Grosser Rat
Werden private Feuerwerke im Kanton bald verboten?

Verschiedene Vorstösse fordern Massnahmen gegen übertriebene August- und Silvesterknallerei. Der Grosse Rat wird am Dienstag darüber befinden. Lesen sie das Wortduell zwischen einem, der für strengere Regeln ist und einem, der dagegen votiert.

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Feuerwerk

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Keystone

Weshalb die Knallerei für Roman Huber, Autor im Ressort Baden, heute eine Landplage ist:

Während 10 Tagen jährlich und immer wieder zwischendurch detoniert - ohne jegliche Vorwarnung - irgendwo in Ihrer Umgebung eine Knallpetarde. Wie würden Sie bei diesem Szenario Ihre persönliche Gefühlslage beschreiben?

Jetzt stellen Sie sich zusätzlich vor, Ihr Gehör wäre rund 9- bis 13-mal empfindlicher als das menschliche. Wer dieses Vorstellungsvermögen hat, kann ungefähr erahnen, wie es einer Katze oder einem Hund in den Tagen rund um den 1. August zumute sein muss. Auch Hühner, Pferde, Kühe, Schafe, Schweine und Ziegen etc. sowie Wildtiere werden bei diesem Lärm in panische Angst versetzt.

Wer mit Tierschutz nichts am Hut hat, soll zumindest bedenken, dass auch viele Menschen jeglichen Alters unter der wilden Knallerei in den Wohnquartieren leiden. Ausserdem werden in der Schweiz durch Feuerwerk jährlich rund 1900 Tonnen an Kohlenmonoxiden, Schwefeldioxiden, Dioxinen, Furanen etc. in die Umwelt gesetzt; wiederholt verursacht Feuerwerk auch Brände und unsachgemässes Hantieren Unfälle. Zugegeben: Ein schönes Feuerwerk einmal jährlich, am Abend des 1.Augustes, an einem schönen Ort hat seinen Reiz. Aber nicht eine pausenlose Knallerei, die sich über mehrere Tage hinzieht und längst eine Landplage geworden ist. Genauso grassiert die Unart, das neue Jahr oder runde Möchtegern-Promi-Geburtstage mit Raketen zu feiern.

Leider hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass unsere masslose Gesellschaft mit vielem nicht mehr umgehen kann. Den Auswüchsen rücksichtsloser Feuerwerks-Knallerei vermögen geltende Gesetze und Verordnungen sowie deren Hüter offensichtlich nicht Einhalt zu gebieten. Auch der Appell an den gesunden Menschenverstand fruchtet nicht mehr. Darum gibt es leider nur eine Lösung: ein Verbot für den Verkauf und das Abfeuern von privatem Feuerwerk. Öffentliche Feuerwerke am 1. August und an grossen Festen sollen einer scharfen Bewilligungspraxis unterliegen und für private Feste nicht erlaubt werden.

Wer einen freudigen Anlass mit Inhalt und Würde feiern will, kann dies stilvoller tun als auf Kosten anderer Lebewesen. Mit einer strikteren Gesetz-Praxis könnte sich der Aargau als fortschrittlicher Kanton profilieren - und ein Hundehalter könnte mit Freunden und Nachbarn 1.August zu Hause feiern, statt in den Schwarzwald fliehen zu müssen.

Weshalb es keine schärferen Regeln braucht, da wir sonst auch gleich noch Konfetti verbieten müssten, erklärt Urs Moser, Leiter des Kantonsressorts:

Ich habe zwar keinen leidenden Hund, aber mich persönlich nervt die Augustraketen-Lärmerei manchmal auch. So wie es mich manchmal auch nervt, zur Fasnachtszeit den Hals voll Papierfötzel zu bekommen und wegen des Gewummers vor dem Schlafzimmerfenster bis in den Morgen nicht schlafen zu können.

Aber deswegen ein Konfetti- und Guggenmusig-Verbot fordern? Das käme wohl niemandem in den Sinn. Es wäre auch absurd, genau wie ein kantonales Verbot von Privatfeuerwerken und/oder des Verkaufs von Feuerwerkskörpern. Ein solches Verbot wäre - man verzeihe den Ausdruck - schlicht und einfach Quatsch.

Aus mehreren Gründen. Es wäre erstens ziemlich lustfeindlich. Wer das will, soll es zwischendurch, zum Beispiel eben an Silvester oder am 1.August, sehr wohl ein bisschen krachen lassen dürfen. Staatlich verordnete Miesepetrigkeit ist nun wirklich so in etwa das Letzte, was wir brauchen.

Ein Feuerwerk-Verbot ist zweitens unnötig. Es gibt bereits genug Vorschriften, Ge- und Verbote, mit denen die Knallerei auf bestimmte Zeiten und ein erträgliches Mass limitiert wird: Nachruhe- und Umweltbestimmungen. Wie gut sie eingehalten werden, steht zwar zugegebenermassen auf einem anderen Blatt. Aber es wäre nun wirklich neu, dass der Vollzug und die Durchsetzung von Gesetzen dadurch verbessert wird, dass man immer mehr neue Gesetze schafft.

Damit sind wir dabei, dass die geforderten Verbote drittens nicht praktikabel sind. Ob es überhaupt verfassungskonform ist, den Handel mit Leuchtraketen, Zuckerstöcken und Böllern im kantonalen Alleingang auf Aargauer Hoheitsgebiet zu untersagen, wäre erst noch zu klären. Mit Sicherheit aber würden eingefleischte Pyrophile auch den Weg nach Zürich, Basel oder Luzern auf sich nehmen, um sich mit den Objekten ihrer Begierde einzudecken. Sollen wir sie alle beim Grenzübertritt filzen?

Schliesslich, und das ist wohl das Wichtigste: Wir sollten generell damit aufhören, für jedes Problem des Zusammenlebens das Heil in staatlichen Regelwerken zu suchen. Ob nun übertriebene August- und Silvesterknallerei oder Besäufnisse in aller Öffentlichkeit: Wer gesunden Menschenverstand und Anstand vermissen lässt, der hält sich in der Regel eh nur an das eine Gebot: Du sollst dich nicht erwischen lassen.