Campus Brugg-Windisch

Willy Buchser in der Höhle des Löwen

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Der Campus für die Fachhochschule Nordwestschweiz sorgt für Gesprächsstoff und stösst auf grosses Interesse: Bei der Diskussion über Abstimmung Kauf oder Miete mit dem Aargauer Unternehmer Wily Buchser gab es einen regelrechten Grossaufmarsch.

Heftige Attacken und gegenseitige Vorwürfe waren absehbar, in der Region Brugg-Windisch ist die Wut über die Verzögerung des Campus-Neubaus gross. Sie fokussiert sich auf eine Person, den Aarauer Unternehmer Willy Buchser, der mit Erfolg das Referendum zum 190-Millionen-Kredit ergriffen hat. Ohne ihn gäbe es die Volksabstimmung vom 13. Februar über Kauf oder Miete nicht – die Verspätung um ein halbes bis ein Jahr auch nicht. Dennoch begab sich Buchser in die Höhle des Löwen, wo er zwar nicht gefressen, aber hart attackiert wurde. Vor allem in der Diskussion wurden ihm Egoismus und Rücksichtlosigkeit vorgeworfen, aus Eigeninteresse torpediere er ein demokratisch abgestütztes Projekt.

Für und gegen Grossprojekt

Den 300 politisch interessierten Frauen und Männern in der mehr als voll besetzten Aula der heutigen Fachhochschule wurden Zahlenberge um die Ohren geschlagen, bis alle den Überblick verloren. Schon in der Aufwärmrunde plädierte Jürg Bauer von Organisator Region Brugg jetzt für den Neubau, 190 Millionen Franken teuer und 24500 Quadratmeter gross. Bildungsdirektor Alex Hürzeler schilderte den Werdegang mit einer Mietlösung bis 2007 und dem Wechsel zum Kauf. Im Neubau belege die Pädagogische Hochschule noch 15300 Quadratmeter und damit 1000 weniger als heute. «Zu grosse Konzentration, zu teuer, keine Minergie P, unklare Kosten für den Innenausbau», konterte Tobias Maurer, Ex-Einwohnerrat in Aarau.

Pädagogik in Aarau lassen?

Weil das Referendum nur gegen den Kauf möglich war, dreht sich die Abstimmung um diese Frage, obwohl es um eine andere geht. Das kam beim hartnäckigen Nachfragen von Gesprächsleiter Peter W. Frey, freiem Journalisten aus Hausen, unmissverständlich auf den Tisch: Das Komitee um Willy Buchser will die FH Pädagogik in seinen Räumen im Nordpark Aarau belassen. Eine Initiative liegt bei der Staatskanzlei, welche die Aufteilung in der Verfassung festschreiben will. Die Reduktion auf Technik, Wirtschaft und Leitung «ergäbe für Brugger Verhältnisse eine erträgliche Grösse», meinte Buchsers Begleiter Bruno Nüsperli – und erntete dafür höhnisches Gelächter. Die Gegner des Kaufs stützen ihre Kampagne auf den Vorwurf der Geldverschwendung, die 90 Millionen Bauanteil für die FH Pädagogik könne man sparen, weil ja in Aarau schon alles vorhanden sei. Zudem: «Bei uns kostet die Miete 217 Franken pro Quadratmeter, in Brugg-Windisch werden es 489 Franken sein. Diese grosse Differenz würde der Staat viel besser in die Ausbildung der künftigen Lehrer stecken», erklärte Buchser mehrmals. In seinem Nordpark habe es genug Platz und genügend Parkplätze, er gewähre gerne Einblick in die Verträge mit dem Kanton.

Planung kostete 20 Millionen

Der von Peter W. Frey gestellten Kernfrage «Warum nicht früher?» wich Nüsperli aus, es sei nicht Aufgabe des Bürgers, Grossprojekte überprüfen zu müssen. In der Tat: «Der Standortentscheid war im Grossen Rat massiv umstritten», erinnerte sich Ex-Regierungsrat Kurt Wernli. Zum Geldsparen legte er diese Zahlen auf den Tisch: «Der Kauf kostet die Steuerzahler im Jahr 2 bis 4 Millionen Franken weniger, die Planung des Campus habe 20 Millionen Franken gekostet, die archäologischen Grabungen weitere 10 Millionen Franken. In der Pädagogik solle die Zahl der Studierenden von heute 600 bis 2013 auf 810 steigen, «da genügt der Nordpark in Aarau nicht mehr», rechnete Wernli vor.

Interdisziplinäre Ausbildung

Einig waren sich Befürworter und Gegner nur darin, dass Grösse allein noch keine Synergie erzeugt. «Aber die Idee dieses Campus ist wirklich sehr gut überlegt. Die bewusst gewählte interdisziplinäre Ausbildung hat grosse Vorteile», versicherte Professor Jürg Christener von der FH Technik. Die Studierenden kämen sich beim Sport und in der Mensa näher. «Lehrer haben manchmal Mühe, die Realität wahrzunehmen», sagte Ex-Lehrer Kurt Wernli, darum sei es wichtig, die Pädagogik auch hier zu haben, statt sie zu isolieren – wie in den meisten Kantonen. Diese Vernetzung sei positiv, der Aargau habe eine dynamische Lösung, erklärte Grossrätin Theres Lepori, Präsidentin des Pro-Komitees. In der weiteren Diskussion mussten die Gegner teilweise harte Vorwürfe einstecken.

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