Traditionsgemäss auf Schloss Lenzburg versammelten sich gestern rund 220 Aktionäre der AZ Medien zur Generalversammlung. Sie konnte wieder in entspannterem Rahmen abgehalten werden als vor einem Jahr, als Verwaltungsrat und Geschäftsleitung über das schwierigste Jahr seit Bestehen des Unternehmens mit einem Konzernverlust von fast 15 Millionen rapportieren mussten.

Für das Geschäftsjahr 2010 konnte nun wieder ein positives Ergebnis mit einem Konzerngewinn von 3,2 Millionen Franken präsentiert werden. An die Aktionäre wird eine Dividende von 10 Franken pro Aktie ausgeschüttet, insgesamt 756000 Franken.

«Wieder Tritt gefasst»

«Das ist keine Steigerung, die uns Luftsprünge machen lässt», so CEO Christoph Bauer, der sich aber bezüglich der weiteren Entwicklung vorsichtig optimistisch zeigte. In den Himmel wachsen die Bäume in der Medienlandschaft, insbesondere im Zeitungsmarkt nicht. Aber bei gleichbleibender Konjunkturentwicklung dürfe im laufenden Jahr mit einer weiteren Ergebnisverbesserung gerechnet werden.

Das stimmt auch Verleger und Verwaltungsratspräsident Peter Wanner zuversichtlich. «Die AZ Medien haben wieder Tritt gefasst», verkündete er den Aktionären. Mit dem neuen CEO Christoph Bauer sei auch ein neuer Drive in das Unternehmen gekommen. Ein eigenes News-Portal für die sechs Zeitungstitel az Aargauer Zeitung, az Limmattaler Zeitung, az Solothurner Zeitung, az Grenchner Tagblatt, az Langenthaler Tagblatt und bz Basellandschaftliche Zeitung mit einer iPad-Applikation, die Eröffnung sechs neuer Redaktionsbüros in Regionalzentren oder die neue Studiotechnik und der eigene Programmsplit für den Kanton Solothurn bei Tele M1 sind Stichworte dazu. Festlicher Höhepunkt des vergangenen Jahres war die offizielle Eröffnung des neuen AZ Mediencenters in Aarau Ende September.

Jahrhundertereignisse jagen sich

Journalistisch zu bewältigen waren die Jahrhundert- oder zumindest Jahrzehntereignisse praktisch im Wochentakt, wie Verleger Peter Wanner resümierte. Das sei für ein Medienunternehmen ja eigentlich eine gute Nachricht, denn: «Je verrücktere Dinge sich in dieser Welt abspielen, desto mehr braucht es Orientierung, Erklärung und Aufhellung der Hintergründe», so Wanner. Für ihn wie für alle Medienunternehmer stellt sich aber dabei die Frage: Wie ist guter Journalismus, hochstehende publizistische Qualität vor allem bei Tageszeitungen zu finanzieren, wenn Einnahmen durch die Abwanderung von Anzeigen ins Internet unwiederbringlich wegbrechen?

Peter Wanner wagt einen Blick in die (nahe) Zukunft: Mit dem iPad eröffne sich eine neue Chance. Er rechne damit, dass es in ein, zwei Jahren gelinge, ein Paid-content-System für die Konsumenten einzuführen, die Medien nur noch elektronisch nutzen wollen.

Wechsel im Verwaltungsrat

Zusammen mit dem Rücktritt von Frank Boller aus dem Verwaltungsrat der AZ Medien wurde an der Generalversammlung eine Neuerung bekannt gegeben. Boller verlässt das Gremium, weil er Verwaltungsratspräsident der Radio Argovia AG wird und Radio Argovia vollständig von den AZ Medien getrennt wird.