Wiliberg
Wer in Wiliberg wohnt, ist im Funkloch zu Hause

Wiliberg hat vieles. Eine Langlauf-Loipe, eine Wetterstation und den SVP-Kantonalpräsidenten als Einwohner. Was den 160 Wilibergern fehlt: eine anständige Internetverbindung und Handyempfang. Die Swisscom macht nur zögerlich vorwärts.

Aline Wüst
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«Kein Netz», das meldet das Mobiltelefon in Wiliberg oft. Patricia Schoch

«Kein Netz», das meldet das Mobiltelefon in Wiliberg oft. Patricia Schoch

Manchmal scheinen die Alpen von Wiliberg aus zum Greifen nah. Je nachdem, wie das Wetter ist.

Gutes Wetter beschert den Wilibergern aber nicht nur Fernsicht, sondern auch die Möglichkeit für Ferngespräche. Denn je nach Wetterlage leuchten auf dem Handy von Patric Jakob ein oder zwei von möglichen fünf Balken, die den Empfang signalisieren. Trotzdem sagt er: «Ein richtiges Telefongespräch zu führen, ist für mich von zu Hause aus kaum möglich.» Und oft steht auf seinem Mobiltelefon auch schlicht: «Kein Netz».

Telefonieren zu können, wie alle anderen, dafür kämpfen die Wiliberger schon lange. Der Gemeinderat an vorderster Front. Doch die Swisscom zeigt sich bockig. Sie vertröstet und vertröstet die Bewohner der kleinen Uerkentaler Gemeinde immer wieder.

Wiliberg habe nicht erste Priorität, heisst es vom Geschäftssitz aus Bern. Und auch mit dem Festnetz hat es die Swisscom nicht eilig.

Einer von denen, die nicht oberste Priorität haben, heisst Benedikt Wolf. Und wie könnte es anders sein: Wolf konzipiert beruflich Webauftritte für Unternehmen und macht Onlinemarketing. Muss er grosse Datenmengen versenden, verschiebt er das in die Randstunden. Dann kann er schlafen, währenddessen seine Daten Byte um Byte geladen werden. Im nahen Schöftland wäre das mit einem Klick erledigt. Wolfs Abo: DSL-Mini – mehr würde sich gar nicht lohnen.

1000 Kilobit pro Sekunde sind im Grundversorgungsauftrag der Swisscom vorgeschrieben. Wolf kann nach eigenen Angaben nur gerade von 600 Kilobit profitieren. Das sind 30 Prozent der maximalen Leistung seines Abos. Bezahlen muss Wolf trotzdem voll. Laut Swisscom besteht dort, wo das Grundangebot nicht sichergestellt werden kann, die Möglichkeit von Internet via Satellitenverbindung. Wolf sagt dazu: «Diese Alternative bedeutet für mich technisch eher einen Rückschritt als eine Verbesserung.»

Doch jetzt regt sich etwas. Nachdem die Swisscom den Ausbau des Breitbandnetzes im vergangenen Sommer um mehr als zwei Jahre verschieben wollte, wehrten sich die Wiliberger mit Erfolg. Schnelleres Internet soll es nun bis Weihnachten 2013 geben. Die Inbetriebnahme der Mobilfunkanlage ist auf das dritte Quartal 2013 vorgesehen. «Nächstes Jahr», das hiess es allerdings schon vor einem Jahr. Swisscom-Mediensprecherin Annina Merk erklärt die lange Wartefrist damit, dass «wir nicht überall gleichzeitig ausbauen können».

Gemeindeammann Stephan Müller ist darum zuversichtlich. Beim Internet habe die Gemeinde einen Vertrag mit der Swisscom, sagt er. Beim Mobilfunk hingegen sei man machtlos. Spöttisch klingt da der Werbeslogan für eine neue Internetverbindung via Mobiltelefon – «so schnell war die Schweiz noch nie».

So müssen sich die Wiliberger also weiter gedulden, bis sie surfen und telefonieren können wie alle anderen. Bis dahin wird halt improvisiert. Wie zum Beispiel bei Eichenbergers. Kerstin Eichenberger erzählt, dass ihr Mann gern online Fotoalben zusammenstelle und diese dann drucken lasse. Weil die Internetverbindung nicht reicht, um die Bilder hochzuladen, fährt er dafür jeweils extra zur Schwiegermutter nach Schmiedrued.

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