Der beschuldigten Frau wird vorgeworfen, von Mitte 2009 bis Juli 2012 in den Kantonen Bern, Aargau und Luzern mehrere Bordelle finanziert und durch andere Personen thailändischer Herkunft betrieben zu haben.

Sie soll ihre Opfer von Drahtziehern aus Thailand für jeweils 10'000 bis 15'000 Franken übernommen haben. Das teilte die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern für besondere Aufgaben am Freitag mit.

Dem 47-jährigen Mann wird zur Last gelegt, als rechte Hand der Beschuldigten fungiert zu haben. Er soll verschiedene Dienste verrichtet haben, beispielsweise Abhol- und Chauffeurdienste. Zudem soll er für das Einkassieren von Geldern in den Bordellen zuständig gewesen sein.

Die beiden Beschuldigten werden sich insbesondere wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland zu verantworten haben. Zudem geht es bei der Anklage um Förderung der Prostitution und Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz.

Opfer mussten "Reiseschulden" abarbeiten

Die Opfer der Menschenhändler stammten aus ärmlichen Verhältnissen und wurden unter falschen Angaben zur Tätigkeit und zu den Arbeitsbedingungen aus Thailand in die Schweiz gelockt. Die Frauen und Transsexuellen mussten hier "horrende Reiseschulden und Entgelte von mehreren Zehntausend Franken abstottern", wie es in der Mitteilung heisst.

Die Opfer hatten weder eine Aufenthaltsbewilligung noch Orts- oder Sprachkenntnisse. Sie seien deshalb den Beschuldigten und ihren Bordellbetreiberinnen ausgeliefert gewesen, schreibt die Staatsanwaltschaft.

Die Beschuldigten befanden sich im Zuge der Untersuchung während rund vier Monaten in Untersuchungshaft. Sie sind weitgehend geständig.

Weiterer umfangreicher Fall

Ein grosser Fall von Menschenhandel war im Kanton Bern Ende Oktober 2012 aufgeflogen. Über 50 Frauen und Transsexuelle aus Thailand wurden gezwungen, sich in der Schweiz zu prostituieren, um für ihre Peiniger Schulden abarbeiten.

Ende vergangenen Jahres bestätigte das bernische Obergericht in diesem Fall die sechseinhalbjährige Freiheitsstrafe gegen eine 43-jährige Thailänderin. Sie wurde schuldig gesprochen wegen gewerbsmässigen Menschenhandels und Förderung der Prostitution. Ihr Ehemann wurde wegen Gehilfenschaft zu 36 Monaten teilbedingt verurteilt.