Überfall

Wie sicher sind unsere Spitäler?

In der Hirslanden-Klinik in Zürich hat ein bewaffneter Mann gestern Abend das Spitalpersonal bedroht.

In der Hirslanden-Klinik in Zürich hat ein bewaffneter Mann gestern Abend das Spitalpersonal bedroht.

In der Zürcher Hirslanden-Klinik konnte das Spitalpersonal einen bewaffneten Drogenräuber nur knapp stoppen. Bedenklich: Wie eine Umfrage zeigt, sind die Sicherheitsstandards in den Spitälern höchst unterschiedlich.

Es ist die Horrorvorstellung jedes Patienten: Ein bewaffneter Mann schleicht durch das Spital auf der Suche nach Drogen, die Polizei stürmt das eigene Zimmer, um ihn aufzuspüren.

Nach dem Vorfall in der Klinik Hirslanden in Zürich stellt sich die Frage: Sind unsere Spitäler sicher genug? Denn egal ob Privatklinik oder öffentliches Spital - alle sind für ihre Sicherheit selbst verantwortlich.

Eigener Sicherheitsbeauftragter

«Bei uns wäre der Mann erst gar nicht ins Spital reingekommen», sagt Markus Regenass, Sicherheitsbeauftragter beim Kantonsspital Liestal. Denn das Schliesskonzept des Spitals sieht vor, dass ab 20 Uhr alle Türen zu sind und von externen Security überwacht werden. «Der einzig öffentlich zugängliche Eingang ist um diese Zeit die Notfallstation und von dort aus ist es ebenfalls nicht möglich ins Hauptgebäude einzudringen», so Regenass. Früher hätte man einfach überall durchlaufen können.

Der Sicherheitsbeauftragte ist seit rund vier Jahren für das Kantonspital im Einsatz. «Seither haben wir das Sicherheitskonzept fortlaufend ausgebaut.» So wurde beispielsweise in der Notaufnahme ein Schalter installiert, der das Arztpersonal im Notfall drücken kann, so dass ein Alarm an die Polizei weiterleitet wird.

Zudem sollen künftig sämtliche der über 7000 Spitaltüren durch Videokameras überwacht werden. «Solche Massnahmen sind nötig, weil es bei uns auch schon Einbrüche gab», erklärt Regenass.

Nur mit Badge zu den Neugeborenen

Auch das Kantonsspital Aarau verfügt über ein eigenes Sicherheitskonzept. «Ein wichtiger Bestandteil davon ist ein Team von Sicherheitsfachleuten, das 24 Stunden im Einsatz steht und erste Ansprechperson für Mitarbeitende und Patienten ist», sagt Sprecherin Helen Winkler.

Der Zutritt zu den über 40 Gebäuden des Spitals sei vor allem in der Nacht nur beschränkt möglich und einzelne Bereiche seien auch tagsüber nur eingeschränkt zugänglich.

Doch nicht überall sind Sicherheitsbeauftragte vor Ort. «Bei all unseren unseren Standorten der Solothurner Spitäler AG kommt im Notfall das Dispositiv für besondere Lagen zum Einsatz, das sich aus Mitgliedern der Klinikleitung und weiteren geschulten Mitarbeitern zusammensetzt», sagt Medienverantwortlicher Eric Send.

Wie genau das Sicherheitsdispositiv greife, will man nicht bekanntgeben. Klar ist: «Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen, das Telefon an die Polizei ist in einem solchen Fall die erste Handlung, bevor ein Dispositiv zum Tragen kommt.»

Während den Besuchszeiten sei es kaum möglich, dass jemand unbemerkt in eine Abteilung laufen könne. «Die sensiblen Behandlungstrakte wie etwa der Operationssaal und das Kinderzimmer sind durch einen Badge-Zutritt geschützt», so Send. Ausserdem seien seit der Euro 08 Securitas-Mitarbeiter in den Notaufnahmen positioniert, die gegebenenfalls eingreifen könnten.

Regelmässig überprüft

Ähnlich klingt es beim Inselspital Bern: «Unser Sicherheitsdispositiv basiert auf der engen Zusammenarbeit mit der Polizei. Es wird regelmässig überprüft und wenn nötig angepasst», sagt Markus Hächler.

Ein Vorfall wie in Zürich sei zum Glück selten. «Wir haben es weniger mit Kriminellen zu tun, sondern eher mit Notfall-Patienten, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ausrasten.»

Auch bei der Hirslandenklinik spricht man von einem mehrstufigen Sicherheitspositiv, das immer wieder überarbeitet werde. «Beim aktuellen Vorfall haben wir gesehen, dass unser speziell geschultes Team professionell, sehr schnell und richtig reagiert hat», sagt Sprecherin Alenka Ambroz.

Trotzdem: Vom Mann, der sich gestern Abend bewaffnet Zutritt in die Klinik Hirslanden verschafft hat und Morphin verlangte, fehlt immer noch jede Spur. Und obwohl die Klinik Überwachungskameras hat, ist der Unbekannte auf keiner Aufnahme abgebildet. Ambroz: «Wir werden dies sicher überprüfen.»

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