«Wir müssen uns bewegen, Ideen haben, dann sind wir nicht gefährdet», sagt Alfred Zimmermann. Er ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der Asana-Gruppe (Spitäler Leuggern und Menziken) und Direktor in Leuggern. Als er vor 20 Jahren begann, gab es im Spital Leuggern 1300 Geburten pro Jahr, heute sind es 5000. «Mit dem Zurzibiet allein betreibt man kein Spital wirtschaftlich; aber wenn wir einen guten Ruf haben, kommen auch Leute von weiter weg zu uns, auch von ennet dem Rhein.»

Über die Region hinaus aktiv

Es wäre für die Region ein grosser Verlust, wenn das Spital geschlossen würde, sagt Zimmermann. Es sei ja auch zunehmend schwierig, Hausärzte zu finden, da könne das Spital in die Lücke springen. Zwar müsse sich ein Regionalspital auf die Grundversorgung beschränken. «Trotzdem können wir gewisse Spezialitäten anbieten: Orthopädie, Urologie, Ohren/Nasen/Hals – das Rezept heisst Belegarzt-System. Wir arbeiten heute mit 48 Belegärzten zusammen.»

In der Zentralspital-Frage will sich Zimmermann nicht exponieren, betont aber: «Für uns hier in Leuggern ist es gut, wie es im Moment ist. Wir arbeiten eng mit Baden zusammen, wir sind integriert im Gesundheitsnetz Aargau Ost. Wie auch immer das neue Modell aussieht: Wir brauchen eine Garantie, dass diese Kooperationen weitergehen können.»

Zwei Spitäler in einer Boomregion

«Wir sind im Fricktal gut aufgestellt», sagt Anneliese Seiler, CEO des Gesundheitszentrums Fricktal mit den Spitälern Rheinfelden und Laufenburg. «Wir haben mit der neuen Spitalliste die bisherigen Leistungsaufträge im Wesentlichen wieder erhalten, man beschneidet uns nur wenig in unseren Angeboten, damit haben wir auch die Basis für eine gute Zukunft.» Studien haben nicht nur für den Aargau, sondern für die gesamte Nordwestschweiz gezeigt: Die Zahl der Spitalbetten ist keineswegs üppig.

Und die Bevölkerung wächst – vor allem im Fricktal. Den «Zug nach Basel», wie er im Fricktal in vielen Branchen feststellbar ist, gibt es auch im Spitalwesen. «Doch wir arbeiten auch sehr gut mit den Spitälern in Aarau und Baden zusammen», sagt die Direktorin, «Basel kommt vor allem in jenen Disziplinen zum Zug, bei denen das Universitätsspital auf der Aargauer Spitalliste figuriert.»

Für eine fusionierten Kantonsspital Aargau AG besteht gemäss Anneliese Seiler keine Notwendigkeit: «Das Aargauer Spitalwesen funktioniert heute sehr gut, es ist nachweislich kostengünstig und von hoher Qualität, die beiden Kantonsspitäler kooperieren zwar, stehen aber unter sich auch in gesunder Konkurrenz, was der Gesetzgeber ja will – warum soll man etwas, das sich in jeder Hinsicht bewährt, ändern?»

Grössere Einheiten sind teurer

Auch Marco Beng, CEO des Kreisspitals für das Freiamt in Muri, lehnt die Zusammenführung ab: «Ein Gesetz aus der Wirtschaft sagt: Je grösser eine Einheit, desto teurer wird sie. Bei der Fläche und der Bevölkerung des Aargaus erträgt es bei Weitem zwei Kantonsspitäler. Der interkantonale Vergleich zeigt: Die Spitalversorgung im Aargau ist kostengünstig und von hoher Qualität.»

Er lehne die Fusion als Kantonsbürger ab – aber auch als Spitaldirektor: «Wir arbeiten heute mit beiden Kantonsspitälern zusammen, intensiv mit Baden im Rahmen des Gesundheitsnetzes Aargau Ost. Die Zusammenarbeit geschieht unkompliziert und auf Augenhöhe. Mit Aarau ist es schon ein wenig schwieriger, weil das Spital halt grösser ist. Mit einem einzigen Grossspital wäre es mit Sicherheit noch schwieriger.»

Auch Beng sieht für «sein» Regionalspital «positiv in die Zukunft»: «Wir wachsen mit 3 bis 7 Prozent pro Jahr, wir arbeiten nachweislich kostengünstig – und wir sind beliebt bei der Bevölkerung, das zeigen zahlreiche Rückmeldungen.» Dass eine Region ihr Spital gern in der Nähe hat, sieht auch Marco Beng. «Für mich ist indessen das Kriterium Distanz nicht das wichtigste; die Leute sind heute so mobil, da fahren sie auch länger bis ins nächste Spital. Das stärkste Argument für das Regionalspital ist für mich: Die Zentralisierungswelle rechnet zu wenig mit dem Bedürfnis der Menschen nach Übersichtlichkeit, nach persönlicher Betreuung. Die grössere Einheit ist nicht nur weniger kostengünstig – sie ist auch weniger menschengerecht.»

Es hat eher zu wenig Spitalbetten

Rainer Klöti ist Vizepräsident des Verwaltungsrates und Belegarzt am Medizinischen Zentrum Brugg (MZB). Das private MZB für ambulante und teilstationäre Medizin ist 2005 entstanden, nachdem der Kanton die Schliessung des Bezirksspitals verfügt hatte. Sind weitere Regionalspitäler gefährdet? Nein, sagt Klöti: «Der Aargau hat, im Gegensatz zu anderen Kantonen, kein Betten-Überangebot.

Die Auslastung einiger Häuser liegt bei über 95 Prozent – das nennt man andernorts bereits ‹Notstand›.» Es brauche also auch die Betten an der Peripherie. Wichtig sei aber eine saubere Aufgabenteilung: «Die Regionalspitäler müssen sich auf die einfachen und häufigen Fälle beschränken. Nur so können sie langfristig wirtschaftlich betrieben werden.» Empfehlenswert seien auch Partnerschaften, wie sie das MZB mit dem Spital Baden, der Klinik Barmelweid, einem privaten Labor und einem Pflege- und Therapiezentrum eingegangen ist.

Zwei komplette Angebote

Wie stellt sich Klöti zum Zwist um ein Zentralspital an zwei Standorten? «Es bringt nichts, einen Hut auf zwei Köpfe setzen zu wollen», sagt er, «wenn wir zwei Köpfe haben, brauchen wir zwei Hüte.» Die Stärke der Kantonsspitäler sei die spezialisierte Versorgung für komplexe Fälle, organübergreifende Medizin, Intensivmedizin. «Ich weiss nicht, wie man diese spezialisierte Versorgung auf zwei Standorte aufteilen kann. Wir haben zunehmend Patienten mit Mehrfachdiagnosen, was machen wir, wenn an einem Standort eine Disziplin fehlt? Will man zwei Spitäler, braucht man zwei komplette Angebote der spezialisierten Medizin.»