Babysitter-Portal
Wie gefährlich sind Babysitter-Vermittlungen im Internet?

Der 31-jährige Pablo S. fand sein 14-jähriges Opfer auf einem Babysitter-Portal, chattete mit ihr über Wochen und entführte sie beim ersten Treffen. Hätte dieser Missbrauchsfall verhindert werden können?

Lea Durrer
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AZ

Der Fall um die Entführung und Vergewaltigung des 14-jährigen Mädchens hat die ganze Schweiz aufgeschreckt. Recherchen der az zeigen, dass Babysitter-Portale wie Pilze aus dem Boden schiessen.

Auf den Vermittlungs-Seiten im Netz preisen sich fast ausschliesslich Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren als Babysitter an. Sie präsentieren sich mit Foto, geben oft sogar ihre Kontaktdaten bekannt.

Warum dieser sorglose Umgang mit intimsten Informationen? «Babysitting ist ein sehr persönliches Thema», sagt Ronny Bollhalder, Inhaber von «betreut24.ch». Sympathie spiele da eine grosse Rolle. Bollhalder weiss: Ein Profil mit Foto wird mindestens doppelt bis dreifach so oft angeklickt. Dennoch sei es natürlich jedem User selbst überlassen, ob er ein Bild veröffentlichen will oder nicht.

Nicht nur im Internet ein Problem

«Da hat jemand dieses System ausgenutzt», sagt Sandro Principe zum aktuellen Missbrauchsfall in Wohlen. Dem Geschäftsführer von «babysitter24.ch», Marktführer im Segment der Hütedienst-Plattformen der Schweiz, ist es wichtig, die Problematik nicht nur auf Internetplattformen zu reduzieren. «Missbrauch hat an sich nichts mit der Art der Vermittlung zu tun.» Solche Fälle könnten überall passieren. «Auch wenn eine junge Frau auf ein Zeitungsinserat antwortet.» Nebst den seltenen Fällen, die negativ auffallen, würden die positiven Vermittlungen überwiegen, sagt Principe.

Übergriff beim ersten Treffen

Davon ist auch der Betreiber der Plattform «betreut24.ch» überzeugt. Ronny Bollhalder überprüft laut eigenen Angaben die Beiträge und E-Mails jeden Tag. «Bis heute gab es keine einzige dubiose Anfrage.»

Das Problem dabei: Die schwarzen Schafe im Netz outen sich nicht bereits im E-Mail mit ihren missbräuchlichen Absichten. «Womöglich hat der Täter ja seriöse Anfragen verschickt.» Normalerweise kommt es erst bei einem Treffen zum Übergriff. Und dies könnten die Plattformen nicht auch noch überwachen. Auch die Mädchen zu begleiten komme nicht in Frage.

Mailverkehr prüfen

Der Geschäftsführer appelliert an die Eltern, doch mehr Nachforschungen anzustellen: «Ich als verantwortungsbewusste Vater, würde wissen wollen, wo meine Tochter nachts arbeiten geht.» Auf seinem Portal selbst will Bollhalder aber höchstmögliche Sicherheit schaffen.

«Wir wissen, wer, wo, wie auf unsere Plattform zugreift», sagt auch Sandro Principe von «babysitter24.ch». «Es ist schon sehr gefährlich, sich auf unserer Plattform unrühmlich zu benehmen.»

Einzelne Missbrauchsfälle

Trotz Sicherheitsvorkehrungen könnten Missbräuche - oder der Missbrauchsversuch - nicht vollständig gebannt werden. So sei es in der Vergangenheit schon zu einigen Vorfällen gekommen. «Jemand hat sich als Elternteil ausgegeben, obwohl diese Person gar kein Kind hatte», erzählt Sandro Principe. In jedem Fall konnten die verdächtigen Personen jedoch dank der Sicherheitsvorkehrungen identifiziert werden.

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