«Die Schlange, die vergangene Woche angespült wurde, ist ein spezieller Fund», sagt Renzo Soliva. Während 30 Jahren als Klärwart bei der Kläranlage der erzo hat er zahlreiche Dinge gesehen, die eigentlich nicht ins Abwasser gehören: Kleine Spielzeugautos, Essensreste, Katzenstreu, Unterhosen, aber auch tote Kanarienvögel. «Alles, was durch die Abflussrohre passt, landet schliesslich bei uns», meint er nüchtern. «Es haben auch schon Leute angerufen, die aus Versehen ihren Ehering oder das Gebiss das WC hinuntergespült haben», erzählt Soliva. Helfen konnte er diesen Leuten nicht, denn es ist schlicht unmöglich, etwas wiederzufinden im Müll, den der Rechen regelmässig aus dem Abwasser fischt.

Textiler Abfall ist ein Problem

Zunehmend Probleme bereitet der Kläranlage textiler Abfall, der im Abwasser mitgespült wird. Dieser Abfall löst sich im Wasser schlechter auf als beispielsweise Papier und ist auch deutlich reissfester. Wenn der Rechen diesen Müll nicht aus dem Wasser fischt, verstopft er später die Sandfangpumpe, die den angeschwemmten Sand wegpumpt. In einer aufwändigen Prozedur muss dann die Pumpe aus dem Becken gehoben und gesäubert werden - manchmal bis zu zwei Mal pro Woche. «Wir vermuten, dass zum Beispiel Feuchttücher und diese neuartigen Putzlappen, die es seit einigen Jahren zu kaufen gibt, für den textilen Abfall verantwortlich sind und die Pumpe verstopfen», sagt Renzo Soliva.

Der Kläranlage der erzo sind neben den Gemeinden Brittnau, Reiden, Strengelbach, Wikon, Zofingen und dem südlich der A1 gelegenen Teil Oftringens auch verschiedene industrielle Betriebe angeschlossen. Deshalb ist die Kläranlage Oftringen als Chemie-Kläranlage konzipiert und für die Reinigung von stark verschmutztem chemischem Abwasser eingerichtet. Trotzdem erleben die Arbeiter in der Kläranlage immer wieder Überraschungen.

Renzo Soliva erinnert sich an jenen Tag, als von der Chemiewehrschule in Zofingen eine grosse Menge Löschschaum in die Kläranlage geleitet wurde. Die Klärbecken sahen aus wie überdimensionale Schaumbäder. «Für die Kläranlage war es kein Problem, das aufgeschäumte Wasser zu reinigen», sagt Soliva, «aber bis der Schaum endlich zusammenfiel, dauerte es sehr lange.»

An einem anderen Tag landete sehr viel Heizöl in der Kläranlage. Bei einer kleineren Kläranlage hätte diese Menge Heizöl die für die Klärung des Abwassers zuständigen Mikroorganismen zerstört. Nicht so in Oftringen. «Nur weil unsere Anlage so gross ist, hat dieser Zwischenfall keine Probleme verursacht», sagt Renzo Soliva.

Kläranlage liefert saubere Arbeit

Obwohl vergangene Woche eine Schlange in der Kläranlage angespült wurde, beschäftigen kuriose Gegenstände und Flüssigkeiten, die nicht ins Abwasser gehören, Renzo Soliva und sein Team nur in Ausnahmefällen. Normalerweise funktioniert die Kläranlage einwandfrei, und nach rund 24 Stunden ist das Wasser so gut geklärt, dass es grösstenteils sauberer ist als vom Gesetz gefordert.