Nachtzuschlag

Wird der Nachtzuschlag bald abgeschafft?

Nachtschwärmer reisen bald billiger.

Nachtschwärmer reisen bald billiger.

Nachtschwärmer dürfen hoffen: In den öffentlichen Verkehrsmitteln dürfte der Nachtzuschlag bald der Vergangenheit angehören.

Nachdem sich im Kanton Zürich Stimmen häufen, welche die Abschaffung des Nachtzuschlags fordern, denkt nun auch der Aargau laut darüber nach, Zuschläge für Nachtschwärmer zu erlassen. Gründe dafür finden sich weniger in alkoholisierten und pöbelnden Fahrgästen, die sich bei Kontrollen uneinsichtig geben, wie es in Zürich der Fall ist. Vielmehr habe es mit der Harmonisierung der Tarifverbunde zu tun, sagt Christina Spoerry von der Abteilung Verkehr des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). Bereits 2009 haben die Halbkantone Baselland und Basel-Stadt, die im Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) zusammengefasst sind, beschlossen, den Nachtzuschlag abzuschaffen.

Das hat Auswirkungen auf den ganzen Tarifverbund, dem das Fricktal, der Kanton Solothurn und Teile des Kantons Jura angehören. Ebenfalls betroffen ist der Rest des Kanton Aargau, der im Tarifverbund A-Welle organisiert ist. Die Chancen, dass der Nachtzuschlag fällt, sind laut Spoerry gut. Auch darum, weil die grössten Akteure - Basel-Stadt und Baselland - rund 80 Prozent des gesamt Transportvolumens im TNW aufweisen. Der Entscheid der Halbkantone ist für den Aargau und Solothurn zwar nicht bindend, aber in jedem Fall wegweisend.

Tariferhöhungen sind unumgänglich

Spoerry macht den Entscheid jedoch davon abhängig, wie die Mindereinnahmen inskünftig kompensiert werden können. «Der Nachtzuschlag deckt die hohen Kosten des nächtlichen Personentransports. Entfallen diese Einnahmen, müssen wir über Tariferhöhungen im gesamten Netz diskutieren», sagt sie. Die Folge davon wäre, dass Einzelbillette und Abonnemente teurer würden. Dies könnte man im Zuge der ohnehin angekündigten, landesweiten Tariferhöhungen legitimieren.

Wird die Abschaffung des Nachtzuschlags ohne Tariferhöhungen im gesamten Streckennetz durchgesetzt, ergibt sich ein Szenario, dass für Spoerry undenkbar wäre. Der Kanton und die Gemeinden müssten in diesem Fall für die ungedeckten Kosten im Personentransport aufkommen. «Es ist für den Kanton Aargau kein gangbarer Weg, dass letztlich der Steuerzahler die Abschaffung des Nachtzuschlags abfedern muss», sagt Spoerry.

Ein weiter Weg bis zur Harmonisierung

Der Wille zur Aufhebung des Nachtzuschlags ist breit abgestützt, wie ein Postulat der CVP-BDP Fraktion an den Aargauer Regierungsrat zeigt. Darin wird der Nachtzuschlag als «generell fragwürdig» bezeichnet. «Dies deshalb, weil die Auslastung der Busse an Randstunden und um ein Mehrfaches geringer und die Kostenunterdeckung damit grösser ist», hält die CVP-BDP Fraktion fest. Aus diesen Gründen sei es nur schwer nachvollziehbar, weshalb nachts ein Zuschlag erhoben werde, nicht jedoch an den schlechter frequentierten Randstunden.

Laut Spoerry ist der Nachtzuschlag an der kommenden Vollversammlung des Tarifverbundes Nordwestschweiz traktandiert. Wichtig sei, dass alle Tarifverbunde, die grenzüberschreitend funktionieren, harmonisiert werden.

Der Kanton Solothurn, der sich im Dezember 2009 noch zurückhaltend zeigte, will ebenfalls einlenken. «Wir schliessen uns wahrscheinlich den Beschlüssen aus den beiden Basel an», erklärt Rolf Allemann, stellvertretender Leiter der Abteilung öffentlicher Verkehr. Das Nachtnetz wird zwar nicht vom Kanton finanziert, sondern von den 20 Solothurner Gemeinden, die Verbindungen im Rahmen des Nachtnetzes haben.

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