Spitze, dass die Einwohnergemeinde und die Ortsbürgergemeinde eine ­Vorbildfunktion übernehmen sollen. «Sie sorgen in ihrem Portfolio für ein angemessenes Angebot an bezahlbarem Wohnraum in unterschiedlichen Preisklassen, verfolgen eine sozial nachhaltige Bewirtschaftung und berücksichtigen Wohnbaugenossenschaften und Baugruppen bei der Vergabe von Baurechten», heisst es.

Mit der Wohnraumstrategie bekennt sich die Stadt explizit «zu einer kooperativen Planungskultur». So sollen Bau-träger informiert werden, «wie sich Stadtteile entwickeln, und wie sie eine gute Durchmischung mit passenden Angeboten an passenden Lagen fördern können».

Und weiter: «Mit der Begleitung von Siedlungserneuerungen, der Vernetzung von Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern und Quartierakteuren engagiert sich die Verwaltung dafür, dass Veränderungen sozialverträglich ­verlaufen und Quartiere aufgewertetwerden.» Fallweise ­sollen zur Unterstützung Ad-hoc-Kommissionen gebildet werden. Die in Ergänzung zur Stadtbildkommission.

In der Wohnraumstrategie werden Angebotslücken genannt: «Im tiefsten Preissegment fehlen moderne Zwei- bis Dreizimmerwohnungen, im mittleren Preissegment gibt es kaum Familienwohnungen.» Interessant ist, wie der Stadtrat preisgünstigen Wohnraum definiert.

«Bezahlbare Mietwohnungen kosten für Haushalte mit tiefen Einkommen weniger als einen Drittel, für die übrigen Haushalte weniger als einen Viertel eines Haushaltseinkommens.