Nass und kalt
Bienenhonig: Das schlechte Wetter bringt Totalausfall – so erlebt es Hobby-Imker Guhl

Der Frühling war nasskalt. Die Bienen konnten kaum ausfliegen. Entsprechend gibt es insgesamt im Mittelland praktisch nichts an Honig zu ernten. Etwas Weniges gibt es immerhin in einzelnen Regionen, etwa beim «Imker der Nation», Bernhard Guhl.

Mathias Küng
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Der Imker und frühere BDP-Nationalrat Bernhard Guhl aus Niederrohrdorf am Donnerstag vor einem Bienenvolk in Windisch, das nur wenig Futterreserven hat.

Der Imker und frühere BDP-Nationalrat Bernhard Guhl aus Niederrohrdorf am Donnerstag vor einem Bienenvolk in Windisch, das nur wenig Futterreserven hat.

Fabio Baranzini

«Im Mittelland erlebten wir Imkerinnen und Imker beim Frühlingshonig dieses Jahr insgesamt einen Totalausfall, wobei es natürlich regional unterschiedlich sein kann. Beim Honig, der Ende Juli geerntet wird, befürchten wir dasselbe. Da wird es voraussichtlich keinen Honig zum Schleudern geben.» Dies sagt Andreas König, Präsident des Verbandes Aargauischer Bienenzüchtervereine.

Das Wetter war im Frühling so nass und kalt, dass die Bienen fast nicht fliegen konnten. König: «Im Frühling und jetzt im Sommer trafen die Schlechtwetterphasen die Bienen genau da, wo sie besonders viel Nahrung hätten finden können.» Jetzt müssten sie Überschuss produzieren können. Schlecht für Bienen wäre allerdings auch, wenn es durchgehend heiss und trocken wäre, denn, so König: «Dann können die Pflanzen nur wenig Nektar produzieren.»

Andreas König, Präsident des Verbands der Aargauischen Bienenzüchtervereine vor Bienenstöcken in seinem Garten, aufgenommen 2017.

Andreas König, Präsident des Verbands der Aargauischen Bienenzüchtervereine vor Bienenstöcken in seinem Garten, aufgenommen 2017.

Chris Iseli

Was geschieht mit den Bienenvölkern, wenn es wettermässig so schlecht weitergeht? Mangel an Futter habe für alle Tiere gesundheitliche Auswirkungen, schickt König voraus, schlechtes Wetter bedeute Stress für die Bienen: «Dann ist es die Aufgabe der Imkerinnen und Imker, zu den Tieren zu schauen und sie bei Bedarf zu füttern, damit sie nicht hungern.»

Gefüttert werden die Bienen mit Zuckerwasser, ihren Eiweissbedarf könne man aber nicht ersetzen. Den müssen sie sich selbst holen, sagt der oberste Aargauer Imker. Angst, dass Völker deshalb sterben, hat König nicht, «denn unsere Imkerinnen und Imker schauen hervorragend zu ihren Völkern, damit sie keinen Schaden nehmen».

Derzeit wertvolle Nahrung für eine Biene. Sie labt sich an Klee.

Derzeit wertvolle Nahrung für eine Biene. Sie labt sich an Klee.

Fabio Baranzini

Volkswirtschaftlicher Nutzen von 15 Millionen Franken jährlich

Frustrierend sei es aber schon, wenn man so viel Arbeit in dieses Hobby stecke, und wie in diesem Jahr praktisch nichts an Honig dabei herausschaue, seufzt König. Allerdings machen die Imker das auch nicht des Ertrags wegen: «Wir machen das freiwillig und unentgeltlich, auch wenn es manchmal ein Minusgeschäft ist.» Die Imkerinnen und Imker richtet in solchen Situationen auf, dass jedes Bienenvolk im Jahr durch seine Bestäubungsleistung für Bauern und Gartenbesitzer einen Nutzen von 1250 Franken erbringe. Hochgerechnet auf 12 000 Bienenvölker im Aargau ist das ein volkswirtschaftlicher Nutzen von stolzen 15 Millionen Franken.

Bernhard Guhl schätzt den Ausfall auf 75 bis 80 Prozent

Der wohl bekannteste Schweizer Imker und frühere BDP-Nationalrat Bernhard Guhl aus Niederrohrdorf erlebt ebenfalls, «dass die Frühlingsblüten-Honigernte noch nie so schlecht ausfiel wie jetzt». Und Guhl imkert seit 15 Jahren auf dem Lindhof Windisch. Der Grund für den – nach Guhls Schätzung in seinen 18 Bienenvölkern – Ausfall von 75 bis 80 Prozent liegt darin, dass die Bienen an den vielen nasskalten Tagen keinen Nektar sammeln konnten. Wetterbedingt konnten sie nur wenig ausfliegen. Zudem öffneten sich bei schlechtem Wetter viele Blüten nicht.

Grösser könnte der Kontrast zu 2020 nicht sein. Guhl: «Letztes Jahr hatte ich eine Rekordernte mit bis über 30 Kilogramm Honigertrag pro Bienenvolk.» All seine Bienenvölker hatten den letzten Winter gut überstanden, können bei dem nasskalten Wetter jedoch kaum Futter eintragen. Einzelne Bienenvölker musste Guhl mit Futterwaben unterstützen, damit sie nicht verhungern: «Mitte Juni besteht jeweils die Höchstzahl von Bienen in den Völkern, dann brauchen sie extrem viel Futter. Wenn es zu wenig davon gibt, vertilgen sie als Erstes den eigenen Honig, oder werfen später teilweise gar die Brut raus.»

Bernhard Guhl vor einem Bienenwagen.

Bernhard Guhl vor einem Bienenwagen.

Fabio Baranzini

Die Ernte des Frühlingshonigs erfolgt jeweils im Mai. Diesmal fällt sie buchstäblich ins Wasser. Ende Juli wird jeweils der Waldhonig geerntet. Auch da ist Guhl wie Kantonalpräsident König wenig zuversichtlich: «Ich hoffe natürlich auf besseres Wetter, aber es dürfte wieder wenig Honig geben. Auch, weil wir zwischenzeitlich einige Platzregen erlebt haben. Dabei werden zahllose Blattläuse von Blättern heruntergewaschen, welche die Bienen dann auch nicht melken können.»

Ende Juli erste Behandlung gegen Varroamilben

Guhl wird auch nicht zu lange zuwarten können, denn um die Anzahl Varroamilben in den Bienenvölkern zu reduzieren, muss er nach gut imkerlicher Praxis Ende Juli eine erste Behandlung mit Ameisensäure einleiten. Ernten muss man vorher, damit die Säuredämpfe nicht in den Honig gelangen. Bei der Behandlung der Bienen mit Ameisensäure fallen die Varroamilben ab, welche wie Zecken die Bienen anbeissen. Guhl: «Ohne die Behandlung würden unsere Bienenvölker nicht lange überleben.»

Ein Geschäft ist die Imkerei nicht, sondern ein Hobby. Dieses Jahr gilt das also ganz besonders, denn die Auslagen dafür haben die Imkerinnen und Imker so oder so. Guhl: «Es ist ein dankbares Hobby. Wir machen das nicht, um Geld zu verdienen, sondern aus Freude an den Bienen, als Ausgleich zum Arbeitsalltag, um etwas für die Natur zu tun und um die Landwirtschaft zu unterstützen.»