Leserwandern
Wieso Naïma auf der Leserwanderung einen «Köder» brauchte

Nächste Etappe: Stein! Die az-Leserwanderung führte die Wanderfreunde und der bislang jüngsten Teilnehmerin und dem ältesten Wanderer des Tages von Laufenburg nach Stein.

Christof Forster
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So verlief die az-Leserwanderung von Laufenburg nach Stein
9 Bilder
Am Zielort Stein das T-Shirt wechseln
Auf der deutschen Seite des Rheins türmen sich Regenwolken
Am Rhein geht es an alten Bunkern der Schweizer Armee vorbei
Der Gemeindearbeiter von Stein trocknet nach dem Platzregen die Bänke
Die az-Wanderer trafen im Rehmann-Museum in Laufenburg den Künstler persönlich an
Die Schweine auf dem Hof von Stadtrat Beni Weiss in Laufenburg
Der von Stein offerierte Weisswein wärmt
Die Holzbrücke von Stein bietet Unterschlupf

So verlief die az-Leserwanderung von Laufenburg nach Stein

Ist es wegen der dunklen Wolken, die jederzeit ihre Drohung glaubhaft umsetzen können und es später auch tun werden? Jedenfalls ist das Tempo, das die az-Wandertruppe gestern angeschlagen hat, ziemlich ambitioniert. Derart hochtourig bewegt sich der 115-köpfige Tross von Laufenburg den Rhein entlang in Richtung Stein, dass die Mutter der neunjährigen Naïma des Öfteren zum «Köder» greifen muss, wie sie am Schluss der Etappe in Stein sagt. Der Köder, das sind kleine, wunderbare Bonbons, die jeweils ein kleines Stimmungstief überbrücken helfen.

Auch Singen hilft, dass Naïma wieder in den Wandertrott findet. Die Voraussetzungen sind allerdings auch alles andere als günstig. Neben ihrer älteren Schwester ist Naïma weit und breit das einzige Kind auf der Tour. Und zeitweise regnet es so stark, dass Regenschutz und Schirm nur noch mehr schlecht als recht Schutz bieten. «Ich habe es schon immer gesagt: Das typische Aprilwetter müssen wir irgendeinmal nachholen», sagt eine Wanderin ohne Bitterkeit. Zum Glück schwappt der Rhein nicht über den Uferweg. Doch an einigen Stellen ist die Sicherheitsmarge nicht mehr gross.

Die Gelassenheit des Pensionärs

Mit der Gelassenheit eines Pensionärs wandert der 73-jährige Max Weiss aus Othmarsingen die Etappe. «Der Regen trübt die Weitsicht. Dafür sieht man die nahen Dinge besser.» Wandern gehört zu seinen Leidenschaften. Um seine Gemeinde herum betreut er die offiziellen Wanderwege.

Im Frühling und Herbst läuft Max Weiss die rund 25 Wanderweg-Kilometer seines Gebiets ab, bessert Wegzeichen aus und meldet grössere Schäden. Und einmal im Monat ist er mit Pro Senectute unterwegs. An den az-Wanderungen schätzt Max Weiss das Unbürokratische: «Ich schaue mir am Vorabend die Etappe des nächsten Tages an und entscheide dann spontan. Ich bin froh, braucht es keine Anmeldung.»

Der Rucksack-Dieb

An der heutigen Wanderung hat ihm speziell das Museum Rehmann, das er nicht gekannt hatte, gefallen. Der gelehrte Schlosser hat gestaunt, wie schön der Künstler die Schweissnähte bei seinen Skulpturen hingebracht hat. «Das hätte ich nicht geschafft.»

Ganz tapfer bis zum Schluss in Stein hat Naïma aus Zeiningen durchgehalten. Jetzt braucht sie etwas Kräftiges zur Stärkung, der Köder der Mutter ist ohnehin fast aufgebraucht. Der Plan der Eltern, ins Nachbardorf zur Grossmutter weiterzuwandern, stösst auf heftigen Protest. Dennoch ist das az-Wandern der Familie nicht verleidet. Sie überlegt sich, nächste Woche wieder zu kommen. Sicher am Mittwoch - dem Familientag - werden dann mehr Kinder dabei sein.

Wie dem ältesten Wanderer des Tages hat auch der jüngsten Teilnehmerin das Museum Rehmann Eindruck gemacht. Und dort vor allem die grosse Akrylglas-Skulptur im Garten und der Reissnagel-Teppich. Der Ausklang, bei Speis und Trank, gespendet von der Gemeinde Stein, ist versöhnlich. Endlich scheint die Sonne wieder. Und der lokale Wein schmeckt offenbar so gut, dass ein Wanderer damit vom Buffet weg gleich seinen Rucksack füllt.

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