Austausch

Wie ein Urpferd, die Demokratie in der Mongolei und Aarau zusammenhängen

Andreas Auer (Leiter des Zentrums für Demokratie), Dashjamts Battulga (Stabschef des mongolischen Präsidenten) und Thomas Pfisterer gestern in Aarau.  Emanuel Freudiger

Andreas Auer (Leiter des Zentrums für Demokratie), Dashjamts Battulga (Stabschef des mongolischen Präsidenten) und Thomas Pfisterer gestern in Aarau. Emanuel Freudiger

Die Kontakte zwischen der mongolischen Regierung und dem Aargau werden weiter vertieft. Erneut informierte sich eine Delegation aus der Mongolei in Aarau über das schweizerische Polit-System.

Nach dem Besuch von Präsident Tsakhia Elbegdorj in Aarau von Ende Januar war gestern erneut eine Delegation mit Regierungsvertretern und Funktionären von Nichtregierungsorganisationen im Zentrum für Demokratie in Aarau zu Gast, um sich über das schweizerische System der direkten Demokratie und des Föderalismus zu informieren.

«Gebt die Macht zurück an das Volk» heisst der Slogan des mongolischen Präsidenten. Dass er sich dabei besonders für das Beispiel der Schweiz mit ihren föderalistischen Strukturen und speziell für den Aargau beziehungsweise das in Aarau beheimatete Zentrum für Demokratie interessiert, hat neben dem naheliegenden Zusammenhang mit der direkten helvetischen Demokratie mit einem Naturschutzprojekt zu tun.

Wiederansiedlung von Wildpferden

Am Anfang der Beziehungen zwischen Ulan-Bator und Aarau stand das Engagement des ehemaligen Stände- und Regierungsrats Thomas Pfisterer für die Wiederansiedlung von Wildpferden in ihrer ursprünglichen mongolischen Heimat. Nach seinem Ausscheiden aus dem Ständerat übernahm Thomas Pfisterer das Präsidium der International Takhi Group.

Die Organisation widmet sich dem Wiederaufbau des Takhi-Bestandes im Nationalpark Gobi B in der Mongolei. Sie tut dies mit einem Auftrag des mongolischen Staats, eben wurde anlässlich des Besuchs von Präsident Elbegdorj der Vertrag dafür erneuert. Der Präsident sei sehr interessiert an dem Projekt, erzählt Thomas Pfisterer.

Und so habe sich in verschiedenen Gesprächen eine Verknüpfung zwischen dem Naturschutzprojekt und dem Vorantreiben der Demokratisierung des Staatswesens ergeben. Es war Pfisterer, der den «Staatsbesuch» aus der Mongolei Ende Januar eingefädelt hat.

Das in seiner Heimat ausgerottete Urpferd Takhi könnte damit, wer weiss, nicht nur wieder zum sichtbarsten Wahrzeichen des Lebensraums Gobi werden wie der Steinbock für die Alpen, sondern geradezu zum Symbol der weiter voranzutreibenden Demokratisierung der ehemals kommunistischen Mongolei. «Das Naturschutzprojekt muss von unten getragen sein», so Thomas Pfisterer. Man habe mit dem Team der 12 Ranger im Nationalpark einen Managementplan ausgearbeitet.

Es gehe darum, mit der lokalen Bevölkerung sowie den lokalen und regionalen Behörden zusammenzuarbeiten, sie für die Umsetzung des Projekts zu gewinnen und auch neue Einkommensmöglichkeiten für die Nomaden im Naturparkbereich zu schaffen. Die Umsetzung des Plans zur Wiederansiedlung des Urpferds Takhi sei also Beispiel eines demokratischen, von unten her organisierten Prozesses.

Konferenz mit lokalen Behörden

Dafür haben Thomas Pfisterer und seine International Takhi Group inzwischen auch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit gewonnen. Sie organisiert im Juni im Nationalpark-Camp in der Mongolei eine Konferenz mit den lokalen Behörden und Interessenorganisationen, um sie mit den Plänen des Projekts vertraut zu machen.

Die Delegation aus mongolischen Regierungskreisen tourt derweil noch bis zum Freitag durch die Schweiz. Nach der theoretischen Einführung im Zentrum für Demokratie von gestern stehen Besuche von verschiedenen Institutionen, Behörden und Stadtparlamenten auf dem Programm.

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