Fluglärm
Was Schupfart in Sachen Fluglärm vom Flugplatz Birrfeld lernen könnte

In Schupfart und den umliegenden Gemeinden ist eine Diskussion um den Fluglärm entbrannt. Damit steht die Region nicht alleine da: Auch im Umkreis des Flugplatzes Birrfeld wird der Lärm immer wieder zum Thema.

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Lautes Hobby: Ein Flieger im Anflug auf den Flugplatz in Schupfart. (Symbolbild/Archiv)

Lautes Hobby: Ein Flieger im Anflug auf den Flugplatz in Schupfart. (Symbolbild/Archiv)

Seit Flugzeuge fliegen, gehen Menschen in die Luft. Wortwörtlich – und auch im übertragenen Sinn. Denn der Lärm, den die Maschinen auch auf Flugplätzen im Aargau verursachen, nervt viele Anwohner. Besonders deutlich zeigt sich das in den Frühlings- und Sommermonaten oder dann, wenn es um eine Abstimmung geht. Wie aktuell in Schupfart. Dort entscheiden die Ortsbürger am 27. Juni über den neuen Pachtvertrag für den Flugplatz.

Einer der Inhalte des neuen Vertrags sind die Betriebszeiten auf dem Flugplatz. Der Gemeinderat und der Aero-Club wollen diese ausweiten: Die Mittagspause soll verkürzt und der Flugbetrieb an Sonntagen sowohl morgens und abends ausgedehnt werden.

Unmut in der Zeitung geäussert

In anonymen Inseraten hat ein Anwohner gefordert, dass Schupfart den Flugplatz schliesst und dafür von den Nachbargemeinden finanziell entschädigt wird. Er fühle sich durch den Fluglärm «massiv belästigt», sagt der Wittnauer gegenüber Tele M1.

Damit ist er nicht allein. In Leserbriefen äussern sich auch Anwohner anderer Gemeinden nahe vom Flugplatz kritisch. Die Anpassung sei unverständlich, heisst es da etwa. Und: «An einem Sonntag, der eigentlich der Ruhe und Erholung dient, würde man täglich drei Stunden länger vom Flugzeug-Gebrumm zugedröhnt.»

Aufruf an die Piloten

Beim Flugplatz Schupfart scheint man sich der Problematik bewusst zu sein. «Unsere Schleppflugzeuge sind leiser geworden!», steht in fetter roter Schrift auf der Homepage des Aero-Clubs. Die Motoren der Flugzeuge sind mit lärmreduzierten Vierblatt-Propellern ausgerüstet worden, damit sie leiser werden.

Die Piloten werden zudem dazu angehalten, sich «aus Rücksicht auf die Anwohnergemeinden exakt an die publizierten An- und Abflugrouten» zu halten. «Bitte fliegen Sie so leise wie möglich, vermeiden Sie unnötigen Lärm», heisst es. Als lärmempfindliche Gebiete gelb markiert sind auf der Anflugkarte die Gemeinden Wegenstetten, Hellikon, Obermumpf und Schupfart.

Birrfeld kennt das Problem auch

Der Aufruf an die Piloten, sich rücksichtsvoll zu verhalten – er hat andernorts schon genutzt. «Dieser Lärm ist fast unerträglich», monierten vor einigen Jahren Anwohner aus Rütihof, die sich am Flugplatz Birrfeld störten. «So viele Anwohner müssen leiden, weil einige wenige Leute ihr exklusives Hobby ausüben wollen», schrieben sie in einem offenen Brief.

Der Flugplatz Birrfeld hat reagiert. Viele der Reklamationen hätten die Flugrouten betroffen, sagt Flugplatzchef Roger Trüeb. «Seit gut fünf Jahren überprüfen wir nun mit Stichproben, ob sich die Piloten daran halten.» Das sei mittlerweile grösstenteils der Fall. «99 Prozent fliegen auf den vorgegebenen Routen», sagt Trüeb.

Stichproben bei Flugroute

Die Stichproben helfen einerseits, die Piloten zu kontrollieren, sie verbessern andererseits aber vor allem das Image des Flugplatzes. Dazu gehört auch, dass die Flugzeuge mit leiseren Triebwerken ausgerüstet wurden und der Flugplatz eine Regel für Kunstflieger eingeführt hat.

«Die Akrobatikpiloten müssen angeben, wo sie ihre Flüge machen. Das entsprechende Gebiet wird dann für zwei Tage gesperrt», erklärt der Flugplatzchef das System. So soll gewährleistet werden, dass Anwohner eines bestimmten Gebiets nicht übermässig belästigt werden. Da es sich nicht um ein Gesetz handelt, müssen sich die Piloten nicht daran halten. «Die Allermeisten machen es aber», sagt Trüeb.

Diese Massnahmen kommen bei den Anwohnern gut an. «Sie sehen, dass wir uns Mühe geben und nicht ignorant und ohne Rücksicht auf Verlust unser Hobby ausüben», sagt Trüeb. Die Reklamationen nahmen zwar auch in diesem Frühjahr zu. Das sei aber ein normales Phänomen, sagt Trüeb. «Im Frühjahr sitzen die Leute wieder draussen, da fällt der Lärm auf.» Medial aber ist es ruhig geworden um den Lärm beim Flugplatz Birrfeld.

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