Grosse Umfrage
Was den Aargauern an ihrem Kanton am besten gefällt

Die Landschaft steht bei den Bewohnern des Kantons Aargau höher im Kurs als Arbeitsplätze oder Steuern. Das zeigt eine Exklusivumfrage der az Aargauer Zeitung.

Urs Moser
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Blick auf den Hallwilersee

Blick auf den Hallwilersee

AZ

Der erste Befund, den eine Exklusiv-Umfrage zur Befindlichkeit der Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons Aargau liefert, ist schon einmal sehr positiv: Die Aargauer sind alles in allem mit ihrer Lebenssituation zufrieden. Zumindest möchten sie nicht lieber woanders zu Hause sein. Die überwältigende Mehrheit der Menschen, die hier lebt, lebt auch gerne im Aargau. Um genau zu sein: 68 Prozent der Befragten sind sehr gern, 29 Prozent zumindest «her gern» hier zu Hause.

Was im Aargau besonders gefällt

Was im Aargau besonders gefällt

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Unter dem Strich unzufrieden mit dem Wohnkanton ist also nur eine kleine Minderheit der Aargauerinnen und Aargauer: 1 Prozent lebt «eher ungern», 2 Prozent «ganz ungern» hier.

Schöner als moderate Steuern ...

Aber warum gefällt es den Leuten im Aargau, worauf kommt es ihnen an? Hier zeigt sich eine erste Überraschung. Es sind nicht die Arbeitsplätze, es ist nicht die Verkehrslage, auch die Steuern spielen eher eine untergeordnete Rolle – darf man jedenfalls annehmen, da der Aargau ja nicht zu den Schweizer «Steuerhöllen» gehört, sondern als steuerlich durchaus nicht unattraktiv gilt. Das bestätigt sich übrigens auch darin, dass der Steuersatz von deutlich mehr Neuzuzügern als Alteingesessenen unter «gefällt mir besonders gut» genannt wurde.

... ist eine schöne Landschaft

Absoluter Standortfaktor Nummer eins, zumindest was die Privatpersonen betrifft, sind aber eine schöne Natur und Landschaft. Besonders hoch im Kurs zu stehen scheint dabei die Gegend um den Hallwilersee. Das wurde allerdings nicht repräsentativ erhoben, lediglich die kleine, unten stehende Umfrage unter Prominenten deutet darauf hin.

Regierung und Parlament dürften also durchaus einen richtigen Schwerpunkt setzen, wenn sie ein neues Programm «Natur 2020» lancieren und dafür 10 Millionen Franken investieren.

Damit ist nicht gesagt, dass die neuste Offensive zur Förderung des Aargaus als Hightech-Standort, generell eine aktive Wirtschaftspolitik oder die Steuerrevision zur Entlastung hauptsächlich des Mittelstands die Akzente falsch setzen. Auffallend in der Umfrage: Gleich nach Natur und Landschaft nennen die Aargauer, die ja überwiegend sehr gerne hier zu Hause sind, die Nähe zu den grossen Zentren Zürich, Bern oder Basel als denjenigen Punkt, der ihnen am Aargau am besten gefällt. Das dürfte darauf schliessen lassen, dass es sich hier zwar sehr angenehm lebt, man zum Verdienen des Lebensunterhalts aber oft darauf angewiesen ist, auf weiter entfernte Standorte auszuweichen. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten werden nur von 5 Prozent der Befragten als besonders positiv beurteilt. Auf die Frage, was den Aargauern am Aargau besonders gut gefällt, folgen sie erst auf Rang 7.

Keine Frage der Politik

Der gesamthaft deutlich obenaus schwingende Standortfaktor «Natur und Landschaft» ist für die Frauen noch wichtiger als für die Männer und für die Alterskategorie der über 55-Jährigen bedeutender als für die Jüngeren. Hingegen scheint die Liebe zu Natur und Landschaft wenig mit der politischen Einstellung zu tun zu haben, wie man vielleicht meinen könnte. Von den Befragten, die sich selbst als politisch links stehend bezeichneten, ist bei 52 Prozent die Natur das, was ihnen am Aargau am besten gefällt. Bei denen, die sich selber politisch rechts positionieren, stehen Natur und Landschaft sogar noch ein ganz kleines Bisschen höher im Kurs: Hier nannten 53 Prozent dies als zentralen Faktor.

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