AKW Beznau
Wie sauber ist das Uran von Axpo?

AKW-Gegener kritisieren die Axpo, weil sie offenbar Brennstäbe aus der verseuchten Atomanlage im russischen Majak einsetzt. Die Axpo will die Vorwürfe überprüfen.

Hans Lüthi
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Die Axpo wirbt gerne mit ihrem sauberen, weil fast CO-freien Strom aus den Atomkraftwerken, vor allem aus dem eigenen am Standort Beznau in Döttingen. An der sauberen Weste hafte einiger Schmutz, behaupten die AKW-Gegner von Greenpeace. Konkret werfen sie der Axpo vor, sie setze auch wiederaufbereitetes Uran aus der Anlage im russischen Majak ein. Dort ist die Gegend seit einer Explosion vor über 50 Jahren grossräumig radioaktiv verseucht. Gemäss Vorwürfen von Greenpeace geht die Anlage auch heute noch unsorgfältig bis fahrlässig mit dem radioaktiven Material um.

Bezug vom Lieferanten Areva

Die Frage an die Axpo, warum sie überhaupt aus so fragwürdigen Quellen Brennstäbe beziehe, beantwortet Mediensprecherin Anahid Rickmann schriftlich so: «Die Axpo bezieht das im Kernkraftwerk Beznau verwendete wiederaufbereitete Uran nicht direkt von einer Wiederaufbereitungsanlage, sondern vom Brennstofflieferanten Areva.» Dieser wiederum lasse die Brennstäbe von einem russischen Unterlieferanten fertigen, der Uran aus diversen Anlagen beziehe, darunter sei auch Majak. «Wir prüfen diese Verträge», verspricht die Axpo, aber bei der Lieferkette über diverse Unternehmen und Staaten sei das ein Prozess, der einige Zeit beanspruche. «Wir wollen zuerst volle Klarheit, dann werden wir entscheiden.» Falls die beteiligten Wiederaufarbeitungsanlagen internationale Umweltstandards nicht einhalten sollten, «wird die Axpo über Konsequenzen befinden müssen», schreibt Rickmann.

Konflikt mit Umwelt-Deklaration

Für die Axpo steht ein grosses Stück Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, sie selber schreibt: «Wir haben als erster KKW-Betreiber begonnen, Transparenz über die gesamte Lieferkette zu schaffen.» Diese Selbstdeklaration zur Nachhaltigkeit bedeute, «dass alle an der Lieferkette beteiligten Unternehmen internationale Umwelt- und Qualitätsstandards zum Schutz der Mitarbeiter, der Bevölkerung und der Umwelt einhalten». Majak-Brennelemente wurden zwischen 2004 und 2010 in der Beznau eingesetzt, sie werden während 6 Jahreszyklen im Reaktorkern Energie erzeugen. Ein weiterer Vertrag mit Areva läuft laut Axpo bis zum Jahr 2020.

Regierung will volle Transparenz

Der Aargau erwarte, wie die anderen Aktionäre auch, dass die Axpo die Energie nachhaltig produziere und die nötige Transparenz schaffe, antwortet Landammann und Baudirektor Peter C. Beyeler auf eine entsprechende Frage. Die Argumentation des Kantons ist auffallend ähnlich wie jene des Stromkonzerns selber. Zu den Konsequenzen heisst es wörtlich: «Der Regierungsrat besteht darauf, dass in allen Bereichen unserer Gesellschaft die Umweltvorgaben strikt einzuhalten sind.» Die Anstrengungen der Axpo für volle Transparenz seien zu begrüssen, die Kriterien der Nachhaltigkeit müssten konsequent angewendet werden. Und zur Sauberkeit: «Strom aus Kernkraftwerken ist sauber, denn sie stossen bei der Produktion kein CO aus – ausser einer beschränkten Menge in den vor- und nachgelagerten Prozessen», so die Sicht der Regierung.

Aktionär Aargau mitbetroffen

In seiner Interpellation schreibt Grossrat Beat Flach (GLP, Auenstein), Majak sei neben Tschernobyl «der verstrahlteste Ort der Welt». Die Axpo rede gerne von sauberem Strom. Wer aber zu den Bezügern von Majak gehöre, trage «eine Mitverantwortung für das Elend in dieser Region». Das Problem betreffe den Kanton Aargau ganz konkret, weil er mit seinen 28 Prozent Anteil an der Axpo (je 14% Kanton und AEW) zu den Hauptaktionären gehöre. Entsprechend kritische Fragen stellt Flach der Regierung und fordert eine umfassende Information und allenfalls eine fristlose Auflösung der Verträge. Zudem müsse die Herkunft des Brennmaterials offengelegt werden.

Per Auftrag fordert die Fraktion der Grünen vom Regierungsrat einen lückenlosen Bericht über das Uran aus Majak und die Folgen für Menschen und Umwelt. Die Regierung solle die Axpo dazu bewegen, «die Verträge mit den russischen Lieferanten fristlos aufzulösen». In der Begründung schreiben die Grünen, die Kantone dürften nicht ungestraft die «schmutzigen Tatsachen verschweigen» und mit dem Slogan «sauberer Atomstrom» werben. Der Auftrag ist ausser von den Grünen auch von den Fraktionen der SP, GLP und EVP unterzeichnet worden.

Russische Atombombe aus Majak

Die Kernanlage Majak, 1500 Kilometer östlich von Moskau, hat einen fast so schlechten Ruf wie Tschernobyl. Die Russen entwickelten hier ab 1945 ihre ersten Atomwaffen. Wegen einer chemischen Reaktion explodierte am 29. September 1957 ein 250 Kubikmeter grosser Tank. Grosse Mengen radioaktiver Stoffe wurden in die Atmosphäre geschleudert. Durch die schlimmste Atomkatastrophe vor Tschernobyl wurden die Gewässer verseucht, 13000 Menschen mussten umgesiedelt werden. Während Jahrzehnten hielten die Russen den Unfall geheim. Auf dem Gelände waren bis zu zehn Kernreaktoren in Betrieb, seit 1991 nur noch zwei für medizinische, militärische und Forschungszwecke. Zudem gibt es in Majak heute eine Anlage zur Wiederaufarbeitung von Brennstäben und ein Lager für radioaktive Abfälle.