Jura Cement
Wider den Amtsschimmel: Bohren ohne Bewilligung?

In der Sache Steinbruch Jura Cement schreibt der Kanton ein neues Verfahren aus. Das Gesuch läuft allerdings schon seit 10 Jahren. Dies, weil vier betroffene Gemeinden sich mit Händen und Füssen wehren.

Hans Lüthi
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Das Projekt verschiebt Berge, präziser: es will solche abbauen, konkret: 20 Millionen Kubikmeter Kalkstein und Mergel in 80 Jahren. Noch hat die Jura Cement in Wildegg Rohmaterial bis etwa ins Jahr 2025. Weil die Verfahren für einen derart riesigen Steinbruch fast endlos dauern, läuft das Gesuch der Zementfabrik seit rund 10 Jahren.

Die von den drei Standorten Hard, Grund und Homberg betroffenen vier Gemeinden Thalheim, Schinznach Dorf sowie Effingen und Unterbözberg wehren sich mit Händen und Füssen gegen die Ausbeutung ihrer Hausberge in zum Teil geschützten Landschaften.

Streit um eine Probebohrung

Die Aargauer Regierung hat schon im Jahr 2003 Probebohrungen bewilligt, denn die Zementfabrik muss zuerst abklären, ob Kalkstein und Mergel in genügender Mächtigkeit vorhanden sind. Bisher ist auf dem Rechtsweg jede Probebohrung verhindert worden. «Jetzt ist ein neues Verfahren ausgeschrieben», bestätigt Kantonalplaner Jörg Hartmann, Leiter Raumentwicklung im BVU. Darin wird festgehalten, es brauche für solche Bohrungen keine Bewilligung für den Bau, die Rodungen und die Beanspruchung des Waldes.

Während der Auflagefrist vom 8. März bis zum 6. April «besteht die Möglichkeit zur Beschwerde», betont Hartmann. Er rechnet damit, die Grundhof AG in Effingen – ein Bauernhof der Familie Suhner – werde wohl bis vor Bundesgericht gehen.

Der Brugger Unternehmer Otto H. Suhner ist Präsident des Vereins Pro Bözberg, der ebenfalls gegen den Steinbruch kämpft, aber nicht zu Beschwerden legitimiert ist. Bis zu zwei Jahren wird auch das jüngste Verfahren dauern. Hartmann ist überzeugt, das Bundesgericht komme auch zum Schluss, Bewilligungen seien unnötig.

Enteignung schon rechtskräftig

Sollte es wider Erwarten des Kantons doch Bau- und Rodungsbewilligungen brauchen, müssten entsprechende Gesuche öffentlich aufgelegt werden. «Die befristete Enteignung der Waldbesitzer in den Gebieten Grund und Homberg ist rechtskräftig geklärt», versichert Hartmann.

Bevor es aber grünes Licht für die vier Bohrungen gibt, «muss die Schätzungskommission noch einige Unterpunkte klären» – wie die Entschädigung.

Zum neuen Gebiet Bäumer am Fuss der Gisliflue als Steinbruch-Standort können die tangierten Gemeinden Auenstein, Oberflachs und Veltheim bis April Stellung nehmen.