Strassenverkehr

Wer am Steuer nicht telefoniert, zahlt die höhere Busse

Wäre dieser Autolenker (geknipst auf der T5 bei Suhr) von der Polizei beobachtet worden, wäre er jetzt wohl Fussgänger. Toni Widmer

Wäre dieser Autolenker (geknipst auf der T5 bei Suhr) von der Polizei beobachtet worden, wäre er jetzt wohl Fussgänger. Toni Widmer

Im Auto aufs Handy schauen, zieht eine Anzeige nach sich, und das kann teuer werden. Teurer als das Telefonieren am Steuer selber. Diese Erfahrung musste auch ein Autofahrer aus dem Wynental machen.

«Das darf doch nicht wahr sein», sagt Autofahrer F. aus dem Wynental. Er wurde in Suhr von der Polizei mit dem Handy in der Hand erwischt und gefragt, ob er während der Fahrt telefoniert hätte. «Nein», sagte F., «ich habe nicht telefoniert, sondern auf dem Display meines Handy bloss nachgeschaut, wer versucht hat, mich anzurufen.»

F. wurde verzeigt und erhielt von der Staatsanwaltschaft Aarau-Lenzburg 10 Tage später eine gesalzene Rechnung: «200 Franken plus Gebühren kostet mich das. Hätte ich telefoniert, würde es nur 100 Franken kosten. Das kann doch nicht wahr sein», sagt Autofahrer F.

Es ist wahr und es kommt noch dicker: F. muss damit rechnen, dass er auch noch Post von der Sektion Massnahmen des Strassenverkehrsamtes bekommt. Bei einer Anzeige wegen Vornahmen einer Verrichtung, welche die Bedienung des Fahrzeuges erschwert, kann unter Umständen gar der Führerausweis für drei Monate entzogen werden.

«Der Fahrzeugführer muss seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuwenden. Er darf beim Fahren keine Verrichtung vornehmen, welche die Bedienung des Fahrzeugs erschwert», so steht es im Strassenverkehrsgesetz. Ein Verstoss gegen diese Bestimmung zieht unweigerlich eine Anzeige nach sich. Aus kaum nachvollziehbaren Gründen verstösst gegen diese Bestimmung, wer nur schon auf das Display seines Handys guckt, nicht aber, wer damit telefoniert. «Es ist so, ich kann es nicht ändern. Aber ich kann verstehen, dass diese Regelung für den Bürger nur schwer nachvollziehbar ist», sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei.

«Stimmt. Das Gesetz macht einen Unterschied zwischen Telefonieren und Manipulieren», sagt auch Elisabeth Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Wer am Steuer ohne Freisprecheinrichtung telefoniere, werde nach wie vor mit 100 Franken gebüsst. Der Nationalrat habe im Juni dieses Jahres diese Praxis bestätigt und einen Vorstoss, mit dem eine höhere Busse gefordert worden sei, abgelehnt. «Wer hingegen am Steuer eine Manipulation vornimmt, die ihn in der Bedienung des Fahrzeuges einschränkt, wird verzeigt. Ein solches Vergehen kann nicht im Ordnungsbussenverfahren erledigt werden.»

Nun ist es so, dass nur telefonieren kann, wer vorher eine Nummer wählt. Ist das keine Manipulation, welche den Lenker in der Bedienung des Fahrzeuges einschränkt? «Doch», sagt Elisabeth Strebel. Wenn jemand beim Wählen mit seinem Handy am Steuer erwischt wird, zieht das eine Verzeigung nach sich. Wenn er nur telefoniert, gibt es eine Ordnungsbusse von 100 Franken.»

Allerdings ist auf Nachfrage auch Elisabeth Strebel anzumerken, dass ihr diese Diskrepanz im Strassenverkehrsgesetz nicht eben behagt: «Es ist einfach so», sagt sie. Und wir tragen dem bei der Staatsanwaltschaft Rechnung, in dem wir bei Verzeigungen keine hohen Bussen aussprechen. 200 Franken sind in einem einfachen Fall die Regel. In anderen Kantonen kostet das deutlich mehr.» Autofahrer F. aus dem Wynental wird das wohl kaum besänftigen.

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