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Wie wir die Daten der zugelassenen Fahrzeuge in der Schweiz ausgewertet haben

Rund 4,7 Millionen Personenwagen sind in der Schweiz registriert. Zu jedem gibt es eine Fülle von Daten. So haben wir diese analysiert.

Stefan Trachsel
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Am Anfang stand die Frage: Welche Automarken und welche Automodelle sind in jeder Gemeinde die beliebtesten?

Um das herauszufinden, nutzten wir einen Datensatz aller in der Schweiz registrierten Fahrzeuge, der beim Bundesamt für Strassen verfügbar ist. Die Daten sind kostenpflichtig und dürften nur unter Auflagen genutzt werden. Beispielsweise muss der Datenschutz gewährleistet sein: Einzelne Fahrzeug und Fahrzeughalter dürfen nicht identifizierbar sein.

Die Daten, die wir ausgewertet haben, datieren von Anfang Mai 2021 und stellen demzufolge eine Momentaufnahme dar. Um die Auswertungen vorzunehmen, beispielsweise für den Aargau, die Ostschweiz oder Solothurn, war es nötig, den Datensatz zu bereinigen. Folgendermassen sind wir dabei vorgegangen:

Bereinigung der Gemeindeangaben

In den Daten ist verzeichnet, in welchem Postleitzahlgebiet sich der Halter eines Fahrzeugs befindet. Das Bundesamt für Strassen teilt diese Angabe bereits einer Gemeinde zu, wobei das Amt selbst angibt, dass diese Zuteilung zwar mehrheitlich, aber nicht in 100 Prozent der Fälle eindeutig möglich ist.

Im Datensatz sind Gemeinden verzeichnet, die nicht mehr existieren, beispielsweise weil sie fusioniert wurden. Mithilfe eines Tools des Bundesamts für Statistik teilten wir alle diese aufgehobenen Gemeinden ihrer heutigen Nachfolgegemeinde zu. Der Gemeindestand ist somit Mai 2021.

Ausgeschlossen wurden im Stadium der räumlichen Zuteilung alle Fahrzeuge, die im Fürstentum Liechtenstein registriert sind (rund 28'000) sowie solche, denen keine Schweizer Gemeinde zugeordnet werden kann. Im Datensatz gibt es nämlich auch Fahrzeuge, die im Ausland registriert sind. Dadurch fallen weitere rund 30'000 Fahrzeuge aus dem Datensatz.

Zu berücksichtigen gilt es, dass Fahrzeuge nicht zwingend am Wohnort ihres Besitzers registriert sind. Firmenfahrzeuge sind beispielsweise am Firmensitz immatrikuliert.

Bereinigung der Marken- und Modellangaben

Da die Dateneingabe nicht standardisiert ist, haben sich darin Inkonsistenzen und mutmassliche Fehler eingeschlichen. Für unseren Zweck, die Analyse der Automarken und Automodelle, fielen solche Unzulänglichkeiten vor allem bei Modellbezeichnungen ins Gewicht. Diese unterscheiden sich.

Ein Beispiel: Das derzeit meistverkaufte Auto, der Skoda Octavia, wird je nach Ausführung als «Skoda Octaviac» (rund 10'000 Fahrzeuge), «Skoda Octavia2.0tdi» (2700) oder auch «Skoda Octavia2.0tsi» (2300) geführt. Selbst die Abkürzung "Skoda oct." kommt 2800 Mal vor. Da diese Autos landläufig allesamt als Skoda Octavia aufgefasst werden, haben wir versucht, möglichst viele dieser Untertypen zu einem Typen zusammenzufassen.

Dazu führten wir einen halb manuellen, halb automatisierten Bereinigungsprozess bei den beliebtesten Automodellen durch. Konkret suchten wir für die häufigsten Typen nach Einträgen, die nur wegen einer leichten Abweichung nicht dem gleichen Modelltypen entsprechen. Diese Einträge bereinigten wir. Rund eine halbe Million Fahrzeuge wurden so einem einheitlichen Modelltypen zugeordnet.

Dieser Bereinigungsprozess gewährleistet keine Vollständigkeit. Wir gehen aber davon aus, dass die Daten präziser geworden sind und wir damit eine Auswertung auf Gemeindeebene vornehmen können. Dennoch bleiben die die Zahlen zur Modellhäufigkeit in den Gemeinden Annäherungen.

Auch zum CO2-Ausstoss

Den gleichen Datensatz nutzten wir auch, um im Vorfeld der Abstimmung über das CO2-Gesetz den durchschnittlichen CO2-Ausstoss der Fahrzeuge in der Schweiz zu ermitteln. Artikel dazu sind hier, hier und hier zu finden.

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