Vor dem heutigen 1. Advent sind zahlreiche Weihnachtsbeleuchtungen eingeschaltet worden. Stimmungsvolle Rahmenprogramme wie das «Liechterwecke» in Baden am Mittwoch und das Night-Shopping in Aarau am Freitag begleiteten die Inbetriebnahme von Abertausenden Lämpchen.

Warm soll es strahlen, das Kunstlicht in der dunklen Jahreszeit. Ideal sind Glühbirnen, doch deren Verkauf wird nach und nach verboten. In der Schweiz und der EU sind seit kurzem nur noch Birnen mit weniger als 60 Watt Leistung erhältlich, ab 1. September 2012 gar keine mehr. Erlaubt bleibt der Gebrauch von Glühbirnen.

Wie lösen das Problem all jene Gemeinden, die das Label Energiestadt tragen, also mindestens die Hälfte eines vorgeschriebenen Massnahmenpakets in Sachen Nachhaltigkeit umsetzen? Wie vorbildlich sind die 22 Aargauer Gemeinden, die derzeit auf der Website des Vereins Energiestadt geführt werden? «Der Sonntag» befragte die jeweiligen Energiestadt-Kontaktpersonen.

83 Prozent Energie gespart

Beispiel Aarau: Hier sind noch 1250 Glühbirnen à 15 Watt im Einsatz – und bereits 1950 LED-Leuchten. «Der schrittweise Ersatz wird geprüft», schreibt Barbara Horlacher von der Umweltfachstelle. Während die Vordere Vorstadt und der Rain noch warten müssen, sind die 33 Sterne in der Altstadt soeben modernisiert worden. Die Energieeinsparung wird auf 83 Prozent oder 16000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr geschätzt. Die gesamte Weihnachtsbeleuchtung in Aarau verbraucht 29400kWh, wobei 7800kWh herkömmliche öffentliche Beleuchtung kompensiert werden können.

Die drei städtischen Weihnachtsbäume bleiben mit Glühbirnen behangen – «wegen der hohen Diebstahlgefahr», so Horlacher. LED (Licht emittierende Diode) ist zwar viel effizienter, robuster und langlebiger, aber auch viel teurer. Dafür deckt die Energiestadt Aarau den gesamten Stromverbrauch für städtische Gebäude und die öffentliche Beleuchtung mit Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien.

«Sehr feuchtigkeitsempfindliche» Leuchtmittel

Investition mit «Vorbildfunktion»,so bezeichnet der Präsident der Energiekommission Stein, Hugo Sacher, die brandneue LED-Weihnachtsbeleuchtung. Gegenüber der ausgedienten Beleuchtung könnten rund 80 Prozent der Kosten eingespart werden. Der Stromverbrauch für die ganze Strassenbeleuchtung, die in den Nachtstunden gedimmt werden kann, reduziert sich um 40 Prozent.

In Seon sind laut Gemeindeammann Heinz Bürki 95 Prozent der Weihnachtsbeleuchtung auf LED umgerüstet. In Bad Zurzach hingegen werden noch grösstenteils Glühbirnen eingesetzt, wie der Leiter Technische Dienste, Roland Kaufmann, schreibt. Versuche mit LED an einzelnen Sternen hätten nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt, weil das Leuchtmittel «sehr feuchtigkeitsempfindlich» sei.

Derzeit versuche man, die Sterne abzudichten. «Es ist in der Tat so, dass das Thema Weihnachtsbeleuchtung ein Spannungsfeld in der Energiepolitik darstellt», so Kaufmann weiter, der verspricht: «In den nächsten ein bis zwei Jahren wird die komplette Weihnachtsbeleuchtung ersetzt».

Auf Wunsch der Bevölkerung abgeschaltet

Andere Energiestädte üben sich in Bescheidenheit. Bis auf fünf Weihnachtsbäume verzichte Lengnau «bewusst» auf eine Beleuchtung, so Gemeindeschreiber Anselm Rohner. Untersiggenthal hat lediglich eine von Glühbirnen «beleuchtete Tanne vor dem Gemeindehaus», dessen zusätzlicher Stromverbrauch Urs Zumsteg von der Abteilung Bau und Planung als «marginal» bezeichnet.

Und in Spreitenbach wird die LED-Weihnachtsbeleuchtung mit den Strassenlampen um 23 Uhr ausgeschaltet, bis auf die Nächte des Weihnachtsmarkts und der Mitternachtsmesse an Weihnachten. Dies auf Wunsch der Bevölkerung, so Gemeindeammann Josef Bütler.

Die meisten Befragten weisen ausdrücklich auf den Sinn einer Weihnachtsbeleuchtung hin: Sie sei, so Bütler, «nicht nur technisch zu betrachten», sondern schaffe «ein Zusammengehörigkeitsgefühl». Und Vizeammann Meinrad Kuhn schreibt über die 37 LED-Lichter in Mägenwil: «Die Freude an der Beleuchtung ist allemal den Stromverbrauch wert. Energiesparen allein macht nicht glücklich!»