Umfrage

Wo würden Sie am liebsten wohnen wenn nicht zuhause?

Die Umfragen zum Selbstbild und zur Befindlichkeit in den Kantonen Aargau, Baselland und Solothurn zeigen viel Gemeinsamkeiten. In allen drei Kantonen leben die Menschen gut und gerne. Was sie am meisten stört? «Nichts», sagen sie alle.

Eine Woche lang haben az Aargauer Zeitung, az Solothurner Zeitung und bz Basellandschaftliche Zeitung für ihre Leserschaft Umfrageergebnisse zum Selbstbild und zur Befindlichkeit der Kantonsbürgerinnen und -bürger publiziert. Am Ende der Woche stellt sich die Frage: Wie ticken die Menschen beidseits des Juras, Aargauer, Baselbieter und Solothurner (Männer und Frauen) im Vergleich? Fazit vorneweg: Es gibt relativ wenige Unterschiede. Immerhin, einige interessante Abweichungen lassen sich festmachen.

Baselbieter grösste Heimatfans

Auf die Frage «Leben Sie gern in Ihrem Kanton?» antworteten 79% der Baselbieter mit «sehr gern». Im Aargau waren es 68%, in Solothurn 66. Nimmt man indes die Antwort «eher gern» dazu, gleicht es sich fast wieder aus. Entscheidend jedenfalls: Im Aargau kreuzten nur 2% die Antwort «ganz ungern» an, in Solothurn nur 1%. In Baselland verschwindet die totale Unzufriedenheit sogar ganz aus der Statistik: weniger als 1%!

Auf die Frage «Was gefällt Ihnen an Ihrem Kanton am besten?» gab es einen klaren Sieger: Natur und Landschaft. In Solothurn setzten 46% der Befragten diese Qualität auf Platz 1, im Aargau 50%, in Baselland sogar 64%. Offenbar gibt es auch im Speckgürtel rund um Basel schöne Natur.

Differenzen dann auf Rang 2. Solothurner sagten stolz: unsere Hauptstadt! Diese Qualität erscheint im Baselbiet erst auf Rang 8, im Aargau gar nur unter ferner liefen... Aargauer setzten auf Rang 2 «Nähe zu einem Zentrum (Zürich, Basel, Bern)», Baselbieter sagten «die Menschen».

Die Steuerlast der Solothurner

Erfreulich: Bei der Analogfrage «Was gefällt Ihnen nicht?» gab es in allen drei Kantonen einen klaren Sieger mit zwischen 26 (Solothurn) und 32% (Baselland): «Nichts»! Solothurn fällt auf mit einem 2. Rang mit 21%: die Steuerlast. Dieser Punkt erscheint in Aargau und Baselland nicht. Dort stehen auf den nächsten Plätzen (mit unter 10%) Verkehrsfragen, «die Politik» oder Atomkraftwerke (nur im Aargau, Baselland hat ja keine...)

Aargauer gibt es fast keine

«Fühlen Sie sich am stärksten als...?» bohrte eine weitere Frage nach der identitätsstiftenden Heimat. 47% der Solothurner, 46% der Aargauer und 41% der Baselbieter sagten: «als Schweizer». Gemeinde und Region liegen klar zurück, ebenso der Kanton. Besonders schwach ausgeprägt ist das Kantons-Gefühl im Aargau mit 5% Nennungen. In Solothurn sind es 8%, im Baselbiet 9. Noch eher fühlt man sich als Europäer (SO 12%, AG 19%, BL 20%) oder gar als Weltbürger (AG und SO 13, BL 17). Und in welchen Kantonen sitzen die sympathischsten Miteidgenossen? Einheitliche Sieger: die Berner mit Quoten zwischen 25 und 35%. Einheitlichkeit auch am anderen Ende: Am unsympathischsten sind die Zürcher mit rund 30% der Nennungen – zumindest für Aargauer etwas widersprüchlich, denn «Nähe zu einem Zentrum» ist für sie wie erwähnt eine Stärke ihres Kantons.

Und wie lieben oder hassen sich die drei gegenseitig? Aargauer setzten Baselbieter auf Rang 8, Solothurner unter ferner liefen... Solothurner setzten Aargauer auf Platz 4, Baselbieter auf Rang 7. Baselbieter setzten Solothurner auf Rang 6, Aargauer unter ferner liefen...

Wo sitzen die grössten Optimisten?

«In einem Jahr geht es mir... besser, gleich gut, schlechter?» lautete eine Frage. In den Kantonen Aargau und Solothurn glauben 29%, es gehe ihnen 2012 besser, in Baselland 20%. Bei «schlechter» herrscht praktisch Parität mit 11 oder 12%. Die durchwegs grösste Gruppe geht von keiner Änderung aus: 59 und 57% in Aargau und Solothurn, 68 in Baselland.

Der Bischofssitz zeigt Wirkung

Eine Frage zielte in Richtung Religiosität: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Im mehrheitlich katholischen Kanton Solothurn mit dem Bischofssitz ergab sich eine knappe Ja-Mehrheit mit 51%, 39% sagten Nein (Rest «weiss nicht»). Das Ergebnis im Aargau: 47% Ja, 51% Nein. Im Baselbiet: 44% Ja, 46% Nein.

Die Frage «Wo positionieren Sie sich politisch zwischen links und rechts?» ergab keine Überraschung: Mit Quoten um die 30% siegte überall – die Mitte. Doch dann kommen leise Zweifel auf, ob alle immer ehrlich geantwortet haben, zum Beispiel im doch recht weit rechts stehenden Aargau: 38% kreuzten Positionen links der Mitte an, 32% solche rechts der Mitte. In Solothurn waren es 41% links der Mitte, 29% rechts, im Baselbiet 43% links und 29% rechts.

Nicht alle haben einen Federer

Besonders pikant, aber zum Herausarbeiten von Kantons-Unterschieden nicht besonders geeignet, weil das «Angebot» naturgemäss verschieden ist: «Wer sind die wichtigsten Personen aus Ihrem Kanton?» Klarer Sieger im Baselbiet: Roger Federer. Auf dem Podest sodann: FDP-Regierungsrätin Sabine Pegoraro und SP-Ständerat Claude Janiak.

Ebenso klare Siegerin im Aargau: Bundesrätin Doris Leuthard (CVP). Auf den nächsten Plätzen folgen zwei Alt-Nationalratspräsidentinnen: Pascale Bruderer (SP) und Ständerätin Christine Egerszegi (FDP). Eine kleine Überraschung lieferte Solothurn mit der grossen Steuerlast: Man kürte ausgerechnet den FDP-Finanzdirektor Christian Wanner! Auf Rang 2 folgt Ständerat Roberto Zanetti (SP), auf Rang 3 mit Peter Bichsel die Kultur. Auf Rang 4 dann ein Mann, der seit 28 Jahren tot ist: Willi Ritschard.

Man beachte: Niemand stellt Wirtschaftsführer aufs Podest. Niemand SVP-Politiker. Und der Aargau keine Regierungsräte.

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