Niedergösgen
Weitere Missstände im «Schlossgarten»

Angehörige und Pensionäre im Pflegezentrum Niedergösgen berichten von unhaltbaren Zuständen. Das Essen sei «sehr mangelhaft» und die Infrastruktur marode. Nun nimmt der Gemeinderat erstmals Stellung zu den Vorwürfen.

Beat Wyttenbach
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Weitere Missstände im «Schlossgarten»

Weitere Missstände im «Schlossgarten»

Die Umbaumassnahmen im Betreuungs- und Pflegezentrum Niedergösgen haben hohe Wellen geworfen. An einer ausserordentlichen Gemeinderatssitzung hatten Leiter Rolf Scheidegger und Barbara Weilenmann, Präsidentin des Zweckverbandes Schlossgarten, Gelegenheit, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen. Doch der Fall zieht weitere Kreise; offensichtlich müssen seit Jahren Missstände im Zentrum herrschen, wie die Aussagen von Angehörigen und eines Anwohners zeigen.

Unklar sei beispielsweise, weshalb in einem erst 22-jährigen Gebäude die Wasserleitungen bersten und deshalb ersetzt werden müssen. Es entstand ferner der Eindruck, das Zentrum werde von einem «Clan» geführt, der keine Kritikpunkte zulasse. Ferner fehle eine Anlaufstelle seitens der Direktion für die Angehörigen. Auch wurde die Mutmassung geäussert, dass die Tarife gemäss den finanziellen Verhältnissen der Pensionäre erhoben würden, vor allem bei einem Hausverkauf.

Dies alles sei «hochgekommen», als die ersten kritischen Stimmen auftauchten. Deshalb hatten sich auch Angehörige inzwischen verstorbener Pensionäre gemeldet. Zu denken gebe ebenfalls, dass etliche Niedergösger Einwohner, welche ihr ganzes Leben hier im Dorf verbracht und Steuern bezahlt hätten, nun im Alter auf andere Heime ausgewichen seien. Schliesslich wurde angezweifelt, ob Rolf Scheidegger überhaupt über eine Heimleiter-Ausbildung verfüge.

«Mangelhaftes Essen»

Die Angehörige einer Pensionärin berichtete, das Essen im Zentrum sei «sehr mangelhaft». Sie bekämen kein bedürfnisgerechtes Essen, wenn sie krank seien, und zum Abendessen gäbe es entweder öfters Käsegerichte oder Gebäck aus Blätterteig, das tagsüber zubereitet werden könne und auf die Nacht hin schlecht verträglich sei. Auch von fingerdicken Wurstsalatscheiben und von zentimetergrossen Zwiebelwürfeln war die Rede. Auf die entsprechenden Reklamationen sei nicht eingegangen worden. Ferner würden die Bewohner nur gebadet, wenn das Personal anwesend sei; wenn es in den Ferien weile, geschehe dies zwei bis drei Wochen lang nicht.

Die Replik des Heimleiters

Mit den zahlreichen Vorwürfen konfrontiert, stellte Heimleiter Rolf Scheidegger klar, dass er bezüglich Ausbildung alle Anforderungen erfülle, die der Kanton stelle. Er habe eine Lehre als Koch absolviert, danach mehrere Jahre in Spitälern und Heimen gearbeitet und währenddessen berufsbegleitend die Ausbildung zum Heimleiter absolviert, noch bevor er den «Schlossgarten» 1988 übernommen habe. Die entsprechenden Dokumente lägen vor.

Scheidegger zeigte sich «vom Gedanken irritiert», dass die erhobenen Vorwürfe Repressalien gegenüber den Pensionären und Angehörigen auslösen könnten. «Das wird nie vorkommen», bekräftigte er. Wenn Missstände vorliegen würden, so müsse man diese «angehen und verbessern».