Konzernverantwortungs-Initiative
Weniger als ein Fünftel engagieren sich: Unterstützung der Kirchen im Aargau ist eher bescheiden

Weniger als ein Fünftel der Pfarreien engagieren sich in der Konzernverantwortungsinitiative.

Fabian Hägler
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Die orangen Banner am Verwaltungsgebäude der Katholischen Landeskirche in Aarau hat ein Mitarbeiter bezahlt.

Die orangen Banner am Verwaltungsgebäude der Katholischen Landeskirche in Aarau hat ein Mitarbeiter bezahlt.

Sandra Ardizzone

Patrik Suter, Seelsorger in Ausbildung in Oeschgen im Fricktal, engagiert sich für ein Ja zur Konzernverantwortungs-Initiative. Er setze sich schon seit zweieinhalb Jahren mit der Initiative auseinander und habe auch schon einmal zur Thematik gepredigt, sagte Suter kürzlich gegenüber dem katholischen Pfarrblatt «Horizonte». Zusammen mit weiteren Seelsorgern in der Region werde er noch besprechen, was für Aktionen bis zum Abstimmungswochenende stattfinden sollen.

«Bei uns wurden noch keine Flyer in der Kirche aufgelegt und wir werden voraussichtlich kein Banner an den Kirchturm hängen», betonte Suter in einem Streitgespräch mit CVP-Nationalrätin und Kantonalpräsidentin Marianne Binder. Er betonte, er wolle seine Position nicht missbrauchen, um Parolen herauszugeben oder die Leute auf irgendetwas einzuschwören. «Ich appelliere an das Wissen und Gewissen der Menschen und lasse ihnen dann den freien Entscheid», sagte er. Der junge Seelsorger ist sich bewusst, dass politisches Engagement seitens der Kirche von den Gläubigen nur bedingt goutiert wird.

«Horizonte» nennt ein konkretes Beispiel, das aufzeigt, dass politische Äusserungen vielen Kirchenmitgliedern sauer aufstossen. So habe ein Leser der Redaktion geschrieben, ihm sei «sehr unangenehm aufgefallen, dass versteckt Reklame für die Annahme der Konzernverantwortungs-Initiative gemacht wird». Der Kritiker bezog sich auf die Inserate im Pfarreienteil, wo verschiedene Pfarreien für ein Ja zur Initiative warben.

Weniger als ein Fünftel der Pfarreien engagiert sich

Insgesamt ist die Zahl der Pfarreien und Kirchgemeinden im Aargau, die sich für ein Ja zur Konzernverantwortungs-Initiative am 29. November einsetzen, allerdings eher bescheiden. Laut einer Auswertung von «Horizonte» waren auf der Plattform «Kirchen für Konzernverantwortung» nur knapp ein Fünftel aller katholischen Pfarreien im Kanton aufgeführt. Bei den reformierten Aargauer Kirchgemeinden lag der Anteil mit 24 Prozent leicht höher.

In einem aktuellen Beitrag auf Facebook befürchtet SVP- Nationalrat Thomas Burgherr, das Engagement der Kirchen für ein Ja zur Initiative könnte zu vielen Austritten von verärgerten Gläubigen führen (siehe Artikel oben). Im Pastoralraum Region Brugg-Windisch hängen Flaggen für die Initiative und man hat sich mit dieser Problematik auseinandergesetzt, wie Sprecherin Dorothee Fischer in «Horizonte» sagt. Man sei sich bewusst, dass es Kritik geben könnte, und habe ein Argumentarium erarbeitet, um den Gläubigen zu begegnen. Darin finden sich auch Vorschläge, wie der Drohung eines Kirchenaustritts begegnet werden könne. Das Rezept: Man solle den Gläubigen in diesem Fall im Gespräch darlegen, dass die Kirche sich bei ihrem Engagement für die Initiative an ihrem biblischen Grundauftrag orientiere.

Keine orange Banner oder gelbe Plakate hängen an Kirchtürmen im Pastoralraum Mutschellen. Leiter Robert Weinbuch sagt: «Kirche ist politisch, wenn sie für die Werte eintritt, die Christus vorgelebt hat: für das Leben, Freiheit und Gerechtigkeit, die Menschen.» Mit der Taufe sei allen Christen diese politische Aufgabe übertragen worden. Ob ein Ja zur Initiative am 29. November dieser Berufung als Getaufte entspreche, müssten die christlichen Stimmberechtigte aber selbst entscheiden, hält Weinbuch fest.

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